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VPN-Anbieter:Wie Mozilla und Gardion Menschen im Netz schützen wollen

A man is seen next to a Firefox logo at a Mozilla stand during the Mobile World Congress in Barcelona

Tür zu, Daten weg: Wer ein Virtual Private Network (virtuelles privates Netzwerk) wie etwa das von Mozilla nutzt, kann seine Privatsphäre besser schützen.

(Foto: Albert Gea /Reuters)

Mozilla bringt seinen VPN-Dienst nach Deutschland und wirbt wie das Freiburger Start-up Gardion um das Vertrauen der Kunden. Welcher Anbieter sich für welchen Nutzer besser eignet.

Von Simon Hurtz, Berlin

Wenige Menschen machen Politik, aber die meisten haben eine grobe Ahnung davon: CDU, SPD, BRD - eh klar. Beim Internet ist es umgekehrt. Fast alle nutzen das Netz, kaum jemand kennt sich damit aus: VPN, SSL, HTTPS? Vielleicht davon gehört, aber nie richtig verstanden. Auch dieser Text kommt nicht ganz ohne Abkürzungen und technische Erklärungen aus. Aber wer bis zum Ende durchhält, lernt nicht nur etwas - sondern erfährt auch, wie man sicherer und privater surfen kann.

Dafür gibt es zwei aktuelle Anlässe. Zum einen bringt Mozilla seinen VPN-Dienst nach Deutschland. Zum anderen versucht das Freiburger Unternehmen Gardion, Menschen im Netz vor Überwachung zu schützen. Der große Konzern und das kleine Start-up setzen auf dieselbe Technik. Beide spannen ein sogenanntes virtuelles privates Netzwerk (Virtual Private Network) auf, das alle Daten umleitet, die zwischen dem eigenen Laptop oder Smartphone, dem Router und dem Internet-Provider hin- und herlaufen.

Wer ohne VPN unterwegs ist, gibt viel von sich preis: Zu Hause sehen Telekom, Vodafone oder 1&1 jede Webseite, die man besucht. In einem öffentlichen Wlan landen jede Menge Informationen beim Betreiber des Hotspots. Mittlerweile setzen die meisten Webseiten auf das HTTPS-Protokoll und verschlüsseln die Verbindung über SSL- oder TLS-Zertifikate. Das schützt Passwörter und andere sensible Daten vor Kriminellen und Geheimdiensten. Welche Seiten man wann und wo aufruft, offenbart man trotzdem.

Viele Gratis-VPNs spionieren Nutzer aus

An dieser Stelle kommt das VPN ins Spiel, das als digitaler Schutzschild dient. Von außen sind nur noch Standort und IP-Adresse des VPN-Servers sichtbar. Das kann helfen, die Privatsphäre zu schützen - oder in einer kompletten Katastrophe enden. Schließlich macht man sich vor dem VPN-Anbieter nackig. Eine Menge dubioser Firmen nutzen das aus. Viele Gratis-VPNs sind nur vermeintlich kostenlos: Man zahlt nicht in Euro, sondern mit seinen Daten.

"Im Netz ist es schwer herauszufinden, wem man glauben kann", sagt Dave Camp, der als Mozillas Produktchef für das neue VPN verantwortlich ist. Es gebe Hunderte Anbieter, ständig kämen neue hinzu. Dagegen stehe Mozilla für Verlässlichkeit. "Wir setzen uns seit 20 Jahren für ein offenes, sicheres und privates Netz ein", sagt Camp. "Wenn ich mich für ein VPN entscheide, muss ich dem Betreiber zu 100 Prozent vertrauen. Ich glaube, wir haben uns dieses Vertrauen verdient."

Tatsächlich dürften die Daten bei Mozilla gut aufgehoben sein. Das VPN basiert auf der Technik des etablierten Unternehmens Mullvad aus Schweden. Der Dienst speichert keine Logs, protokolliert also nicht, welche Seiten man aufruft. Außerdem setze man auf Simplizität, sagt Camp. "Die Technik im Hintergrund ist komplex, aber die Oberfläche ist so einfach, dass jeder das VPN nutzen kann." Mozilla will mit dem Dienst auch finanziell unabhängiger werden. Google zahlt jedes Jahr Hunderte Millionen Dollar, damit es die Standard-Suchmaschine in Mozillas Firefox-Browser bleibt. Das VPN soll eine zusätzliche Einnahmequelle werden. Ein Monat kostet zehn Euro, im Jahresabo halbiert sich der Preis.

Gardion unterwirft sich deutschem Recht

Für zehn Euro pro Monat oder 100 Euro pro Jahr könnte man auch das VPN von Gardion abonnieren, das genau wie Mozilla mit der schlanken und schnellen Wireguard-Software arbeitet. "Die Technik ähnelt sich, aber unser Konzept ist ein ganz anderes", sagt Gründer Thomas Schlenkhoff. "Wir sind klein und neu auf dem Markt, also müssen wir uns das Vertrauen noch erarbeiten." Deshalb lässt sich Gardion vom Bundesministerium für Bildung und Forschung fördern, ist Mitglied der Cyberwehr Baden-Württemberg und arbeitet etwa mit der GLS-Bank zusammen - in der Hoffnung, dass der gute Ruf dieser etablierten Institutionen abfärbt.

"Vor allem unterwerfen wir uns dem strengen deutschen Recht", sagt Schlenkhoff. "Andere Anbieter operieren auf den Seychellen, wir bleiben bewusst in Deutschland und hoffen, dass das Vertrauen schafft." Im Gegensatz zu Mozilla speichert Gardion einen Teil des Surf-Verlaufs. Falls Sicherheitsbehörden anfragen, müsste Schlenkhoff diese Informationen herausrücken. "Wer etwas Illegales tun will, sollte sich also besser woanders umschauen."

Dafür ist Gardion kein reines VPN, sondern filtert zusätzlich Tracker, die Nutzerinnen und Nutzer auf vielen Webseiten und Apps verfolgen. Ganz so einfach wie das Mozilla-VPN ist das Produkt von Gardion aber nicht. "Wir zielen auf etwas leidensfähigere Kundschaft ab", sagt Schlenkhoff. "Die Großeltern könnten mit der Einrichtung vielleicht überfordert sein. Allzu kompliziert ist es aber nicht, das zeigen die Erfahrungen aus unserem Beta-Test."

Obwohl Mozilla und Gardion auf denselben Markt abzielen, wünscht Schlenkhoff dem um ein Vielfaches größeren Konkurrenten Erfolg. "Ich knirsche ein bisschen mit den Zähnen, aber eigentlich drücke ich ihnen die Daumen. Wir brauchen Mozilla und Firefox, Google und der Chrome-Browser sind schon dominant genug."

© SZ
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