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Privatsphäre:Datenschützer kippen EU-Start von Facebooks Dating-Funktion

FILE PHOTO: Facebook's Fidji Simo speaks about the Facebook Dating app during Facebook Inc's annual F8 developers conference in San Jose

Facebook-Managerin Fidji Simo stellte im April 2019 Facebook Dating auf der unternehmenseigenen Entwicklermesse vor. (Archivbild)

(Foto: Stephen Lam/REUTERS)
  • Ein für den Vorabend des Valentinstages geplanter Start der Facebook-Dating-Funktion muss verschoben werden.
  • Die irische Data Protection Commission (DPC) bemängelt, dass Facebook sie erst zu spät und unzureichend über den geplanten Start der Funktion informiert habe.
  • Die DPC ist zuständig, da Facebook in Dublin seinen Europa-Sitz hat.

Der Zeitpunkt wäre perfekt gewesen. Einen Tag vor dem Valentinstag an diesem Freitag wollte Facebook eigentlich seine Dating-Funktion in Europa an den Start bringen. Doch den Start hat die irische Datenschutzbehörde Facebook vermasselt. Das Unternehmen muss die Einführung auf unbestimmte Zeit verschieben. Die Data Protection Commission (DPC) bemängelte, dass Facebook sie erst am 3. Februar von seinen Plänen unterrichtet habe, die Funktion bereits zehn Tage später in Europa ausrollen zu wollen. Die DPC ist für Facebook zuständig, da die Europa-Zentrale des Konzerns in Dublin sitzt.

Man sei beunruhigt gewesen, weil Facebook erst so kurzfristig auf den Start der Funktion hingewiesen habe, teilte die DPC in einem Schreiben mit. Darüber hinaus habe Facebook der DPC keine Unterlagen oder Informationen übergeben, in denen das Unternehmen mitgeteilt habe, wie es plant, die Datenschutzrichtlinie umzusetzen. Deshalb habe man am 10. Februar die Büros von Facebook in Dublin durchsucht und entsprechende Dokumente mitgenommen.

Facebook hatte bereits am Mittwoch mitgeteilt, man habe "umfassende Maßnahmen zum Schutz der Privatsphäre vorgenommen sowie die Datenschutz-Folgenabschätzung vor dem geplanten Start in Europa abgeschlossen und diese mit der irischen Datenschutzbehöre geteilt." Außerdem hatte das Unternehmen erklärt, man nehme sich "noch etwas mehr Zeit, um das Produkt für Europa vorzubereiten".

Die Dating-Funktion war in den USA und 19 weiteren Ländern im September 2019 gestartet. Nutzer im Alter von über 18 Jahren können ein separates Dating-Profil anlegen. Facebook schlägt dann potenzielle Partner vor - auf Grundlage der Daten über Interessen und Aktivitäten seiner Nutzer. Facebook-Freunde sind davon ausgenommen - es sei denn, man kennzeichnet sie im Dating-Profil als "heimlichen Schwarm". Davon erfahren die Nutzer dann nur, wenn es eine gegenseitige Übereinstimmung gibt. Um die Flirt-Funktion sicher zu gestalten, können zwischen den Dating-Profilen keine Fotos, Weblinks, Videos oder Zahlungen verschickt werden, erklärte Facebook zum US-Start der Funktion im vergangenen September. Jeder könne einen anderen Nutzer blockieren oder melden. Facebook lässt Nutzer auch Inhalte aus der konzerneigenen Fotoplattform Instagram einbinden.

Die Pläne für eine Dating-Funktion hatte Facebook-Chef Mark Zuckerberg erstmals im Frühjahr 2018 vorgestellt. Sein Hauptanliegen dürfte es aber nicht gewesen sein, Millionen einsamer Herzen auf Facebook zusammenzuführen. Zuckerbergs Interesse war geschäftlicher Natur. Der Wert, auf dem Analysten des Finanzunternehmens Norma Instinet den Markt für Onlinedating im Jahr 2020 schätzen, liegt bei zwölf Milliarden US-Dollar.

© Sz.de/dpa/hij/jab

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