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Tails und Subgraph:"Das könnte auf deinem Rechner nicht funktionieren, also viel Glück!"

Doch mehr Sicherheit gibt es nicht ohne Unannehmlichkeiten. Die erste Hürde bei Tails ist, das System überhaupt zum Laufen zu bekommen. Tails wird aus dem Internet heruntergeladen und auf einem USB-Stick oder einer DVD gespeichert. Dann muss der Computer über diesen Datenträger gestartet werden. Das läuft im Selbstversuch eher holprig. Bevor Tails über den silbernen USB-Stick startet, sind drei Versuche mit zwei anderen Datenträgern gescheitert.

Dass es überhaupt funktioniert, ist den Helfern der Berliner Cryptoparty zu verdanken. Auf diesen regelmäßigen Treffen erklären sie verschiedene Verschlüsselungsprogramme, sie kennen die Hürden nur zu gut. In der offiziellen Anleitung tauchen immer wieder so fröhliche wie entmutigende Hinweise auf: "Das könnte auf deinem Rechner nicht funktionieren, also viel Glück!"

"Wie einfach machen wir es den Nutzern? Das ist eine offene Frage", sagt ein Entwickler, der an Tails mitwirkt. Er will seinen Namen nicht öffentlich nennen. Tails sei ein gemeinschaftliches Projekt, für das er nicht alleine sprechen wolle. "Wir haben versucht, Tails so nutzerfreundlich wie möglich zu machen", sagt er. Das Betriebssystem habe beispielsweise seine Anleitung überarbeitet, um sie auch für weniger Technikaffine verständlicher zu machen. Denn was bringen sichere Systeme, wenn sie kaum jemand benutzen kann?

Auch Subgraph hat das Problem erkannt. "Nutzerfreundlichkeit ist genauso wichtig wie Sicherheit", sagt Subgraph-Mitgründer Ahmad. Sein Betriebssystem baut auf der Linux-Variante Debian auf. Wer sich mit Linux auskennt, für den sollte das System kein Problem sein, sagt einer der am Projekt Beteiligten. Allerdings trifft das nicht unbedingt auf eine breite Masse Menschen außerhalb der Programmierer-Szene zu.

Wer seinen Computer sicherer machen will, muss dafür einige Hürden in Kauf nehmen. Bis die niedriger sind, wenden sich die Sicherheitssysteme vor allem an Aktivisten in repressiven Staaten oder Journalisten, die nach brisanten Informationen suchen. An Menschen, die sich am Computer in ernsthafte Gefahr bringen könnten.