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Google-Betriebssystem:Das kann die neue Android-Version

Google hat eine neue Android-Version gezeigt. Vorerst soll sie nur von Entwicklern genutzt werden.

(Foto: Josh Edelson/AFP)
  • Google hat die erste Vorschau für die neue Android-Version veröffentlicht. Bisher ist sie nur unter dem Namen Android O bekannt.
  • Schwerpunkte sind unter anderem eine längere Akkulaufzeit und verbesserte Benachrichtigungen.
  • Die vorherige Version Nougat ist bisher nur auf drei Prozent aller Android-Geräte installiert - das liegt vor allem an den Smartphone-Herstellern.

Von Marvin Strathmann

Während 97 Prozent der Android-Nutzer noch immer auf die aktuelle Version ihres Betriebssystems - genannt Nougat - warten, hat Google nun schon die nächste angekündigt. Das Unternehmen hat eine Vorschau für Entwickler veröffentlicht: Android O. Google benennt die Android-Versionen in der Regel nach Süßigkeiten und geht beim Anfangsbuchstaben alphabetisch vor: Lollipop, Marshmallow und Nougat hießen die letzten. Nach welchem Dessert genau die neue Android-Version benannt wird, ist noch nicht bekannt.

Android O bringt unter anderem diese Neuerungen:

  • Bessere Benachrichtigungen: Apps sollen verschiedene Kategorien für Benachrichtigungen einrichten können. So kann beispielsweise eine Nachrichten-App einen anderen Ton für Politik-Updates abspielen als für Sport-Updates. Nutzer können diese Kategorien deaktivieren und bearbeiten. Wer nicht an den neuesten Nachrichten über Politik interessiert ist, schaltet sie einfach ab, wer jede Kultur-News sofort mitbekommen möchte, lässt die Kategorie blinken, vibrieren und stellt den lautesten Ton ein. Die Entwickler einzelner Apps müssen die entsprechenden Kategorien einprogrammieren, sonst kann der Nutzer nur die Benachrichtigungen der App allgemein verändern.

Außerdem können mit Android O Benachrichtigungen auf später verschoben werden - das funktioniert wie die Schlummertaste eines Weckers. Zunächst stehen 15, 30 und 60 Minuten zur Verfügung: Die Benachrichtigung verschwindet und erscheint nach Ablauf der Zeit erneut.

  • Bild in Bild: Ein Video schauen, während man eine SMS schreibt oder im Internet surft? Das geht in Android nur über den Multi-Window-Modus, der mit der letzten Version Nougat eingeführt wurde. Er ist also erstens nur den drei Prozent der Android-Nutzer vorbehalten, die überhaupt Nougat nutzen, und zweitens für den Zweck kaum zu gebrauchen.

Für Android O plant Google eine Bild-in-Bild-Funktion, wie es sie schon bei Android TV gibt, Googles Betriebssystem für Fernseher. Die Funktion soll hauptsächlich für Videos ausgelegt sein, die dann klein in der Ecke weiterlaufen, während der Nutzer etwas anderes tut. Wie bei den Benachrichtigungen müssen App-Entwickler diese Funktion erst einmal einbauen.

  • Längere Akkulaufzeit: Der Akku ist für viele Nutzer ein Hauptärgernis. Mit der neuen Android-Version soll er besser genutzt werden. Damit der Akku länger hält, sollen Apps beschränkt werden, die im Hintergrund laufen und vom Nutzer nicht aktiv verwendet werden. Google möchte automatisch Übertragungen, Dienste oder Standortabfragen einschränken, die eine App im Hintergrund ausführt. All das kostet Strom und belastet den Akku.
  • Anpassungsfähige Icons: Der große Vorteil von Android ist seine Flexibilität. Die Nutzer können das Betriebssystem aussehen lassen, wie sie möchten. Damit sie nicht Stunden nach den passenden Icons suchen müssen, erlaubt Android nun anpassungsfähige Symbole. Sie sollen sich dem jeweiligen Design des Homescreens anpassen, wenn sie eckig sind zum Beispiel automatisch rund werden.

Auf der Entwicklerkonferenz I/O von Google im Mai wird es vermutlich mehr Informationen über Android O geben. Geht Google wie bei Nougat vor, könnte die neue Version dann im Sommer veröffentlich werden. Trotzdem werden die meisten Android-Nutzer wohl noch weitaus länger auf das Update und die neuen Features warten müssen. Das liegt an der Politik der Handy-Hersteller.

Die aktuelle Android-Version ist kaum verbreitet

Vergangenen August brachte Google die neueste Android-Version heraus: Nummer 7.0, genannt Nougat. Aber die Verbreitung hält sich bisher in Grenzen. Auf gerade einmal drei Prozent aller Android-Geräte läuft die Version momentan. Denn Hersteller wie Samsung, HTC oder Sony nutzen das Betriebssystem für ihre Smartphones. Sie wollen selber entscheiden, welches Handy sie mit welcher Version versorgen, und sie wollen eigene Apps und Zusatzfunktionen verbreiten. Daher dauert es meist sehr lange, bis die neuste Android-Version bei den Nutzern ankommt - wenn überhaupt. Oft erhalten nur die teuren Spitzenhandys aktuelle Updates.

Darunter leidet die Sicherheit. Immer wieder finden Hacker Lücken in früheren Versionen und können viele Nutzer auf einmal bedrohen.

Da hat es Konkurrent Apple einfacher. Der Konzern kontrolliert das Betriebssystem iOS und die iPhones, auf denen es läuft. Die neueste Version iOS 10 ist im vergangenen September herausgekommen und bereits auf 79 Prozent aller Apple-Handys installiert. Damit ist iOS zwar nicht komplett immun gegen Sicherheitslücken, aber Apple kann schneller reagieren und Hacker haben es schwerer.

© SZ.de/jab/vd
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