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Magic Leap:2300 Dollar, aber bislang nur wenige Inhalte

Das ist auch der größte Kritikpunkt an Microsofts "HoloLens". Die Ingenieure von "Magic Leap" haben es nicht geschafft, das holografische Sichtfeld entscheidend zu erweitern. Stattdessen haben sie zu einem Trick gegriffen: Während die digitalen Linsen der "HoloLens" von Microsoft in eine durchgehende Glasfront eingelassen sind, besitzt die "Magic Leap One" richtige, kreisrunde Brillengläser. Man guckt also wie durch zwei Bullaugen in die Welt, gewissermaßen mit Scheuklappen. So fällt weniger auf, dass es einen Bereich außerhalb der Illusion gibt. Ein "magischer Sprung" ist all das jedoch nicht.

Dahinter steckt auch eine designtechnische Botschaft. Die "HoloLens" erinnert an eine Schutzbrille und damit an die profane Arbeitswelt. Die "Magic Leap One" hingegen könnte als Requisit für einen coolen Untergrund-Rebellen in einem Science Fiction-Film dienen. Ohne die getönte Glasfront sind allerdings die Kameras und Sensoren, über die sich die Brille im Raum orientiert, außen am Brillengestell sichtbar.

Wird man mit ihr angeschaut, hat man das Gefühl, gescannt oder gar gefilmt zu werden. Träger der "Google Glass", der ersten Generation von Datenbrillen, mussten sich daher gelegentlich als glassholes beschimpfen lassen. Die "Magic Leap One" richtet sich offenbar an Menschen, denen das egal ist. Laut Abovitz ist sie sowieso nicht dafür konzipiert, im Alltag auf der Straße getragen zu werden.

Was die Magic Leap der Holo Lens voraus hat

Aber wofür ist sie dann eigentlich gedacht? Die Demo-Anwendungen geben darauf bislang keinen klaren Hinweis. Im App-Store findet man das Spiel "Dr. Grordbort's Invaders", das sie bei "Magic Leap" angeblich schon vor Jahren im Büro zockten, allerdings mit dem Vermerk "Coming Soon". Ansonsten ist dort noch nicht viel los. Die "Magic Leap One" wird vorerst nur in einer 2300 US-Dollar teuren Vorab-Version an Entwickler ausgeliefert, die nun die Inhalte liefern sollen.

Eines der ersten Modelle weltweit landete am Wochenende beim Unternehmen "Holo-Light" in der Nähe von München, das Anwendungsen für AR entwickelt. Dessen Mitarbeiter ließen es nicht nur Pressevertreter ausprobieren, sondern konnten sich die Brille auch schon selbst etwas näher anschauen - und haben dabei einiges entdeckt, was ihnen gefallen hat. Ein Software-Entwickler erzählt, besonders angetan sei er davon gewesen, wie gut die Brille Hände erkennt. In einem der mitgelieferten Programmierwerkzeuge für Entwickler habe er sich sogar einzelne Finger und Gelenke anzeigen lassen können.

Bei der "HoloLens" funktioniert das nur in Ansätzen und auch nur durch eine Software-Erweiterung, die nicht von Microsoft selbst stammt. Um mit den Hologrammen zu interagieren, macht man dort "Mausklicks" in die Luft, indem man mit Daumen und Zeigefinger eine Art Klickgeste ausführt. Mit der "Magic Leap One" hingegen könnte man, sobald es die entsprechenden Anwendungen gibt, mit zehn Fingern auf einer virtuellen Tastatur schreiben und Objekte richtig greifen. Virtuell anfassen lässt sie sich also nun, die um digitale Magie "erweiterte Realität". Zum Greifen nah ist sie deshalb aber noch lange nicht.