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Musikspiel "Guitar Hero Live":Gitarrengötter müssen blechen

Das Musikspiel "Guitar Hero Live" verbessert die peinliche Plastikgitarre und setzt auf Konzertatmosphäre. Aber das neue Bezahlmodell ist eine Frechheit.

Von Matthias Huber

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Quelle: Activision/PR

Angespielt, nicht durchgespielt: Unsere Games-Kurzkritik "Screenshot" beantwortet Fragen zu den neuesten Computer- und Videospielen auf allen gängigen Plattformen. Und gibt einen ersten Eindruck, worauf Sie sich bei einem neuen Spiel freuen können - und wann Sie lieber noch skeptisch sein sollten.

Worum geht es in "Guitar Hero Live"?

Um den großen Traum vom Rockstar-Dasein: Mit der Gitarre locker vor den Körper gehängt (den Gurt auf Maximallänge, man will ja nicht uncool sein), lässig im Takt der Musik mitwippen und pünktlich zum Solo in bester Gitarrengott-Pose den Gitarrenhals nach oben reißen. Der Lohn: Der Jubel der Massen. Jetzt müsste man nur noch wirklich Gitarre spielen können. Abhilfe für dieses Problem schafft seit zehn Jahren die Spielereihe "Guitar Hero": Der Gamer hängt sich eine Plastikgitarre mit ein paar bunten Knöpfen um und spielt damit Rocksongs nach, deren stark vereinfachte Noten den Farben der Knöpfen zugeordnet werden. Mit ausreichend Vorstellungskraft kommt man nach ein paar Minuten Illusions-Klampferei tatsächlich in Stimmung und fühlt sich ein kleines bisschen wie ein Rockstar. Wenn da nicht diese alberne Plastikgitarre wäre, die deutlich mehr nach Fisher Price als nach Les Paul aussieht.

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Was sieht vielversprechend aus?

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Quelle: Activision/PR

Der Gitarren-Controller im neuen Guitar Hero Live wirkt nicht mehr so, als wäre er aus einen Kindergarten geklaut worden. Aus den fünf bisher farbig markierten Knöpfen sind sechs geworden. Zwei Reihen, schwarz und weiß, durchnummeriert von eins bis drei. Das geht schon mal nicht unterhalb der Grundschule. Für das Spiel ist diese Änderung ein großer Fortschritt: Statt in höheren Schwierigkeitsstufen hektisch zwischen den fünf Knöpfen umgreifen zu müssen (da der Daumen den Gitarrenhals umschließt, stehen dafür nur vier Finger zur Verfügung), hat der kleine Finger Pause. Dafür müssen Spieler jetzt ihr Hirn und Muskelgedächtnis darauf trainieren, mal den oberen und mal den unteren Knopf zu betätigen, oder in einer überraschend natürlichen Simulation von Barree-Akkorden beide gleichzeitig. Dem Gefühl, auf einer echten Gitarre zu spielen, kommt diese etwas weniger spinnenartige Fingerakrobatik somit deutlich näher. Wir sind immerhin im Musikunterricht angekommen. Wenn auch in dem für absolute Anfänger.

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Warum sollte man trotzdem skeptisch sein?

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Quelle: Activision/PR

Die größte Neuerung in Guitar Hero Live ist zugleich das größte Risiko. Im Online-Spielmodus "Guitar Hero TV" sucht man sich einen von zwei Musikvideo-Kanälen aus, auf denen ständig Rock- und Popsongs laufen. Jederzeit kann man einsteigen, daneben zeigt eine Live-Rangliste an, wie gut sich gerade andere Spieler weltweit durch denselben Song manövrieren. Allerdings muss man den Song spielen, der gerade läuft. Oder dafür bezahlen, wenn man gezielt ein bestimmtes Lied auswählen will.

Und zwar pro Spielversuch. Nicht wie in bisherigen Guitar-Hero- oder "Rockband"-Titeln für einen Download-Inhalt, der für zwei bis drei Euro je Song permanent zur Verfügung steht. Zwar kann sich der Gitarrist dafür jetzt im Musikvideo-Modus eine virtuelle Währung erspielen, wenn er kein echtes Geld - ca. 15 Cent pro Songdurchlauf - ausgeben will. Aber auch da ist das Verhältnis nicht unbedingt spaßfördernd: Je nach Talent muss man zwischen fünf und 15 zufällige Lieder durchspielen, um den Wunsch-Song genau ein Mal ausprobieren zu dürfen. Oder man bezahlt 5,99 Euro, um 24 Stunden Zugriff auf die ganze Bibliothek zu haben. In einem Spiel, dessen größter Reiz in ständigen Wiederholungen besteht, bei denen man sich allmählich verbessert, ist dieses Pay-per-Play-Geschäftsmodell eine Frechheit.

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Woran erinnert Guitar Hero Live?

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Quelle: Activision/PR

Tatsächlich an ein Konzert. In Sachen Inszenierung dürfte Guitar Hero Live der bisher beste Teil der Spielereihe sein. Für jeden der fast 50 Songs aus dem Standardrepertoire läuft ein Film ab, der ein Konzert aus der Ich-Perspektive des Gitarristen zeigt. Mal dreht er sich zum Schlagzeuger um, der ihm den korrekten Einsatz zunickt, mal kommt die Leadsängerin zum Refrain näher und lehnt sich schmachtend zur Kamera. Auch die Zuschauer - die ersten paar Reihen gefilmt, die paar tausend Fans dahinter mit Spezialeffekten eingefügt - suchen ständig den Blickkontakt zum Gitarrengott hinter der Konsole, jubeln ihm zu, feiern. Oder sie bewerfen ihn mit Bierbechern, wenn er mal wieder keine Note trifft.

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Was passiert, wenn man das Spiel zum ersten Mal startet?

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Quelle: Activision/PR

"Du bist spät dran", sagt der Mann mit dem Rauschebart, langen Haaren, Nasenpiercing und Kopfhörern. Er hängt dem Spieler eine Gitarre um den Hals, dann geht er zurück ans Mischpult. "Spiel doch mal die oberste Saite. Danke. Jetzt die unterste." In anderen Spielen nennt man so etwas ein Tutorial, in diesem Fall eher Soundcheck. Und dann geht es los, durch die Backstage-Katakomben der Bühne eines riesigen Festivals. Vorbei an all den Roadies und Helfern, die nur auf den Spieler gewartet haben, damit es endlich losgeht. Eine Schlagzeugerin trommelt nervös auf einer Equipment-Kiste herum. Der Bassist versteckt ein paar Ohrenschützer unter seiner Hipster-Mähne, ehe er lässig auf die Bühne joggt. Jeder in Position? Die Schlagzeugerin nickt und beginnt den Takt. Ein Schleiervorhang verdeckt das Publikum, bis auf ein paar Glücklicheim Graben direkt vor der Bühne. Jubel, als der Leadsänger eine Leuchtfackel entzündet. Der Auftritt beginnt.

Guitar Hero Live ist am 23. Oktober für Playstation 3 und 4, Xbox 360 und One sowie Nintendo Wii U erschienen. Eine Version für iOS erscheint am 28. Oktober.

© SZ.de/jab/rus

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