bedeckt München 23°
vgwortpixel

Nachhaltig surfen:Wie das Internet Strom frisst

Illustration: Stefan Dimitrov

Spotify, Siri, Amazon und Co. verbrauchen viel Energie. Deshalb lohnt es sich gleich mehrfach, bewusster mit digitalen Daten umzugehen.

Die Internetseite solar.lowtechmagazine.com geht offline, wenn die Sonne nicht scheint. Sie wird mit Solarenergie betrieben. Die Betreiber möchten damit zeigen, was viele häufig vergessen: Ohne Strom funktioniert das Internet nicht. Dessen Größe verdoppelt sich Schätzungen zufolge etwa alle zwei Jahre. Der Energiebedarf digitaler Technologien ist laut dem Thinktank "The Shift Project" bereits heute für etwa vier Prozent der weltweiten Emissionen verantwortlich. Das ist mehr als der zivile Luftverkehr erzeugt.

Die Nutzer bekommen davon allerdings kaum etwas mit, denn verbraucht wird der Strom immer häufiger "in der Cloud" - also in gewaltigen Rechenzentren, den Fabriken des digitalen Zeitalters. Oft übersteigt dieser ausgelagerte Energieverbrauch den, der für den Betrieb des eigentlichen Geräts zu Hause notwendig ist.

Die Lösung wäre: Häufiger offline arbeiten, zum Beispiel, indem man Lieblingslieder herunterlädt und sich damit das Streamen spart; oder indem man Suchbegriffe als Text eintippt, anstatt sie an die KI-Sprachassistenten Siri, Alexa, Cortana oder den Google Assistant weiterzugeben, was mehr Rechenaufwand erfordert. Doch viele Daten, das ist ja in der Regel, was die Anbieter wollen - das hilft ihnen beispielsweise bei ihrem Werbegeschäft. Die Nutzer sollen auf den Seiten und in den Apps außerdem möglichst viel Zeit verbringen. Wer "Addictive Design"-Funktionen wie den automatischen Start von Videos deaktiviert, generell bewusster mit der Energieressource Daten umgeht, leistet also nicht einfach nur Verzicht. Nutzer erhalten auch die Kontrolle über ihre digitalen Spuren und ihre Zeit zurück.

Wer seinen ökologischen Fußabdruck im Netz senken will, sollte sich zudem die Frage zu stellen: Wo kommt die Energie für die Server her, die ich regelmäßig nutze? Apple, Microsoft, Facebook und Google haben in der Studie "Clicking Green" 2017 von Greenpeace gute Noten für ihre Bemühungen um ein nachhaltigeres Internet bekommen. Sie setzen auf erneuerbare Energie und investieren teilweise in den Bau neuer Anlagen. In der Kritik der Umweltschützer steht dagegen der Marktführer für Cloud-Lösungen: Amazon.

Auch Netflix läuft auf Amazon-Servern

Etwa die Hälfte der Server von Amazon Web Services (AWS) sollen einem im Februar veröffentlichten Bericht zufolge in der "Data Center Alley" stehen, wo sich nicht weit von Washington die größte und am schnellsten wachsende Konzentration von Rechenzentren weltweit befindet.

Hauptenergielieferant dieses physischen Herzstücks des Internets und von AWS ist Dominion Energy, der auf seiner Website einen Anteil erneuerbarer Energien von mageren vier Prozent ausweist. Wegen des enormen Strombedarfs der Rechenzentren plant der Energieversorger, eine Pipeline für Frackinggas aus West Virginia zu bauen. Frackinggas ist wegen Umweltschäden bei der Förderung höchst umstritten. Greenpeace kritisiert, die Amazon-Tochter trage durch den rasanten Ausbau ihrer Präsenz in der Data Center Alley dazu bei, dass sich auch immer mehr andere Rechenzentren dort ansiedeln, um möglichst nahe an den vom Cloud-Marktführer verarbeiteten Teil des Internets zu sein.

AWS nannte die Schätzungen zu seinem Energieverbrauch gegenüber Computer Weekly überzogen und wies auf Investitionen in Solarprojekte in Virginia hin. Der Streaming-Dienst Spotify ist bereits 2018 von AWS in die Google Cloud umgezogen - laut einem Unternehmenssprecher explizit, um die CO₂-Bilanz von Spotify zu verbessern. Die Emissionen hätten sich damit bereits um fast 1500 Tonnen reduziert. Netflix läuft immer noch auf Amazon-Servern.

Nachhaltigkeit Kaputt ist nicht das Ende

Nachhaltige Technik

Kaputt ist nicht das Ende

Tech-Firmen machen es ihren Kunden oft schwer, Smartphones und Tablets selbst zu reparieren. Kleine Hersteller wollen das ändern - und liefern sogar Anleitungen zum Selbermachen.   Von Mirjam Hauck