Süddeutsche Zeitung

Online-Spiel:Spielehersteller verärgert World-of-Warcraft-Nostalgiker

800 000 Fans wollen das Spiel in der Form spielen, in der es vor mehr als zehn Jahren erschienen ist. Hersteller Blizzard hat etwas dagegen.

Von Matthias Huber

Damals, 2005, war die digitale Welt noch schlecht. Man verschickte teure SMS statt Gratis-Whatsapp, es gab noch keine i- und nur wenig andere Smartphones. Und wer es im Online-Spiel "World of Warcraft" (WOW) zu digitalem Ruhm bringen wollte, musste für den immensen Zeitaufwand gefälligst Privat-, Uni- und Berufsleben opfern. Warum sollte sich irgendjemand dieses finstere Zeitalter zurück wünschen, fragt sich Spielehersteller Blizzard - und ignoriert deshalb seit Jahren die Forderung vieler Fans, eine Nostalgiker-Fassung ihres Spiels anzubieten.

Deshalb hilft sich die Community selbst. Auf sogenannten privaten Servern laufen Versionen des Spiels, die von Blizzard schon vor Jahren per Update oder Erweiterung beseitigt wurden. Zum Beispiel wurde mit der Erweiterung "Cataclysm" 2010 die komplette Spielwelt des Originalspiels generalüberholt, alles sehr viel einsteigerfreundlicher und flotter gemacht. Wer es gerne sperriger, schwieriger, unberechenbarer wollte, wich auf die privaten Server aus. 800 000 solcher Spieler meldeten sich auf dem Server Nostalrius an. Bis dessen Betreiber in diesen Tagen Post von Blizzards Anwälten bekamen.

Aus Sicht von Blizzard, das von WOW-Spielern eine monatliche Abo-Gebühr erhebt und damit seit Jahren sehr viel Geld verdient, sind Nostalrius und andere private Server Software-Piraterie. Selbst wenn die Betreiber ihren Server aus eigener Tasche bezahlen und von den Spielern kein Geld nehmen. Aber Blizzard sieht eben auch keines. Deshalb ist am kommenden Sonntag Schluss mit der nostalgischen Monsterjagd. Am 10. April wird Nostalrius auf Druck des Unternehmens hin abgeschaltet.

Die Betreiber beschreiben sich als eine Gruppe von etwa 30 "leidenschaftlichen Fans". Sie haben Verständnis dafür, dass solche Server "der Marke und öffentlichen Wahrnehmung von Blizzard mehr Schaden als Nutzen bringen könnten". Dennoch bitten Sie Blizzard-Chef Michael Morhaime in einer Petition, die Firmenpolitik bei ehrenamtlich betriebenen Angeboten zu überdenken. Sie hätten ihre Arbeit "nie als Bedrohung für Blizzard" wahrgenommen, sondern auch als Angebot an treue Spieler, die Zeit bis zur nächsten offiziellen Erweiterung zu überbrücken. Mehr als 43 000 haben die Petition bereits unterzeichnet. Auf dem Server selbst haben sich Tausende Orks, Menschen, Zwerge, Elfen und Trolle zu einem digitalen Protestmarsch versammelt.

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