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Neues iPhone-Betriebssystem:Apple bremst Spurenleser aus

Apple Hosts Its Worldwide Developers Conference

Erste Einblicke in die neue iOS-Generation gewährte Apple-Chef Tim Cook auf der Entwicklerkonferenz WWDC Anfang Juni in San Francisco.

(Foto: AFP)

Wer sein Handy-Wlan an lässt, kann geortet werden. Mit der neuesten Version von Apples Mobil-Betriebssystem soll das schwieriger werden. Zum Datenschutz-Vorreiter wird der Konzern damit aber nicht.

Von Helmut Martin-Jung

"Der Herbst", so heißt es auf Apples Webseite, "wird großartig". Nicht nur weil der Elektronikkonzern aus Kalifornien dann neue Gerätschaften präsentiert (worüber die Konzernstrategen natürlich nicht sprechen, sondern dies wie immer der Gerüchteküche überlassen, die deshalb nur umso wilder brodelt). Im Herbst wird auch die neueste, achte Version von Apples Betriebssystem für Mobilgeräte, iOS 8, für nahezu alle iPhones, iPads und iPods zur Verfügung stehen. Familien und Freunde können dann - endlich - ihre Einkäufe untereinander teilen, die Tastatur schlägt - wie die von Android schon lange - Wörter vor, die in den gerade getippten Satz passen könnten und anderes mehr.

Und dann ist da noch eine kleine Änderung in der Netzwerkkommunikation, betreffend die sogenannte Mac-Adresse. Aber die hat es in sich. Apple verbessert damit den Datenschutz für seine Nutzer und verschafft sich zugleich eine bessere Ausgangsposition für zukünftige Geschäfte.

Eine einmalige Ziffernkombination

Worum geht es? Die Mac-Adresse hat nichts mit Apples Mac-Computern zu tun, sondern ist vielmehr eine eigentlich einmalige Ziffernkombination. Jedes Gerät, das mit einem Computer-Netzwerk kommunizieren kann, übermittelt diese Ziffernkombination, wenn es sich mit einem Netzwerk verbindet, zum Beispiel einem Wlan. Aber nicht nur das: Ist die Wlan-Funktion und die Suche nach neuen Netzwerken eingeschaltet, sendet das Handy in regelmäßigen Abständen Impulse aus, um zu prüfen, ob vielleicht ein Wlan in der Nähe ist, mit dem es sich verbinden könnte. Dabei übermittelt es ebenfalls die Mac-Adresse.

Das war Sicherheitsexperten wie etwa Mathieu Cunche von der Universität im französischen Lyon schon lange ein Dorn im Auge, denn: "Ein Gerät mit eingeschalteter Wlan-Funktionalität verhält sich wie ein Drahtlos-Leuchtfeuer, weil es ständig und im Klartext ein einzigartiges Identifikationsmerkmal anbietet", schreibt Cunche in einem wissenschaftlichen Paper zu dem Problem.

Dass dies keine blasse Theorie war, zeigt sich daran, dass vor allem in den USA eine Reihe von Firmen entstanden ist, die diese Methode des Spurensammelns zum Geschäft gemacht hat. Diese Firmen boten Einzelhändlern Systeme an, mit denen diese feststellen konnten, ob ein Kunde bereits einmal in ihrem Laden war. Außerdem lässt sich mit der Technik auch nachvollziehen, wie lange sich ein Kunde in dem Geschäft aufhält und wo er dabei überall war.

Apple setzt auf Beacon-Technik

Genau das hat Apple auch vor, aber mit einer anderen Technik. Deshalb wird im neuen Betriebssystem iOS 8 die Mac-Adresse ständig geändert und ist somit wertlos für die Langzeiterfassung - die US-Tracking-Firma Nomi hat deshalb angeblich schon Mitarbeiter entlassen.

Was aber bringt das Ganze Apple? Der Konzern setzt auf iBeacons - kleine batteriebetriebene Sender, die via Bluetooth-Funk drei Ziffernfolgen aussenden. Nur wer ein Programm auf seinem Handy laufen hat, das mit diesen Zahlen etwas anfangen kann, dessen Aufenthaltsort kann erfasst werden. Apple gibt den Nutzern also etwas Kontrolle über ihre Privatsphäre zurück, führt sie aber gleichzeitig auch sanft hin zu der Technik, die der Konzern bevorzugt.

Ob Apples Konkurrent Google sich dem anschließen wird, ist fraglich. Denn anders als Apple, das sein Geschäft vor allem mit Geräten verdient, lebt Google von den Daten der Nutzer.

Beacon
So funktioniert es

Beacons ("Leuchtfeuer") sind kleine Sender, die auf dem Standard Bluetooth Low Energie (BLE) basieren, das ist die energiesparende Version 4.0 von Bluetooth. Bluetooth wiederum ist ein Funkstandard, den es schon seit Jahren gibt. Über den können sich zum Beispiel Handys mit einer Freisprechanlage im Auto oder mit einem drahtlosen Kopfhörer verbinden.

Als Beacon können Smartphones agieren, in der Regel werden es allerdings Minisender sein, die einfach irgendwo aufgestellt werden und dann ihre Signale bis zu 30 Meter hinaussenden. Sie werden meist mit Knopfzellen betrieben und können damit Monate oder sogar Jahre ihren Dienst tun. Damit ein Handy mit dem Signal eines Beacons etwas anfangen kann, muss auf dem Handy ein dafür geeignetes Programm installiert sein und im Hintergrund laufen.

Denn die Beacons funktionieren tatsächlich bloß wie ein virtuelles Leuchtfeuer. Sie senden drei Identifikationsnummern aus, die beschreiben, wo das Gerät steht. Die erste könnte beispielsweise für eine Burger-Kette stehen, die zweite für eine bestimmte Filiale, die dritte für eine bestimmte Stelle innerhalb dieser Filiale. Ohne die App, die weiß, was die Ziffern bedeuten, funktioniert das System nicht. Die kleinen Sender arbeiten nur in einer Richtung, Daten empfangen können sie nicht.

Wer also keine App installiert, die Beacon-Signale empfängt und interpretiert, muss auch nicht befürchten, dass jemand darüber verfolgen kann, wo man sich aufhält. Doch weil es viele sinnvolle Anwendungsmöglichkeiten gibt - zum Beispiel die Navigation innerhalb von Gebäuden -, werden sich Datenschützer in jedem Fall mit der Technik befassen müssen, und auch die Nutzer werden wie so oft abwägen müssen, wie viele Daten von sich sie preisgeben möchten.

© SZ vom 12.08.2014/sry/rus

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