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Digital Detox:Das Smartphone soll wieder dumm werden

Envelope

Mit dem Umschlag soll das Smartphone zum Dumbphone werden und weniger Ablenkungsmöglichkeiten bieten.

(Foto: OH)
  • Der Tech-Konzern Google hat mit der Agentur Special Projects zwei Umschläge entwickelt, die das Smartphone zum "Dumbphone" machen sollen.
  • Google reagiert damit auf den Wunsch vieler Nutzer, Abstand von der digitalen Welt gewinnen und weniger Zeit online zu verbringen.

Die Idee klingt auf den ersten Blick wie etwas aus der vordigitalen Zeit. Man solle sich hinsetzen und eine Schablone auf Papier ausdrucken. Die müsse man nun mit einer Schere ausschneiden und zusammenkleben. Was an den Bastelunterricht in der Grundschule erinnert, soll dem digitalen Wohlbefinden dienen.

Der Techriese Google hat mit der Agentur Special Projects zwei Umschläge entwickelt, die das Smartphone wieder zum wenig könnenden Dumbphone werden lassen. Mit einem der beiden Umschläge kann der Besitzer ausschließlich Anrufe tätigen und empfangen und sich die Uhrzeit anzeigen lassen. Der zweite Umschlag erlaubt die Nutzung der Kamera. Die Fotos oder Videos kann man auf dem Display aber erst sehen, wenn man das Handy aus dem Umschlag holt. Das Licht des Displays scheint durch den Umschlag und auch der Touchscreen funktioniert durch die Papierhülle hindurch. Das PDF mit den beiden Umschlägen kann sich der Nutzer herunterladen. Allerdings passt das Papierkorsett nur dem Google-Smartphone Pixel 3a.

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Zusammengebastelt werden muss der Umschlag ganz analog - mit Schere und Kleber.

(Foto: Photograph by Colin Ross for Sp)

Wer sein Handy wieder aus der Schutzhülle befreien möchte, muss den Umschlag aufreißen. Ein Umschlag kann also nur einmal verwendet werden. Das ist nicht nachhaltig, wie auch die Entwickler zugeben. Sie hätten darüber nachgedacht, die Umschläge so zu gestalten, dass man sie mehrmals verwenden kann, sich dann aber dagegen entscheiden. Dass der Umschlag aufgerissen werden muss, um an das Smartphone zu kommen, soll Menschen bewusst abschrecken. "Wir dachten, so könnten wir die Chance erhöhen, dass Menschen ihrem guten Vorsatz treu bleiben und weniger häufig zum Handy greifen", schreiben die Entwickler Clara Gaggero Westaway und Adrian Westaway auf ihrer Homepage.

Immer mehr Menschen möchten gerne Abstand von der digitalen Welt gewinnen und weniger Zeit online verbringen. Die Angst etwas zu verpassen (Englisch: fear of missing out oder FOMO) hindert sie aber oft daran, das Smartphone zur Seite zu legen. Mehrere Unternehmen bieten mittlerweile Lösungen da, die Nutzern diesen Schritt erleichtern sollen. Google bietet neben dem Umschlag auch mehrere Apps an, die Smartphonebesitzer für ihr Nutzungsverhalten sensibilisieren soll, zum Beispiel mit einem Countdown im Sperrbildschirm, der zählt, wie oft das Telefon an diesem Tag entsperrt wurde. Neuere Versionen von Apples Betriebssystem iOS geben dem Nutzer einmal in der Woche Auskunft über die Zeit, die er am Smartphone verbracht hat. Wer dies nicht möchte, muss eine Auswertung seiner Bildschirmzeit aktiv abwählen.

© SZ vom 24.01.2020/vd
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