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Verschlüsselung: Michael Hayden - vom NSA-Chef zum Apple-Alliierten

Former NSA and CIA Director Michael Hayden speaks at the TechCrunch Disrupt event in Brooklyn borough of New York

Michael Hayden auf der Disrupt-Konferenz in New York.

(Foto: REUTERS)

Das goldene Zeitalter der Überwachung sei eine "Anomalie" gewesen, sagt der einst mächtige Geheimdienstler. Da würde sogar Edward Snowden zustimmen.

Michael Hayden glaubt fest daran, dass der amerikanische Geheimdienst NSA den Ausnahmezustand hinter sich hat. "Die vergangenen zehn Jahre waren eine Anomalie", sagt er. Dann folgt noch ein erstaunlicher Satz von jenem Mann, der als einziger Mensch Chef der NSA (1999 bis 2005) und der CIA (2006 bis 2009) war. Er sage ihn in persönlichen Gesprächen zu seinen Freunden in der Regierung: "Findet euch damit ab."

In den vergangenen zehn Jahren sind Smartphones zu persönlichen Gegenständen geworden. Sie können mehr über Menschen verraten als deren Wohnungen. Smartphones waren aber lange praktisch unverschlüsselt. Telefonate und Chats abzuhören, gelang den Nachrichtendiensten en passant, wie die Dokumente des Whistleblowers Edward Snowden gezeigt haben. Das ist die Anomalie, von der Hayden spricht. Jahrelang lagen Gespräche, die bis vorher privat geblieben waren, für die Geheimdienste praktisch offen. Sicherheitsexperten nennen es das "goldene Zeitalter der Überwachung". Es soll bald vorbei sein, sagt Hayden auf der Centrify Connect, einer Veranstaltung zu IT-Sicherheit in New York.

Wenn Michael Hayden spricht, hören die USA zu. Das bringen sowohl seine Ex-Jobs mit sich als auch die Nachrichtenlage. Fast täglich macht Cybersicherheit in den USA Schlagzeilen.

Der Abhörexperte stellt sich auf Apples Seite

Hayden kann Fragen druckreif beantworten, so wie am Mittwoch. Er spricht in kurzen Hauptsätzen, mit klaren Bildern. Putin? Ein Pate, der kriminelle Cybergangs kontrolliert. China? Hut ab vor seinen Hackern! Hätte Hayden zu seiner Zeit Zugriff auf Informationen gehabt, wie chinesische Hacker sie erbeutet haben, wäre seine Reaktion klar gewesen: "I would have busted through that baby in a heartbeat." Er hätte die Defensive der Gegner im Nu durchbrochen.

Aber es sind nicht nur seine Eloquenz und früheren Jobs, die Hayden zur gefragten Person machen. Vielmehr ist es seine Verwandlung vor den Augen der Öffentlichkeit. Der Mann, der 40 Jahre in der Air Force diente und unter dessen Führung der Geheimdienstapparat massiv ausgebaut wurde, vertritt mittlerweile Positionen, die auch Edward Snowden abnickt. Hayden selbst nennt Snowden "Voldemort". Das ist der Bösewicht aus Harry Potter, dessen Name nicht erwähnt werden darf.

Zuletzt trat Hayden wie ein Datenschützer auf: Der iPhone-Hersteller Apple führte einen erbitterten Streit mit dem FBI. Es ging um ein Smartphone, das einem getöteten Terroristen gehörte. Die Ermittler wollten Zugriff auf die Daten, konnten das Telefon aber nicht knacken, da es zu gut gesichert war. Hayden steht an der Seite von Apple, auch an diesem Mittwoch: "Das FBI hat das Recht, diesen Zugriff zu verlangen. Ich glaube aber, dass das eine blöde Idee ist." Wer Verschlüsselung bewusst schwäche, schade der Nation.

"Metadaten sind unfassbar mächtig"

Das sind Sätze, die ihm von manchen im Sicherheitsapparat übel genommen werden. Sie - jene, die sich "damit abfinden sollen", dass man nicht mehr jeden abhören kann - werfen Hayden in einem Artikel der New York Times vor, Verschlüsselung nur aus Geschäftsinteressen gut zu finden. Hayden arbeitet mittlerweile für eine Beraterfirma, die gute Beziehungen zum Silicon Valley pflegt.

Auf Nachfrage widerspricht Hayden. "Meine Position ist über die Jahre konsistent." Er entscheide nach Fakten. Er habe sich bereits Monate vor dem Showdown zwischen Apple und dem FBI für Verschlüsselung ausgesprochen. Die Gefahr durch talentierte Hacker sei so groß, dass die Industrie sich selbst verteidigen müsse - zum Beispiel, indem sie gut verschlüsselt. Für Geheimdienste bliebe weiterhin der Zugriff auf Metadaten. Also wer mit wem, wann und wie lange kommuniziert. Diese Daten sind so aussagekräftig, dass die US-Armee auf ihrer Basis Menschen umbringt. "Metadaten sind unfassbar mächtig", sagte Hayden auf der auf der IT-Konferenz TechCrunch Disrupt in New York - seiner zweiten Konferenz an diesem Tag.

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