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Rassismus:Koordinierter Angriff: Uni-Drucker spucken massenweise judenfeindliche Texte aus

  • Mehrere deutsche Universitäten sind Opfer eines Netzwerkangriffes geworden: Drucker und Kopierer druckten plötzlich koordiniert rassistische Pamphlete aus.
  • Der Text wendet sich gegen Menschen jüdischen Glaubens, in den Hetzschriften wird der Eindruck erweckt, die "weiße Rasse" sei bedroht.
  • Vor kurzem gab es einen ähnlichen Fall an amerikanischen Universitäten.

Es könnte eine Szene aus einem schlechten Horrorfilm sein: Drucker und Kopierer an Universitäten in ganz Deutschland drucken plötzlich rassistische Flugblätter aus - wohl ohne dass ihnen jemand aus der Universität den Auftrag dazu erteilt hat. Es ist ein digitaler Angriff auf die Geräte. Er kommt aus dem Ausland, ergeben erste Ermittlungen.

Die Universitäten Hamburg, Bonn, Münster, Lüneburg, Bremen, Tübingen und Erlangen-Nürnberg haben bestätigt, von dem Angriff betroffen zu sein. "Netzwerkdrucker und Kopierer spuckten wie von Geisterhand rassistische und antisemitische Pamphlete aus", sagte Karl Rijkhoek, Sprecher der Tübinger Universität.

Auf den Ausdrucken sei ein Text mit großen Buchstaben in fehlerhaftem Deutsch abgedruckt, sagte Rijkhoek. Der Text wende sich gegen Menschen jüdischen Glaubens, in den Hetzschriften werde der Eindruck erweckt, die "weiße Rasse" sei bedroht. "Es sind diverse krude Thesen, die teils in Frageform, teils in Behauptungen verbreitet werden." Den genauen Inhalt der Hetzschrift gab Rijkhoek auf Anraten der Polizei nicht preis. Er wolle sich nicht wegen der Verbreitung volksverhetzender Schriften strafbar machen.

Nun ermittelt der Staatsschutz

Ersten Erkenntnissen zufolge drangen eine oder mehrere Personen aus dem Ausland in die Drucker-Netzwerke in Tübingen ein. Allein an dieser Universität habe es am Mittwoch 190 Ausdrucke gegeben, manche Drucker seien mehrfach angesteuert worden. Einen vollständigen Überblick gebe es aber noch nicht. Die Sicherheitslücke sei mittlerweile geschlossen worden. Der Rektor der Universität erstattete Anzeige bei der Polizei. Das Dezernat Staatsschutz des Polizeipräsidiums Reutlingen ermittelt nun wegen Volksverhetzung gegen Unbekannt, wie ein Polizeisprecher sagte.

Auch in Hamburg wurde nach Angaben eines Universitätssprechers Strafanzeige erstattet. "Insgesamt waren zehn Systeme betroffen, es wurde jeweils eine Seite ausgedruckt." An der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn waren den Angaben zufolge die Institute der Asienwissenschaften und Theologie betroffen. An der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster wurde eine zweistellige Zahl von Druckern gehackt. Ein Sprecher der Universität Münster sagte, Drucker seien weniger gesichert und daher auch anfälliger für Angriffe.

Vorbild könnte ein Fall in den USA gewesen sein

Auch an mehreren amerikanischen Universitäten, darunter der elitären Princeton Universität, waren vor kurzem ähnliche Flugblätter aufgetaucht. Auf den Zetteln waren Hakenkreuze und die Internetadresse einer Neonazi-Seite aufgedruckt. Im Text wurden Juden angegriffen und "der weiße Mann" dazu aufgerufen, sich am "Kampf für die weiße Überlegenheit" zu beteiligen. Ende März hatte sich dann ein polizeibekannter rassistischer Hacker, der sich "weev" nennt, zu den Angriffen bekannt. (Die Washington Post und New York Times berichteten über den Fall)

Am späten Mittwochabend äußerte sich "weev" auch zu den Vorfällen in Deutschland. Er habe offenbar "einen ruhmreichen Trend gestartet", schrieb er auf Twitter. "Jemand hat an Hitlers Geburtstag deutsche Drucker gespammt."