Neues Computerspiel von Blizzard In dem neuen Spiel treten mehrere Superhelden in einer Kampfarena an

"Es war schon immer die Stärke von Blizzard, jene Projekte auszuführen, von denen die Entwickler begeistert sind in der Hoffnung, dass daraus etwas Cooles entsteht", sagt Designer Jeff Kaplan im Gespräch mit der SZ. Er weiß, wovon er spricht: Er war maßgeblich an der Entwicklung von "World Of Warcraft" beteiligt, bei dem vor der Veröffentlichung vor zehn Jahren ebenfalls viele Fans fragten: Was soll das denn? Das Online-Rollenspiel im Universum der Strategiespiel-Reihe namens "Warcraft" gilt als eines der erfolgreichsten Videospiele in der Geschichte und hat nicht nur die Branche entscheidend geprägt, sondern gilt auch als revolutionär für die gesellschaftliche Relevanz von Computerspielen.

Es gab mit Titeln wie "Everquest" oder "Anarchy Online" zwar schon davor vergleichbare Spiele, doch sie erreichten gemeinsam nicht einmal ein Zehntel der zwischenzeitlich zwölf Millionen zahlenden Abonnenten von Blizzards Erfolgsprodukt. "Wir hatten wenig Erfahrung, doch das hat uns erlaubt, Dinge zu versuchen, die inakzeptabel in diesem Genre galten", sagt Kaplan: "Es war knifflig und manchmal auch furchterregend, doch in gewisser Weise hat unsere Unschuld dazu geführt, dass wir "World of Warcraft" so gemacht haben, wie es nun ist."

Superhelden wie aus einem Animationsfilm im neuen Computerspiel "Overwatch": Spielehersteller Blizzard will möglichst viele Zielgruppen ansprechen.

(Foto: Blizzard)

Natürlich braucht Blizzard ein neues Konzept, eine neue Idee - in diesem Punkt unterscheidet sich das Unternehmen kaum von Apple. Kürzlich vermeldete der Mutterkonzern Activision Blizzard einen Anstieg der Quartalseinnahmen auf 753 Millionen US-Dollar. Verantwortlich dafür waren Blizzard-Klassiker wie "Diablo" oder "Warcraft", aber eben auch die neue Entwicklung der Sparte Activision: "Destiny", ein Online-Shooter, spielte bereits am ersten Verkaufstag Anfang September dreistellige Millionenbeträge ein, mittlerweile gibt es 9,5 Millionen registrierte Spieler. Dazu präsentierte Activision eine Fortsetzung der "Call of Duty"-Reihe mit Kevin Spacey als Protagonist, von der es heißt, dass die Einnahmen daraus bei mehr als einer Milliarde Dollar liegen dürften. Melodien für Milliarden - das ist der Maßstab, in dem die Verantwortlichen der Videospielbranche mittlerweile denken.

"Overwatch" spielt in einem Genre, das sich für gewöhnlich hauptsächlich an die Hardcore-Zocker richtet. Blizzards große Qualität ist es aber, Spielkonzepte so intuitiv umzusetzen, dass sie auch Gelegenheitsspieler begeistern. "Wir konzentrieren uns derzeit auf das Gameplay und weniger auf die Geschichte", sagt Kaplan. Sechs Superhelden treten in verschiedenen Arenen gegen sechs Superhelden an - doch warum? Gibt es einen Bösewicht, einen Grund für all diese Kämpfe, eine Einbettung in eine bedeutsame Handlung?

Das Projekt "Titan" ist gestorben, weil das Konzept nicht funktioniert hat

Kaplan versichert zwar, dass es eine übergeordnete Geschichte geben wird. Die vagen Andeutungen jedoch lassen den Schluss zu, dass "Overwatch" weniger eine eigenständige Idee war, sondern vielmehr aus den Trümmern von "Titan" entstanden ist. Schließlich hat das Unternehmen Branchenexperten zufolge etwa 100 Millionen Dollar in dessen Entwicklung gesteckt. Zu viel, um nicht wenigstens ein paar Ideen daraus für andere Projekte zu übernehmen. Oder womöglich ein komplett neues Spiel daraus zu entwickeln.

Sie haben das gewaltige Projekt "Titan" sterben lassen, weil das Zusammenspiel der einzelnen Faktoren nicht funktionierte. Das ist nach einer derart langen Entwicklungszeit eine mutige Entscheidung von Blizzard - und es ist keineswegs verwerflich, aus einer unstimmigen Komposition nur einen einfacheren, einprägsamen Song zu kreieren. Den Fans in Anaheim jedenfalls schien diese erste Version zu gefallen. Die Besucher saßen derart andächtig vor den rund 600 "Overwatch"-Teststationen, als hätte John Lennon ein neues Lied vom Himmel geschickt.