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Hackerangriff auf Sony:Tod eines Diktators

"The Interview"

Szene aus dem Film "The Interview" mit den Schauspielern James Franco und Seth Rogen

(Foto: Sony Pictures Releasing GmbH)
  • Die Filmfirma Sony Pictures geht einem Medienbericht zufolge Hinweisen nach, Nordkorea stecke hinter dem Angriff auf ihr Firmennetz.
  • Grund für den staatlichen Angriff könnte ein Film sein, der von einem Attentat auf den nordkoreanischen Diktator Kim Jong-Un handelt.
  • Im Netz sind zudem Raubkopien mehrerer Sony-Filme aufgetaucht.
  • Sony habe das FBI eingeschaltet, schreibt die Financial Times.

Von Pascal Paukner

Der Angriff war ungewöhnlich. Daran gibt es keinen Zweifel. In der vergangenen Woche waren Hacker in das interne Firmennetz der amerikanischen Filmfirma Sony Pictures Entertainment eingedrungen. Die Mitarbeiter konnten vorübergehend nicht mit ihren Computern arbeiten. Auf den Bildschirmen der Mitarbeiter tauchte ein Totenkopf auf, darunter fand sich eine geheimnisvolle Warnung. "Gehackt von der #GOP. Wir haben Sie gewarnt, und das ist erst der Anfang." Die Abkürzung "GOP" soll für "Guardians of Peace", also "Wächter des Friedens" stehen.

Tagelang war unklar, was hinter dem mysteriösen Hackerangriff stecken könnte. Nun gibt es einen ersten Hinweis: Einem Bericht des gewöhnlich gut informierten Technikblogs Recode zufolge geht Sony Hinweisen nach, denen zufolge Hacker im Auftrag der nordkoreanischen Regierung das Unternehmen angegriffen haben könnten. Das Blog beruft sich dabei auf namentlich nicht genannte Informanten, die mit dem Vorfall vertraut seien.

Grund für den Angriff könnte demzufolge der Film "The Interview" sein, der Ende des Jahres in die Kinos kommen soll. Darin werden zwei amerikanische Journalisten von der CIA mit der Tötung des nordkoreanischen Diktators Kim Jong-Un beauftragt.

Nordkoreas Führung zeigt sich empört über den Film

Der Film hatte bereits im Sommer die Aufmerksamkeit der nordkoreanischen Staatsführung auf sich gezogen. Das Land hatte bei den Vereinten Nationen Beschwerde eingelegt. Ein Film über die Ermordung eines amtierenden Staatschefs sei eine "Kriegshandlung" und unterstütze den "Terrorismus", hieß es. Der Film müsse gestoppt werden, forderte Nordkoreas Botschafter vom Generalssekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki Moon.

Nordkorea ist ein abgeschirmtes, diktatorisch geführtes Land, in dem es kaum individuelle Freiheiten gibt. Die meisten Menschen leben in großer Armut. Wer gegen die Regeln verstößt, wird in Straflager deportiert. Dort droht häufig der Tod. Das Land unterhält einen umfangreichen Propagandaapparat, der Außenstehenden den Eindruck vermitteln soll, in Wahrheit sei alles gar nicht so schlimm.

Das Land verfügt nach eigenen Angaben über eine Cyberarmee mit annähernd 6000 Hackern. Bislang wurden vor allem südkoreanische Unternehmen zum Ziel der nordkoreanischen Angriffe. Derzeit untersuche Sony gemeinsam mit externen Sicherheitsexperten aber auch die Möglichkeit, dass die Attacken von China aus im Auftrag Nordkoreas getätigt worden sein könnten.

Sony soll FBI eingeschaltet haben

Unklar ist noch, ob das Auftauchen mehrerer raubkopierter Filme auf Filesharing-Seiten mit dem Hackerangriff in Verbindung steht. Die Hacker hatten Sony des Weiteren gedroht, geheime Daten zu veröffentlichen. In den vergangenen Tagen waren dann mehrere neue Sony-Filme im Netz aufgetaucht. Darunter auch die bislang unveröffentlichte Komödie "Annie" und der Kriegsfilm "Herz aus Stahl", der in Deutschland im Januar in die Kinos kommt.

Offiziell wollte sich Sony nicht zu den neuen Entwicklungen äußern, das Unternehmen verwies auf eine Stellungnahme aus der vergangenen Woche. Darin bestätigte es lediglich, dass es Probleme mit dem Computersystem gebe. Laut Financial Times hat das Unternehmen inzwischen aber das FBI in die Ermittlungen eingeschaltet.

© Süddeutsche.de/pauk/rus

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