Privatsphäre Woher Facebooks gruselige Freundschafts-Vorschläge kommen

Haben Sie schon einmal einen merkwürdigen Freundesvorschlag auf Facebook erhalten? Da sind Sie nicht alleine.

(Foto: AFP)

Mit "Personen, die du vielleicht kennst" versucht Facebook, neue Freundschaften anzubahnen. Das kann unheimlich sein - lässt sich aber zumindest teilweise verhindern.

Von Marvin Strathmann

Der Ex-Freund, die Chefin oder völlig Unbekannte: Sie schieben sich ungefragt in die Facebook-Timeline zwischen Urlaubsbilder und Nachrichten-Artikel. Es gibt vielleicht gute Gründe, diese Menschen nicht als Freunde hinzuzufügen - und doch zeigt das soziale Netzwerk sie immer wieder als Vorschlag an. Als "Personen, die du vielleicht kennst".

Facebook kann komplett unbekannte Menschen anzeigen, zu denen die Nutzer keine offensichtlichen Verbindungen haben, oder zielsicher Bekannte auswählen, die die Nutzer tatsächlich außerhalb des Netzwerks getroffen haben. Das kann gruselig wirken. So schreibt die Journalistin Kashmir Hill, dass Facebook die Patienten einer Psychiaterin miteinander verbinden wollte, die einander nicht kannten. Auch andere Nutzer berichten von seltsamen Vorschlägen des Netzwerks. Etwa wenn Facebook zwei Menschen vernetzen möchte, die sich zur selben Zeit am selben Ort aufgehalten, aber sonst nichts miteinander zu tun haben.

Das Rätsel der Standortdaten

Das wäre schlecht für die Privatsphäre, denn dadurch lässt sich erraten, welche Nutzer aus den Vorschlägen sich zu welchem Zeitpunkt wo aufgehalten haben - sie geben sensible persönliche Daten preis, ohne es zu wissen. Aber greift Facebook tatsächlich auf Standortdaten zu, um Nutzer in einem bestimmten Gebiet zu verbinden? Nein, sagt das Unternehmen. Lediglich einen kleinen Test auf Städte-Ebene soll es Ende 2015 für vier Wochen gegeben haben. Auch in Zukunft sei nicht geplant, Standorte für Vorschläge zu verwenden.

Facebook nutzt anscheinend andere Informationen, um die Nutzer des Netzwerks mit echten und vermeintlichen Bekannten zu verbinden. Im Hilfebereich des Netzwerks werden einige Faktoren aufgeführt. Am offensichtlichsten ist die Zahl gemeinsamer Freunde: Wenn zwei Menschen mehrere gemeinsame Bekannte haben, dann sollten sie sich ebenfalls miteinander verbinden, meint das Unternehmen. Zudem verwendet Facebook beispielsweise Angaben zum Arbeitgeber, um neue Freunde für die Nutzer zu finden.

Datenschutz

So löschen Sie Ihren Facebook-Account

Auch importierte Kontakte aus dem Adressbuch des Smartphones nutzt Facebook. Viele kuriose Vorschläge des Netzwerks können dadurch erklärt werden. Wenn zum Beispiel Nutzer A die Nummer von Nutzer B einspeichert, dann kann Nutzer B als Vorschlag Nutzer A erhalten - obwohl Nutzer B selbst gar keine Daten von Nutzer A gespeichert hat.

Ein altes Patent gibt Einblick

Facebook schreibt auch von "vielen anderen Faktoren", die ausgewertet werden. Genauer wird das Unternehmen auch auf Nachfrage nicht. Ein Patent von Facebook aus dem Jahr 2012 lässt Rückschlüsse zu, allerdings unter Vorbehalt: Abläufe aus dem Patent können sich geändert haben - oder wurden überhaupt nie implementiert.

Als Basis für die Vorschläge werden im Patent alle Menschen aufgeführt, mit denen ein Nutzer auf Facebook Kontakt hat. Darunter sind auch Nutzer, die über die Facebook-Timeline oder den Messenger miteinander kommunizieren, ohne Freunde zu sein.