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CO₂-Bilanz der Digitalisierung:Gutes Smartphone, schlechtes Smartphone

Solche Design-Entscheidungen werden umso relevanter, je mehr Menschen und Geräte ans Internet angeschlossen sind. Am Beispiel von Serverfarmen lässt sich das gut nachvollziehen: Im Jahr 2014 verbrauchten Rechenzentren weltweit insgesamt 194 Terawattstunden* Elektrizität, das entspricht ungefähr einem Hundertstel der weltweiten Energiemenge. Bis zum Jahr 2020 soll sich die zu verarbeitende Datenmenge verdreifacht haben. Doch weil die Hallen größer werden und die technische Architektur ständig optimiert wird, steigt der Energiebedarf der International Energy Agency zufolge nur um drei Prozent.

Allerdings existiert auch eine pessimistischere Schätzung: Demnach werden Datenzentren bis 2030 das Fünfzehnfache des heutigen Strombedarfs haben und dann acht Prozent des weltweiten Energieverbrauchs ausmachen. Erschwert werden solche Schätzungen durch die technische Entwicklung. Zum Beispiel führen neue Computerchips dazu, dass Server aufwendigere Kühlsysteme benötigen. Gleichzeitig ermöglicht die Anwendung lernender Algorithmen ("künstliche Intelligenz"), den Energieeinsatz granular zu steuern.

Noch komplizierter ist die Berechnungsgrundlage für den Klimaeffekt der ganzen Branche. So firmieren unter dem gängigen Label "IKT" (Informations- und Kommunikationstechnik) sowohl persönliche Geräte wie Smartphones, PCs und sogar Fernseher, als auch besagte Rechenzentren und Verteilertechnik wie Mobilfunknetze.

Diese Sparte als Ganzes ist jetzt schon für zwei Prozent der CO₂-Emissionen verantwortlich, liegt damit in der Klimabilanz etwa gleichauf mit Flugbenzin. Zu den positiven Entwicklungen der vergangenen Jahre gehört eigentlich, dass die Geräte kleiner werden - Smartphones sind unter dem Strich in Herstellung und Verbrauch weniger klimaschädlich als PCs.

Die Optimierung betrifft nicht nur Digitaldienste

Auf der anderen Seite aber produzieren die Hersteller wegen der Nachfrage deutlich mehr Mobilgeräte, die Update-Zyklen sind kürzer als bei Laptops, weil Nutzer ihr Handy schneller für ein neues Modell aufgeben. Dazu kommt ein fehlendes Recycling-Bewusstsein und die gängige Hersteller-Praxis, die Reparatur und den Austausch von Bauteilen unnötig zu erschweren.

Der Blick auf Computer, Rechenzentren und Datenverkehr verstellt aber auch, dass die Digitalisierung sich auch auf andere Bereiche auswirkt. So kann Software dabei helfen, Ressourcen besser auszuwerten und zu steuern. Das wiederum kann Felder jenseits der IKT effizienter machen, vom Haushaltsgerät über das Auto bis zum Stromnetz.

"Durch die Digitalisierung werden Prozesse jeglicher Art zunehmend transparenter. Echtzeitdaten über den Energieverbrauch helfen, Einsparpotenziale zu identifizieren und zu beurteilen, ob es lohnenswert ist, diese zu heben", sagt dena-Mann Richard. Die Summe aller kleinen Spareffekte macht dann Optimierung sogar dort ökonomisch interessant, wo man das zunächst nicht vermutet hätte - zum Beispiel bei Beleuchtung, die sich nach Lichtverhältnissen oder der Zahl anwesender Menschen ausrichtet.

"Die Digitalisierung kann helfen, Energiefresser zu identifizieren", prognostiziert Richard. Die Klimabilanz der Digitalisierung zu erstellen, wird also künftig nur noch komplizierter.

*Korrektur: In einer früheren Version war die Maßeinheit mit Terawatt angegeben worden, es handelt sich um Terawattstunden.

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