bedeckt München 17°
vgwortpixel

Menschen und Roboter:"Echte Liebe wird es nie"

In dem Film "I, Robot" entdecken ein Polizist und eine Psychologin, dass eine Robotik-Firma die Menschheit entmündigen will.

(Foto: Twentieth Century Fox of Germany GmbH)

Die Psychologin Martina Mara will den Menschen die Angst vor Robotern nehmen. Ein Gespräch über Maschinen mit menschlichem Antlitz, die Seele von Objekten und die Frage, warum die Japaner da entspannter sind.

Menschen werden künftig zunehmend mit Robotern und künstlicher Intelligenz konfrontiert sein: mit Pflegerobotern, Schwenkarmrobotern in Fabriken, mit Robotertaxis. Martina Mara, 36, ist Professorin für Roboterpsychologie an der Johannes-Kepler-Universität im österreichischen Linz. Sie weiß: Viele Menschen fürchten sich vor den Maschinen. Höchste Zeit für etwas Beziehungsarbeit.

SZ: Frau Mara, welche Diagnose würden Sie dem Terminator-Roboter aus den Filmen mit Arnold Schwarzenegger stellen?

Martina Mara: (lacht) Das müssen Sie eher Arnold Schwarzenegger fragen.

Wie wäre es mit Größenwahn?

Ich stelle Robotern grundsätzlich keine Diagnosen, weil das Nonsens wäre. Roboter haben keine Psyche, und es gibt keine Hinweise darauf, dass sich das in nächster Zeit ändert. Auch wenn manche Entwickler es anders darstellen - das ist Schaumschlägerei. Ich beschäftige mich als Roboterpsychologin nicht mit dem Seelenheil der Roboter, sondern mit uns Menschen. Mich interessiert, welche Auswirkungen es auf uns hat, wenn wir im Alltag immer mehr mit Robotern zu tun haben, welche Ängste es gibt. Und wie wir besser mit Robotern klarkommen können.

Momentan tourt die Roboterdame Sophia durch die Welt. Ein Roboter, der wie ein Mensch aussieht und auf Konferenzen parliert. Hilft uns das, um die Geräte leichter zu akzeptieren?

Im Gegenteil, die meisten Menschen finden das furchteinflößend. Schauen Sie mal unter die Videos mit Sophia auf Youtube, da finden Sie reihenweise Kommentare wie: unheimlich, gruselig, abstoßend.

Ist das nicht merkwürdig - wir fürchten uns vor einem Roboter, der uns Menschen ähnlich ist?

Das ist der springende Punkt: Wenn der Roboter hochgradig menschenähnlich aussieht, dann wirkt das oft unheimlich. Wir können nicht mehr auf den ersten Blick erkennen, ob vor uns ein Mensch steht - oder eine Maschine. Es gibt die Theorie des japanischen Robotikexperten Masahiro Mori, der schon in den 1970er-Jahren vermutet hat, dass Menschenähnlichkeit bei Robotern eben nur bis zu einem gewissen Grad sympathisch wirkt.

Zumindest ein paar menschliche Züge können aber nicht schaden?

Google hat ein selbstfahrendes Auto produziert und nach dem Kindchenschema große, niedliche Scheinwerferaugen draufgepackt. Die schreien förmlich nach außen: Ich bin so süß, hab keine Angst. Solche Reize funktionieren natürlich, wir Menschen können uns dagegen kaum wehren. Ich bin mir aber nicht sicher, ob das auch adäquat ist. Stellen Sie sich einmal unsere Städte in ein paar Jahren vor: Sie gehen als Fußgänger durch die Stadt, und um Sie herum fahren lauter Robotertaxis. Die Autos niedlich zu finden, hilft da nicht. Ihnen muss eher klar sein: Wohin fährt das Auto als Nächstes? Hat es mich auch sicher gesehen?

Und wie soll das Auto mit mir als Fußgänger kommunizieren?

Das Auto muss nach außen anzeigen, ob es Sie erkannt hat, zum Beispiel über Lichtsignale. Auch die Insassen brauchen übrigens Informationen: Ich fand es neulich ziemlich unheimlich, als ich in einem selbstfahrenden Auto saß und der Wagen von jetzt auf gleich die Spur gewechselt hat. Da könnte etwa ein leichter Druck im Autositz helfen, mir das schon vorher zu signalisieren. Der Mensch muss die Maschine verstehen, das halte ich für den Schlüssel zum Vertrauen.

In vielen Fabriken sollen Roboter und Mensch künftig Hand in Hand arbeiten. Wie kann das gelingen?

Auch hier muss sich der Roboter wie das selbstfahrende Auto vorhersehbar machen. Wo wird der Roboterarm gleich hingreifen? Als Arbeiter muss ich die Intentionen des Roboters lesen können, um gut mit ihm kooperieren zu können. Studien zeigen, dass es angenehmer ist, wenn der Roboter kurvige Bewegungen macht statt linearer, zackiger. Für sich genommen ist der Roboter dann zwar langsamer, aber das Team aus Roboter und Mensch arbeitet so insgesamt schneller. Die Menschen wissen einfach früher, was der Roboter machen wird, und können sich besser darauf einstellen.

Hat es auch etwas mit unserer kulturellen Prägung zu tun, wie leicht wir Roboter akzeptieren können? In Europa gibt es viel Skepsis gegenüber der Technik, die Japaner scheinen dagegen viel unbefangener zu sein.

In der Tat erscheinen uns die Japaner manchmal offener in Sachen technologischer Fortschritt. Vieles davon ist wohl auch Klischee, mit dem Japan gerne spielt, um Touristen anzulocken. Fakt ist aber: In der japanischen Kulturtradition gibt es die Vorstellung, dass auch Gegenstände eine Seele haben können. Und während bei uns Roboter in Filmen und Literatur oft in Form einer Robokalypse vorkommen, sind sie in Mangas und Anime oft positiv besetzt. Die Roboter helfen dort den Menschen, retten sie und arbeiten mit ihnen zusammen. Das spielt sicher eine Rolle, wenn es um die Akzeptanz geht.

Martina Mara, Jahrgang 1981, hat in Wien Publizistik und Kommunikationswissenschaft studiert. 2014 wurde sie mit einer Dissertation über die Wahrnehmung menschenähnlicher Maschinen promoviert. Seit 2018 ist sie Professorin in Linz.

(Foto: Markus Thums)

In Japan geht die Akzeptanz von Robotern so weit, dass junge Leute bereits Beziehungen mit virtuellen Avataren führen ... .

.. ja, es gibt solche Absurditäten wie die virtuelle Partnerin. Die schreibt ihren Besitzern nachmittags sogar SMS: "Lieber Meister, ich vermisse Dich." Aber seien Sie mal ehrlich: Würden Sie das wollen?

Also Meister sollte sie mich jedenfalls nicht nennen.

Sehen Sie! Ich habe selbst auch japanische Freunde, die würden garantiert nicht auf eine holografische Ehefrau abfahren. Das ist wahrscheinlich nur für eine kleine Gruppe von Menschen interessant. Ich habe mit Kollegen der Uni Würzburg mal zur Frage geforscht, ob es Persönlichkeiten gibt, die offener für Sexroboter sind. Zumindest laut unseren Ergebnissen waren das vor allem junge, schüchterne Männer, die sich schwertun mit sozialen Kontakten. Manche Nutzer führen solche Beziehungen auch, weil das weniger eigenes Engagement in der Beziehung erfordert. Der Roboter erwartet ja nichts von mir, und wenn er stört, kann ich ihn einfach ausschalten.

Theologen fürchten, dass unsere Gesellschaft verrohen könnte, wenn wir Dienstrobotern künftig jederzeit befehlen können, jetzt bitte die Klappe zu halten ...

Es ist eine berechtigte Frage, welche Auswirkungen es hat, wenn wir zu Assistenzsystemen wie Alexa oder zu Pflegerobotern eine Master-Slave-Beziehung aufbauen. Wissenschaftlich ist es noch kaum untersucht, aber die Industrie selbst nimmt das inzwischen ernst. Wenn Kinder etwas von der intelligenten Stimme Alexa wissen wollen, müssen sie künftig bitte sagen.

Manchmal wecken die Geräte auch menschliche Instinkte. Nutzer von Saugrobotern berichten, dass sie Mitleid haben, wenn der Roboter die Treppe runterfällt. Können wir eine Beziehung zu Gegenständen wie Robotern aufbauen?

Auf einer gewissen Ebene geht das, ja. Ich war selbst schon in Fabriken, in denen die Mitarbeiter ihren Produktionsrobotern Namen gegeben haben, in Japan machen sie ihnen sogar Geschenke. Und manche Menschen beschreiben ihren Laptop ja auch als launisch. Eine solche Vermenschlichung fällt besonders leicht, sobald sich die Geräte selbständig bewegen können, wie eben der Staubsaugerroboter.

Können wir die Roboter auch lieben?

Es wird sicher auch Menschen geben, die sich in Roboter verlieben. Verliebtsein per se funktioniert ja auch einseitig. Eine echte Liebe wird es aber nie werden, denn die braucht zwei Richtungen. Ein Roboter hat eben kein emotionales Erleben, kein Bewusstsein, er kann Gefühle höchstens vorspielen. Wir sollten als Menschen unser Licht aber ohnehin nicht zu sehr unter den Scheffel stellen, Assistenzsysteme wie Alexa können noch nicht einmal gute Witze reißen. Von Einfühlsamkeit ganz zu schweigen.

Apropos Einfühlsamkeit, in Zukunft sollen Roboternannys auch Kinder betreuen. Würden Sie Ihre kleine Tochter einem solchen Roboter anvertrauen?

Nein, wirklich nicht. Aber vielleicht könnten mich Roboter in anderen Belangen unterstützen. Dann hätte ich noch mehr Zeit für sie.

© SZ vom 20.06.2018/jab

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite