Magic Leap Das kann die sagenumwobene Augmented-Reality-Brille

Jahrelang kannte man von Magic Leap nur ein paar Youtube-Videos - doch die reichten, um einen gewaltigen Hype zu entfachen.

(Foto: PR)

Ein paar spektakuläre Youtube-Videos reichten, um große Hoffnungen zu schüren und Milliarden einzusammeln. Jetzt verschickt Magic Leap die ersten Testexemplare. War der Hype gerechtfertigt?

Von Philipp Bovermann

Durch die Holzdielen einer ganz normalen Turnhalle bricht plötzlich von unten ein Wal. Wasser spritzt in die Luft, dann fällt er wieder zu Boden, taucht scheinbar darin ein und ist verschwunden. So wie in diesem kurzen Video, das es vor einigen Jahren im Netz verbreitete, stellt sich das Start-up "Magic Leap" wohl den "magischen Sprung" vor, den es im Namen trägt. Tatsächlich laufen nun kleine, leicht durchsichtige Cartoon-Ritter auf dem Boden herum und behacken sich mit Schwertern. Auf dem Sofa brüllt ein Mini-T-Rex.

Zu sehen sind sie mithilfe einer Brille, die ihre Umgebung erfasst, die digitalen Figuren darin einfügt und sie entsprechend auf die Linsen projiziert. Im Grunde genommen schaut man also durch zwei winzige, durchsichtige Bildschirme, die sich im Inneren der Brillengläser befinden.

Die Technologie heißt Augmented Reality (AR), eine um digitale Inhalte erweiterte Realität. Bislang wird sie hauptsächlich für Arbeitszwecke eingesetzt. Chirurgen erhalten so Informationen zu den Organen eingeblendet, die sie betrachten, Arbeiter in Fabriken sehen, wo welches Bauteil hinkommt. Wo Menschen ihre Freizeit verbringen, sieht man Brillen wie die "Google Glasses" oder die "HoloLens" von Microsoft allerdings selten.

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"Magic Leap" galt einmal als heißer Anwärter, das ändern zu können. Firmengründer Rony Abovitz versprach "ein Internet der Präsenz und der Erfahrung". Das klang hübsch und ein bisschen mystisch, ebenso wie die Idee, den visuellen Kortex des Gehirns direkt durch "photonische Lichtfeld-Technologie" ansteuern zu wollen. Zu deren genauer Funktionsweise schwieg er sich nobel aus. Stattdessen tauchte aus den Nebeln der Geheimniskrämerei um das Start-up aus Florida im Jahr 2016 ein Video auf. Es zeigte, laut dem damaligen Titel, einen "ganz normalen Tag im Büro von Magic Leap".

Ein Mitarbeiter, aus dessen Gesichtsfeld die Betrachter das Geschehen verfolgen, checkt darin mit dem Wischen seiner Hand erst die holografisch über seinem Schreibtisch schwebenden E-Mails. Dann startet er ein Spiel namens "Dr. Grordbort" - und ballert wenig später auf Roboter, die durch Wände brechen. Alles in feinster Grafik, fast lebensecht.

"Das ist ein Spiel, das wir zurzeit im Büro spielen", behauptete "Magic Leap". Der gesunde Menschenverstand warnte, dass das unmöglich auch nur ansatzweise so gut funktionieren und so cool aussehen konnte, aber große Teile der Tech-Community ließen sich von Rony Abovitz gerne verlocken. Investoren von Alibaba über Google bis Axel Springer stellten rund 2,3 Milliarden Dollar zur Verfügung.

Nachdem Facebook sich 2014 den VR-Pionier "Oculus" unter den Nagel gerissen hatte, wollten sie beim Thema AR nicht auch noch zu spät kommen. Also setzten die Investoren auf den Anbieter, der am lautesten auf sich aufmerksam machte. Aber kann die Technik wirklich leisten , was die Firma verspricht? Während, durch die Linsen der "Magic Leap One" betrachtet, die kleinen Ritter und Dinosaurier über den Boden und das Sofa wackeln, breitet sich Ernüchterung aus. An den Rändern des Gesichtsfelds, jenseits unsichtbarer Kanten, an denen die viereckigen, digitalen Linsen enden, verschwinden die Hologramme einfach.