Verbraucherschützer klagen Mit härteren Bandagen gegen Facebook

Verbraucherzentralen kritisieren bereits seit längerem den fehlenden Datenschutz bei Facebook. Weil das Unternehmen nicht reagiert, hat die Geduld nun ein Ende.

Von Daniela Kuhr

Verbraucherschützer haben das soziale Netzwerk Facebook wegen mangelnden Datenschutzes verklagt. Ihrer Ansicht nach verstoßen Klauseln in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen sowie in den Datenschutzbestimmungen gegen geltende Verbraucherrechte.

Facebook unter der Lupe: Verbraucherschützer klagen nun gegen das US-Unternehmen.

(Foto: dpa)

Weil Facebook auf eine Abmahnung nicht reagiert habe, sei nun vor dem Landgericht Berlin Klage eingereicht worden, teilte der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) am Montag mit.

Die Kritik des Verbands richtet sich vor allem gegen den "Freundefinder" von Facebook. Er verleite Facebook-Mitglieder dazu, beispielsweise die E-Mail-Adressen und Namen ihrer Freunde, die bislang noch nicht Mitglied bei Facebook sind, in das Netzwerk zu importieren.

"Die E-Mail-Adressen werden dazu genutzt, die Freunde auf Facebook einzuladen und sich dort zu registrieren. Dies erfolgt ohne die Einwilligung der Eingeladenen," kritisierte Projektleiterin Carola Elbrecht.

Zudem regelt Facebook, dass beispielsweise Drittanbieter, deren Spiele oder Grußkarten über das Profil eines Mitglieds eingebunden sind, auch auf die Daten von dessen Freunden zugreifen können. "Wer bei Facebook ein Spiel spielt, muss damit rechnen, dass diese Anwendung auch auf die Daten seiner Freunde zugreift", sagte Elbrecht.

Datenschutzstandards missachtet

Auch die Allgemeinen Geschäftsbedingungen stören die Verbraucherschützer. Beispielsweise muss der Nutzer erst Fan der sogenannten Facebook-Site-Governance-Seite werden, um über Änderungen der Bedingungen informiert zu werden.

Das Online-Netzwerk ist in der Vergangenheit immer wieder in die Kritik geraten. Im April hatte Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) per öffentlichem Brief an Facebook-Chef Mark Zuckerberg ihren Austritt aus dem Netzwerk angekündigt. Ihr Protest richtete sich damals gegen die Pläne des Konzerns, allgemeine Daten über Nutzer an Dritte weiterzugeben.

"Im Fall Facebook wird deutlich, dass insbesondere Anbieter aus den USA sich nicht um europäische Datenschutzstandards kümmern", sagte VZBV-Chef Billen. Er forderte die EU und die Bundesregierung auf sicherzustellen, dass europäische Datenschutzstandards für EU-Bürger auch in den USA eingehalten werden.

Im vergangenen Jahr hatten sechs Anbieter ihre Geschäftsbedingungen und Datenschutzbestimmungen geändert, nachdem der VZBV die Anbieter zur Unterlassung aufgefordert hatte. "Leider hat sich Facebook bisher als beratungsresistent erwiesen", sagte Billen. "Wir sehen uns daher gezwungen, die Einhaltung von Verbraucher- und Datenschutzstandards gerichtlich zu erzwingen."

Lesen Sie hierzu Berichte in der Süddeutschen Zeitung.

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