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Überwachung im Netz:Alle Daten standen frei verfügbar online

Hacken kann eine Straftat sein, daher mussten die Aktivisten nach Rücksprache mit der Datenschutzbehörde ein paar Regeln befolgen: Die Daten müssen frei verfügbar sein und dürfen keine intimen Informationen enthalten. In einem Fall war aus ihnen ersichtlich, dass eine Person ihren Job verloren hatte, nachdem bei ihr Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert worden war.

Das wurde ebenso gelöscht wie Informationen, die auf die sexuellen Vorlieben der Erfassten schließen ließen. Als weitere Sicherheitsmaßnahme muss Setup die Daten auf einem verschlüsselten Server speichern; die Datenbank darf nicht online stehen.

Dass die Aktion mit der NSA in Verbindung gebracht wird, ist eher Effekthascherei. Das Budget der Geheimdienste beträgt mehrere Milliarden Dollar, die Mitarbeiter arbeiten nicht nur am Wochenende und beschränken sich vor allem nicht auf frei verfügbare Daten. Wie man mittlerweile weiß, holen sie sich auch private Informationen per Anordnung von Geheimgerichten oder auf andere intransparente Weise. Umso eindrücklicher ist die Botschaft: Wenn es schon einem Haufen Freiwilliger gelingen kann, derart einfach an so viele Daten zu kommen, stehen Menschen Geheimdiensten schutzlos gegenüber.

Das Publikum singt einem Fremden Happy Birthday

Frank-Jan nimmt den Anruf von Ellen Bijsterbosch an. Das Publikum beginnt, Happy Birthday zu singen. In den Niederlanden ist es zehn Uhr nachts. Frank-Jan klingt verwirrt. Bijsterbosch sagt ihm, dass sie sich später bei ihm melden werde, um ihn aufzuklären. Das Publikum johlt.

"Er dachte, dass seine Freunde ihm einen Streich spielen", schreibt Bijsterbosch nach dem Vortrag in einer E-Mail. Sie hätten ihm erklärt, was es mit dem Anruf auf sich habe: "Er hat gesagt, er findet das Projekt sympathisch, aber auch ein bisschen verrückt." Frank-Jan hätte nicht gedacht, dass ihn persönliche Informationen noch einmal heimsuchen würden, die er vor Jahren online gestellt hatte.

© SZ.de/jab/sih

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