Überwachung durch Geheimdienst GCHQ Briten speichern Youtube-Klicks und Facebook-Likes

Den Arabischen Frühling hat der britische Nachrichtendienst beinahe verschlafen. Das sollte nicht noch einmal passieren - deswegen hat der GCHQ Snowden-Dokumenten zufolge eine Methode entwickelt, um den Datenverkehr bei Facebook und Youtube live abzufangen.

Sie überwachen alles, was wir im Internet tun und verfolgen jeden digitalen Schritt. Trotzdem haben die Geheimdienste NSA und GCHQ zu spät erkannt, dass mit dem Arabischen Frühling 2011 eine Revolution bevorstand. Das brachte den britischen Spionen Ärger vom eigenen Parlament ein - so dass sie das Programm "Squeaky Dolphin" ("quietschender Delfin") entwickelten.

Damit überwacht der britische Geheimdienst GCHQ offenbar in Echtzeit mehrere soziale Netzwerke und kann diese Nutzeraktivitäten einzelnen Regionen oder Städten zuordnen. Dies geht aus Dokumenten des ehemaligen NSA-Mitarbeiters Edward Snowden hervor, die dem US-Fernsehsender NBC vorliegen. Die Dokumente sollen Teil einer Präsentation gewesen sein, mit der der GCHQ das Überwachungsprogramm seinen US-amerikanischen Partnern von der NSA vorstellte.

Einzelne Nutzer wolle man mit dem Pilotprojekt nicht verfolgen, heißt es darin weiter. Für "breite Trends", die man damit erkennen wolle, verweist der GCHQ bereits auf erste Erfolge: Mit den Daten aus "Squeaky Dolphin" sei es gelungen, am 13. Februar 2012 die Proteste gegen die Regierung in Bahrain am Folgetag vorauszusagen, heißt es in der Präsentation. Dazu beobachtete der GCHQ unter anderem, welche Videos auf Youtube angesehen und welche Web-Adressen auf Facebook "geliket" werden.

Googles Weblog-Plattform Blogger soll ebenso von dem Programm überwacht werden. In den Dokumenten tauchen außerdem Beispiele aus Twitter auf. Allerdings ist aus dem Kontext nicht ersichtlich, ob der GCHQ auch hier in Echtzeit Verkehrsdaten und Inhalte abgreift.

Möglich ist diese Überwachung laut von NBC zitierten Experten, weil der GCHQ direkt auf das britische Telefonnetzwerk zugreift und sich in den Datenverkehr einklinkt. Bereits im Juni war bekannt geworden, dass der GCHQ diese Möglichkeit hat - und von großen Telekommunikationskonzernen unterstützt wird.

Bei Google sei man "schockiert"

Auch wenn es dem britischen Geheimdienst laut den Dokumenten hauptsächlich darum gehe, soziale Trends frühzeitig zu erkennen, ist es doch möglich, aus den so angehäuften Daten einige Informationen über einzelne Nutzer zu gewinnen. Eine anonyme Quelle bei Youtube-Eigentümer Google sagte gegenüber NBC, dass man im Konzern besonders "schockiert" über diese Enthüllung sei.

Erst am Dienstag war bekannt geworden, dass der GCHQ und die NSA auch Daten abfangen können, die vermeintlich harmlose Smartphone-Apps über ihre Nutzer ansammeln und über das Internet verschicken. Dabei war aber unklar, welcher Daten betroffen sind und ob diese tatsächlich geheimdienstlich gespeichert und ausgewertet werden. Allerdings stammen die Dokumente, die das belegen, aus dem Jahr 2010 und könnten mittlerweile überholt sein.