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Illegale Youtube-Videos:In Deutschland sind besonders viele Videos gesperrt

Auch die Anzahl der Videos, die schließlich gesperrt werden, hält Youtube geheim. Fest aber steht, dass die Zahlen von Land zu Land stark variieren. Das hängt vor allem mit den Gesetzen der Länder zusammen. In Thailand sind beispielsweise Bilder des Königs tabu, in Deutschland die Gesetze bei nationalsozialistischem Gedankengut besonders streng.

Und in Deutschland gibt es die Gema. Die "Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte" vertritt die Interessen von 68 000 Komponisten, Textautoren und Musikverlegern in Deutschland. Sie soll dafür sorgen, dass die Künstler ihren Anteil an den Einnahmen bekommen, die andere mit ihren Liedern erzielen. Das allerdings ist leichter gesagt als getan, denn während Youtube in mehr als 40 Ländern bereits Vereinbarungen mit Musikrechteverwertern geschlossen hat, tobt in Deutschland ein erbitterter Kampf. Youtube weigert sich zu zahlen, was die Gema fordert: mindestens 0,375 Cent pro abgespieltem Lied.

Ganze sechs Jahre dauert der Streit nun schon - inzwischen beschäftigt er drei Gerichte. In München hat die Gema Youtube auf 1,6 Millionen Euro Schadensersatz verklagt. In Hamburg soll ein Gericht klären, ob Plattformbetreiber überhaupt für die Inhalte auf ihrer Seite haften. Und ebenfalls in München verbuchte die Gema im vergangenen Jahr einen Etappensieg, als das Landgericht Youtube dazu zwang, den Text der berüchtigten Sperrtafeln zu ändern. Bis zu diesem Urteil wies Youtube in der Ansicht, die der Nutzer anstatt des Musikvideos sah, darauf hin, dass die Gema die "erforderlichen Musikrechte nicht eingeräumt hat". Jetzt heißt es, das Video könnte Musik enthalten, über deren Verwendung "wir uns mit der Gema bisher nicht einigen konnten".

In "guten Gesprächen" mit der Gema

Die Auswirkungen des Streits: Das betrübte rote Strichgesicht taucht in Deutschland wesentlich häufiger auf als in anderen Ländern. Zwar gibt es keine offiziellen Zahlen, wie viele Videos aus Urhebergründen in Deutschland gesperrt werden, aber eine Statistik von OpenDataCity, einer Agentur für Datenjournalismus, zeigt: In keinem anderen Land der Welt wurden 2013 so viele Videos gesperrt wie in Deutschland (Länder wie China, in denen Youtube erst gar nicht ins Land darf, einmal ausgenommen). Die Sperrquote unter den tausend beliebtesten Clips lag bei 61,5 Prozent.

Zum Vergleich: Afghanistan (4,4 Prozent), USA (0,9 Prozent), Österreich (1,1 Prozent), Vatikan (5,1 Prozent), Südsudan (15,2 Prozent). An den deutschen Zahlen dürfte sich nicht viel geändert haben. Zwar sind einige der bisher gesperrten Musikvideos mittlerweile über die Plattform Vevo, an der auch Google beteiligt ist, bei Youtube zu sehen. Aber wie lange noch, ist fraglich. Vevo profitiert als Neuling von einem Gema-Einsteigertarif - wie anfangs auch Youtube.

Gegen das Sperrtafel-Urteil hat Youtube übrigens Berufung eingelegt. Trotzdem versichern beide Seiten, man sei zurzeit in guten Gesprächen. Bis aus den guten Gesprächen eine Einigung wird, so lange sperrt Youtube in Deutschland weiterhin fast alle Musikvideos - und zwar leider ganz automatisch. Den Traumjob Musikvideo-Sperrer gibt es nicht.

In der ersten Version des Artikels hieß es, dass die Gema Youtube auf 1,6 Milliarden Euro Schadensersatz verklagt hat. Das ist falsch. Es handelt sich um 1,6 Millionen Euro.

© SZ vom 14.02.2015
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