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SXSW-Festival:Gerald ist ein Aushängeschild des amerikanischen Traums

Gerald spricht in einem sehr ruhigen Tonfall und steht damit im Kontrast zu jenen aufgedrehten Persönlichkeiten, die sich selbst gerne als Marke bezeichnen und entsprechend werbend (sprich: laut) auftreten. Gerald predigt ebenfalls, wenn auch ruhiger. Seine Reden sind auswendig gelernt, aber so vorgetragen, als ob er nicht vor 2000 Menschen auftritt, sondern im Einzelgespräch. Er setzt Pausen, die genau so lange dauern, dass die Worte nicht verhallen, sondern vom Publikum verarbeitet werden können.

Gerald ist ein Aushängeschild des "amerikanischen Traums". Schwierige Kindheit, verlassen von Vater und Mutter, arme Verhältnisse, zu Hause überfallen und eine Waffe an den Kopf gehalten bekommen. Von der Wohnung der religiösen Großmutter aus schaffte er es an zwei Elite-Universitäten. Zuerst studierte Gerald in Yale. "Mein erstes Jahr war eines der schwierigsten in meinem Leben", sagte er kürzlich im Interview mit dem Magazin Texas Monthly. "Ich tauchte dort auf mit Klamotten, die zwei Nummern zu groß waren. Vor Yale hatte ich nie erkannt, wie arm ich war."

Partys in New York, Zweifel in Harlem

Gerald arbeitete für Obama und an der Wall Street. Anschließend studierte er an der Harvard Business School und gründete ein Projekt, dessen Mitglieder die Aufgabe hatten, durch Amerika zu reisen, um das Wissen der erfolgreichen Geschäftsführung an kleinere Unternehmensgründer weiterzugeben. Seine Erfolgsstory führte ihn zu New Yorker Partys, wo sich Multimilliardäre gegenseitig für ihre guten Taten auf die Schulter klopfen.

Ein paar Tage später sei er knapp 50 Straßen weiter nördlich gewesen, in Harlem, und habe von achtjährigen Mädchen gehört, die ihr Hab und Gut stets in einem Rucksack mit sich herumschleppen, damit es ihnen nicht im Obdachlosenheim geklaut wird. Erneut eine Frage: Wie kann das sein?

Die Suche nach dem "sozialen Erwachen"

All seine Erfolge und Erfahrungen beschreibt Gerald als verschiedene Formen des Glaubens - an die Wirtschaft, die Politik - von denen er ebenfalls abgefallen ist, ähnlich wie Ende 1999. Was bleibt, sind seine Zweifel: "Sie werfen ein kleines Licht in die Dunkelheit unseres Lebens und unserer Welt. Sie bringen uns dazu, unsere Stimme zu erheben, zu flüstern, zu schreien oder einfach nur zu sagen: "Es muss einen anderen Weg geben".

Nach seiner Rede wird ihm während einer Fragerunde entgegnet, dass er es sich mit seiner Haltung auch einfach mache, also Kritik zu äußern und keine konkrete Lösung parat zu haben. Gerald antwortet mit Studien der Harvard-Professorin Rebecca Henderson (über diese Studie spricht er ausführicher hier).

Diese hatte moderne kapitalistische Gesellschaften untersucht und herausgefunden, dass radikale Lösungen (etwa das Ende der Sklaverei in den USA) nur dann passierten, wenn es in der Gesellschaft zu einem "sozialen Erwachen" kam. Was nötig ist, um dieses Erwachen herbeizuführen? "Die Harvard-Professorin sagte mir, dass sie es nicht weiß.".

Das Silicon Valley wird, so lässt sich die Rede von Gerald zusammenfassen, wohl kein Teil dieser Antwort sein.