Filesharing in Großbritannien Piraterie-Warnbrief an Opa

Britische Bürger beschweren sich, zu Unrecht Zahlungsaufforderungen von Abmahn-Anwälten zu erhalten. Eine Spur führt auch nach Deutschland.

Wer illegales Filesharing betreibt, also urheberrechtlich geschütztes Material über das Internet tauscht, lebt immer gefährlicher: Alleine in Deutschland haben nach Auskunft der Lobbygruppe " Verein zur Hilfe und Unterstützung gegen den Abmahnwahn e.V" Anwälte im Jahr 2009 mehr als 450.000 Abmahnungen verschickt.

Piratenflagge: Auch Opa lädt jetzt runter.

(Foto: Foto: iStock)

Dass solche Abmahnungen nicht immer die Richtigen treffen, scheinen nun einige Fälle aus Großbritannien nahezulegen. Wie BBC News berichtet, haben sich mehr als 150 Briten an die gemeinnützige Konsumentenvereinigung "Which?" gewandt, weil sie ihrer Ansicht nach zu Unrecht Post vom Anwalt erhielten.

Die Abmahnungen waren mit einer Zahlungsaufforderung von etwa 500 Pfund (umgerechnet etwa 575 Euro) verbunden und trafen nach Angaben der Organisation unter anderem einen 78-Jährigen, dem der Download eines Pornovideos zur Last gelegt wurde. Nach Angaben seines Sohnes habe der Mann aber keine Ahnung, was Filesharing überhaupt sei und erlaube auch niemandem den Computerzugang für derartige Handlungen.

Zahlung aus Angst vor dem Prozess

"Which?" schätzt, dass die Anwaltskanzlei ACS Law insgesamt 50.000 Briefe dieser Art verschickt habe und rät Briten, bei falschen Filesharing-Vorwürfen nicht zu zahlen. Oft lasse es sich nachweisen, zum Zeitpunkt des Downloads nicht vor dem Recher mit der angegebenen IP-Adresse gesessen zu haben - viele Internetnutzer zahlten aber freiwillig, weil sie Angst vor einem teuren Prozess hätten.

Kritiker bemängeln, dass die IP-Adresse eines Computers nicht immer fehlerfrei festzustellen sei. Ein Vertreter von ACS Law erklärte die Methode zur Ermittlung der IP-Adressen als "idiotensicher". Auch würden niemals direkt Personen verdächtigt, sondern in den Schreiben nur darauf hingewiesen, dass von einer bestimmten Adresse Downloads erfolgt seien. Er räumte aber ein, dass einige Fälle eingestellt worden seien. 90 Prozent der illegalen Downloads seien Musikstücke, nur bei zehn Prozent handele es sich um pornographisches Material.

Wie der ACS-Mann weiter berichtet, gehört eine deutsche Firma zu seinen Kunden: DigiProtect aus Frankfurt repräsentiert nach BBC-Angaben Künstler wie Scooter, um deren Rechte wahrzunehmen. Das Unternehmen spürt die IP-Adressen von Internetnutzern auf, die geschütztes Material tauschen, und tritt dann damit an den britischen High Court heran. Dieser wiederum veranlasst, dass die Internetanbieter die Adressen der zugehörigen Internetnutzer herausgeben.

Die derzeitige Praxis der Massenabmahnungen wegen Filesharing-Aktivitäten ist auch in Deutschland umstritten: Einige Jura-Blogs sehen Indizien dafür, dass gerade eine Abmahn-Industrie entsteht, die mit Schadenersatzforderungen an Filesharer ein lukratives Geschäftsmodell entdeckt hat.