Süddeutsche Zeitung

Entwicklerkonferenz "Build":Microsoft lässt die Bots los

  • Microsoft startet auf seiner Entwicklerkonferenz "Build" die Chatbot-Offensive.
  • Der digitale Assistent Cortana wird in Skype integriert.
  • Der Konzern veröffentlicht zudem eine Entwicklungsumgebung für Chatbots.
  • Windows 10 erhält im Sommer ein Jubiläums-Update.

Von Johannes Kuhn, New Orleans

Vor wenigen Tagen gerieten Microsofts Chatbot-Ambitionen in die Schlagzeilen, als die lernende Twitter-Intelligenz Tay von Nutzern zum Rassisten erzogen wurde. Bei all dem Wirbel rückte in den Hintergrund, dass für Microsoft lernende Software nicht nur ein Gimmick, sondern Teil der Firmenstrategie ist.

Wie stark der Konzern den kleinen automatischen Hilfsprogrammen vertraut, zeigte Konzernchef Satya Nadella am Mittwoch auf Microsofts Entwicklerkonferenz Build: "Unterhaltungen als Plattform" lautet der Slogan für die Chatbot-Offensive, die laut Bloomberg Nadellas erstes eigenes Großprojekt ist.

Microsoft setzt dabei auf zwei Ebenen: Die sichtbare Ebene ist die Assistenzsoftware Cortana, das bekannte und noch wenig genutzte Konkurrenzprodukt zu Apples Siri, Amazons Zylinder-Assistent Echo mit Alexa, Google Now und Facebook noch nicht vollends öffentlichem Messenger-Assistenten M. Entwickler sollen Cortana-Befehle künftig problemlos in ihre Apps integrieren können, zudem können sie den Assistenten nicht nur auf Anweisungen hören, sondern ihn auch selbst Vorschläge machen lassen, was ein Nutzer tun könnte.

Cortana bestellt in Skype die Pizza

Cortana ist zwar in Windows 10 integriert, aber nicht an ein Betriebssystem gebunden. Nun erhält sie auch eine Heimat auf der Xbox One, vor allem aber in Skype, das erstmals seit langem wieder eine prominente Rolle in einer Microsoft-Keynote erhielt: Aus Skype heraus können Nutzer mit Hilfe des Assistenten künftig Hotels buchen oder Pizza bestellen, wie dies bei Messengern wie Telegram, WeChat und auch im Facebook Messenger möglich ist.

Hinter Cortana existiert eine zweite, unsichtbare Ebene: Weitere Chatbots, mit denen der Assistent im Hintergrund kommuniziert, um die Aufträge abzuwickeln. Um solche Programme voranzutreiben, hat Microsoft ein eigenes so genanntes Bot Framework veröffentlicht. Es soll nicht nur Software-Startups, sondern auch ganz normalen Geschäften oder Online-Shops die Möglichkeit geben, intelligente Hilfsprogramme zu entwickeln, die dann an unterschiedliche Programme wie Skype, aber auch Slack oder Outlook andocken können.

Gerade das Bot Framework, das Microsoft eng mit seinem kostenpflichtigen Cloud-Dienst Azure verweben dürfte, erhielt am Mittwoch große Aufmerksamkeit. Der Windows-Konzern hat seine Strategie geändert und agiert nun über alle Plattformen hinweg und teilweise mit offenen Standards - das Bot Framework ist unter einer offenen MIT-Lizenz veröffentlicht, Teile des Codes sind bei Github einsehbar. Allerdings handelt der Konzern auch aus Zwang, den nächsten Trend nicht zu verpassen: Smartphones und Windows 10 für Mobilgeräte spielten an diesem Vormittag kaum eine Rolle. Die mobile Revolution verschlafen zu haben, ist Microsofts größtes Versäumnis.

Branchentrend Automatisierung

Die Automatisierung von Vorgängen wie Reise-Buchungen oder Essensbestellungen, die in Browser und App Zeit und Klicks kosten, ist der große Trend der Branche. Mitte April wird Facebook auf seiner Entwicklerkonferenz wahrscheinlich weitere Automatisierungen in seinem Messenger vorstellen (es wird über einen Bot-Store gemunkelt), wenig später dürften Google und vielleicht auch Apple nachlegen.

Und der Microsoft-Bot Tay? Wird nach einem neuerlichen Fehltritt generalüberholt, sagt Chef Nadella.

Weitere Neuigkeiten der Keynote:

  • Jubiläums-Update für Windows 10: Im Sommer erhält Windows 10, das inzwischen auf 270 Millionen Geräten läuft, ein Update. Hintergrund dürfte das Ziel sein, in etwa zwei Jahren eine Milliarde Installationen verzeichnen zu können. Die vielleicht prominenteste Neuerung: "Windows Hello", das Windows-Login über biometrische Merkmale, soll dann auch bei Apps und im Web funktionieren.
  • Xbox One und Windows rücken zusammen: Die Vereinheitlichung der Microsoft-Betriebssysteme geht weiter. Entwickler sollen künftig einfacher Spiele bauen können, die nicht nur mobil und auf dem PC, sondern auch auf der Xbox laufen. Deshalb ermöglicht es Microsoft auch erstmals, die Xbox One per Knopfdruck zur Entwickler-Xbox zu machen. Bislang war Letztere ein eigenes, teures Gerät.
  • Hololens wird ausgeliefert - an Entwickler: Die ersten Augmented-Reality-Brillen sind auf dem Weg zu den Entwicklern, die nun dafür Software bauen sollen. Sie kosten 3000 Dollar. Microsoft präsentierte auf der Build erneut einige Test-Anwendungen, zum Beispiel die 3-D-Analyse des menschlichen Körpers für medizinische Zwecke.

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