Prorussische Hackergruppe CyberBerkut:Digitaler Protest gegen den Ukraine-Kredit

Bis zum späten Mittwochnachmittag war die Website der Kanzlerin nicht erreichbar. Eine ukrainische Hacker-Gruppe hatte die Homepage lahmgelegt. Ihre Forderung: Berlin müsse die Hilfe für die Regierung in Kiew stoppen.

Von Constanze von Bullion, Cathrin Kahlweit und Lutz Knappmann, Berlin

Die Internetseiten von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), des Bundestags sowie des Auswärtigen Amtes sind am Mittwoch von Hackern über Stunden lahmgelegt worden. Zu der Attacke bekannte sich die ukrainische Gruppe CyberBerkut, die im Ukrainekonflikt prorussische Separatisten unterstützt. Sie begründete den Angriff mit der deutschen Unterstützung für den ukrainischen Ministerpräsidenten Arsenij Jazenjuk, der am Mittwoch Bundespräsident Joachim Gauck treffen wollte. An diesem Donnerstag besucht Jazenjuk Kanzlerin Merkel. Themen sind die Befriedung der Ostukraine sowie deutsche Finanzhilfen. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) unterzeichnete eine Bürgschaft für einen 500-Millionen-Euro-Kredit für die Ukraine. Dabei handle es sich um Garantien für ungebundene Finanzkredite, die dem Wiederaufbau der Ostukraine dienen sollen, teilte das Wirtschaftsministerium mit. Wofür das Geld konkret verwendet werde und wer den Kredit gebe, müsse noch gemeinsam geklärt werden. Merkel habe eine entsprechende politische Zusage gemacht. Damit leiste Deutschland "einen wichtigen Beitrag für den Wiederaufbau", erklärte Wirtschaftsminister Gabriel.

Gegen diese Unterstützung richtete sich der Hacker-Angriff vom Mittwoch. Wie aus ihrem Namen abzulesen ist, steht die Hackergruppe CyberBerkut der ukrainischen Spezialeinheit Berkut nahe. Das Sonderkommando, das unter der Regierung von Viktor Janukowitsch dem ukrainischen Innenministerium unterstand, wurde während des Volksaufstands auf dem Kiewer Maidan für brutale Einsätze gegen Demonstranten verantwortlich gemacht. Teile der Miliz unterstützen nun den Kampf prorussischer Separatisten in der Ostukraine.

Hacker griffen bereits Nato-Webseiten an

CyberBerkut versteht sich als digitaler Arm dieses Kampfes und machte mit Hackerangriffen auf die ukrainische Regierung und deren westliche Unterstützer auf sich aufmerksam. Die Gruppe, deren Strukturen wenig bekannt sind, hatte bereits im März Webseiten der Nato lahmgelegt. Im November veröffentlichte sie angebliche Geheimdokumente der US-Administration, die Millionentransfers und Waffenlieferungen der USA an die ukrainische Armee belegen sollten. Ob die Dokumente echt sind, ist unklar.

Mit dem Angriff am Mittwoch protestierte CyberBerkut nun gegen deutsche Finanzhilfen für den ukrainische Ministerpräsidenten. "Jazenjuk braucht Geld, um den Krieg auszuweiten, nicht um die zusammengebrochene Infrastruktur unseres Landes wieder aufzubauen", hieß es in einem Bekennerschreiben. Er werde mit deutscher Hilfe "noch weiter töten". Regierungssprecher Steffen Seibert sprach von einem "schweren Angriff" auf ein Rechenzentrum, das mutmaßlich mit Massenanfragen überlastet worden sei, bis die Server zusammenbrachen. Die Website des Kanzleramts war bis zum späten Mittwochnachmittag blockiert.

Am Abend teilte die Bundes-CDU mit, auch ihre Seite sei von anonymen Hackern zeitweise lahmgelegt worden.

© SZ vom 08.01.2015/mahu
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