E-Sport Dota 2 Der Ablauf einer Partie "Dota 2" im Detail

Wenn man Dota 2 nicht kennt, kommen einem die Team-Kämpfe ganz schön chaotisch vor. Links im Bild ist zu erkennen, welchem Helden die Teams (grün und rot), welche Priorität zugeordnet haben.

(Foto: Screenshot / Twitch.tv)

Wie läuft ein Spiel ab?

Wie in den klassischen Sportarten auch folgen die Spiele einem bestimmten Ablauf. Eine Dota-2-Partie lässt sich in vier Phasen unterteilen, die jeweils ihre eigenen Eigenheiten, strategischen Feinheiten und spannenden Szenen haben:

Das Pre-Match

In der "Pick and Ban"-Phase blockieren die Mannschaftskapitäne beider Teams abwechselnd bestimmte Helden, die dann von keinem Team gespielt werden dürfen (Bans). Außerdem wählen sie reihum die Helden für ihr Team aus (Picks). Dabei müssen die Kapitäne nicht nur darauf achten, mit welchen Helden ihre Teamkollegen am besten umgehen können. Sondern auch, wie sie die Fähigkeiten gegnerischer Helden am besten kontern können und ob die Komposition des Teams zusammenpasst. Sie können beispielsweise ihr Team darauf ausrichten, dass es in großen Gruppenkämpfen mit allen zehn Helden besonders glänzt; oder dass die Helden besonders effektive Einzelkämpfer sind, die sich aufteilen, um an mehreren Stellen gleichzeitig den Gegner unter Druck zu setzen. Jede Komposition hat ihre Vor- und Nachteile.

Während in dieser Phase noch nicht viel Action zu sehen ist, hat das Pre-Match etwas von Pokern. Beide Kapitäne belauern sich, bluffen, legen falsche Fährten. Mal verbieten sie allen einen Helden, den sie normalerweise selbst gerne spielen. Mal schnappen sie dem Gegner seine Lieblingshelden weg. Dann erst - nach knapp 15 Minuten - steht fest, mit welchen zehn Helden die Spieler gegeneinander antreten. Für uneingeweihte Zuschauer mag das die rätselhafteste Phase des ganzen Matches sein, weil sie sich anfangs unter den vielen Helden noch nichts vorstellen können. Dota-2-Fans haben aber schon jetzt oft eine gute Vorstellung davon, welches der beiden Teams nur dank der Mannschaftsaufstellung als Favorit in die eigentliche Partie geht.

Early Game

Nach diesem Vorspiel geht es in die Arena, in der um die zwei Basen gekämpft wird. Im ersten Drittel des Spiels geht es darum, die eigenen Helden möglichst schnell zu stärken. Das heißt: Möglichst schnell viele Erfahrungspunkte und Gold zu sammeln. Beide Teams spielen gewöhnlich zu Beginn etwas defensiver. Dazu teilen sich die Spieler auf, töten die schwachen Creeps auf den drei Lanes und versuchen, einzelne gegnerische Helden zu überfallen, die sich zu weit in feindliches Territorium hinein gewagt haben. Stirbt ein Held in Dota 2, wird er nach einigen Sekunden in der eigenen Basis wiederbelebt. Zu diesem Zeitpunkt können die Spieler den Ausgang der automatisch stattfindenden Schlacht der beiden Creep-Armeen nur wenig beeinflussen.

Mid Game

Wenn sich eines der beiden Teams stark genug fühlt, an der Front mitmischen zu können, beginnt das Mid Game. Die Helden sammeln sich. Es geht nun darum, dem Ziel des Spiels näher zu kommen. Je nach Strategie kann das heißen, dass sie sich auf das sogenannte Pushen konzentrieren. Sie greifen die Türme auf den Lanes an, um den Weg zur gegnerischen Basis freizumachen. Oder sie forcieren Kämpfe in Überzahl, greifen mit fünf Helden zwei Gegner an. Sie können auch versuchen, den mächtigen Roshan, einen besonders starken Creep, zu erlegen. Dessen Tod verschafft dem Team, das ihn bezwungen hat, einen entscheidenden Vorteil im nächsten Kampf.

Late Game

Hat ein Team das andere zurück in die Defensive gedrängt, widmen sie sich im Late Game dem eigentlichen Ziel: die gegnerische Basis zu zerstören. Dazu müssen die Angreifer ein größeres Risiko eingehen, um ihre stärkere Position in einen Sieg zu verwandeln. Sie bewegen sich weiter entfernt von der eigenen Festung, tief in feindliches Territorium hinein. Stirbt einer der Angreifer, so dauert es deutlich länger, bis er wieder an der Schlacht teilnehmen kann, als wenn einer der Verteidiger stirbt. Die Phase ist von unübersichtlichen Fünf-gegen-fünf Kämpfen zwischen den Teams geprägt, bis ein Team schließlich die feindliche Basis überrennt. Die Auswirkung eines falschen Klicks, der kleinste Fehler kann das Spiel entscheiden.

Eine Partie dauert im Durchschnitt zwischen 30 und 60 Minuten, kann sich in besonders knappen Spielen auch mal über zwei Stunden hinziehen. Bei der WM muss ein Team zwei von drei Partien für sich entscheiden, um eine K.o.-Runde weiterzukommen, im Finale sogar drei von fünf Partien. Eine Turnierrunde zwischen ausgeglichenen Gegnern kann also - mit Experten-Diskussionen zwischen den einzelnen Partien - viele Stunden dauern.