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Usound:Besonders klare Höhen

Die Gründer von Usound: Jörg Schönbacher, Andrea Rusconi Clerici und Ferruccio Bottoni (von links).

(Foto: Robert Frankl)

Das Besondere daran: "Der Motor wird von der akustischen Membran entkoppelt", erklärt Usound-Geschäftsführer Ferruccio Bottoni. Bei klassischen Lautsprechern ist eine Spule mit der Lautsprecher-Membran verbunden. Um sie herum befindet sich ein Magnet, in dessen Feld sich die Spule befindet. Wird an die Spule eine Spannung gelegt, ändert sich die Stärke des Feldes und die Membran bewegt sich. Anders bei dem Piezo-Lautsprecher. Nur die Piezo-Schicht bewegt sich. Ein Hohlraum wie bei anderen Lautsprecher-Technologien ist hier nicht nötig. Das spart Platz, Gewicht und Energie, außerdem werden die Klangerzeuger nicht heiß.

Erstes Produkt von Usound soll ein In-Ear-Kopfhörer sein, die Klangerzeuger darin sind nur fünf mal sieben mal drei Millimeter klein. Auf den Markt kommen werden die neuartigen Ohrenstöpsel Ende des Jahres oder Anfang 2017, sagt Aufsichtsrat und Gesellschafter Herbert Gartner. Bis dahin, verspricht er, wird seine Firma auch ein Problem gelöst haben, das bei den Prototypen noch besteht: Sie produzieren zwar besonders klare Höhen, liefern aber im Bassbereich noch zu wenig Power. CEO Bottoni ist aber nicht nur sicher, dass das zu schaffen ist, sondern prophezeit auch, dass Basstöne unter weniger Verzerrungen leiden würden als bei anderen Lautsprecher-Systemen.

Ebenfalls in der Pipeline sind Lautsprecher für Mobilgeräte wie Smartphones und Tablets. Vor allem der Smartphone-Markt mit seinen Millionen-Stückzahlen ist für das Start-up natürlich besonders attraktiv. Das gilt umgekehrt aber auch für die Handy-Hersteller, denn die neuartigen Lautsprecher werden kaum warm, sind klein, leicht und brauchen keinen Hohlraum - genau das, wonach die Hersteller suchen. Ein weiteres Anwendungsgebiet sind tragbare elektronische Geräte wie Uhren oder Fitness-Armbänder.

Ziel von Usound ist es, die letzte analoge Bastion in elektronischen Geräten zu schleifen und zu digitalisieren. Sie wollen, sagt Gartner, nicht als Lizenzgeber fungieren, sondern die Chips selbst produzieren und "ein wichtiger Player werden, am besten Marktführer." Zunächst sollen die bereits weit entwickelten Projekte marktreif gemacht werden, die Lieferkette muss stehen. "Wir wollen erst einmal umsetzen, was wir in der Pipeline haben", sagt Gartner. Später könnten dann auch andere Märkte wie etwa der für Hörgeräte avisiert werden - gerade dafür würde sich die Technik besonders gut eignen.

Investor Herbert Gartner und die Unternehmensgründer sind keine Neulinge in Sachen Mikrosytemtechnik. Sie alle haben bereits entsprechende Firmen gegründet und hatten für ihr neues Projekt gezielt nach einer Möglichkeit gesucht, wo man die Miniaturbauteile noch einsetzen könnte.

Dass es bei Lautsprechern seit Jahrzehnten keinem gelungen ist, einen Durchbruch zu erzielen, schreckte sie dabei nicht ab. Solche Investitionslücken entstünden, weil viele Firmen nicht den langen Atem hätten um viel Geld in die Technologie zu stecken, sagt Gartner, "wir riskieren alles und gehen da rein." Entsprechend froh sei man gewesen, "als das Ding zum ersten Mal Pieps gemacht hat".

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