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Digitales Morgen: Debatte zur Digitalisierung:Vorsicht vor dem Online-Pranger

Aber es gibt eben auch eine Kehrseite.

Klar, so was kann man machen, muss sich aber bewusst sein, welche Risiken damit verbunden sind, in diesem Fall wäre es eine Art Online-Pranger. Da schlagen gewissermaßen zwei Herzen in meiner Brust. Eine spannende Frage, die sich daraus für Verbrecher, aber zum Beispiel auch für Dissidenten ergibt: Müssen sich alle, die nicht erkannt werden wollen, künftig in der Öffentlichkeit vermummen?

Wie geht es weiter: Kommt neben der Datenbrille demnächst auch der permanente Knopf im Ohr zum Telefonieren?

Schon heute kann ich mit Smartwatches telefonieren, auch wenn das ein bisschen Geheimdienst-mäßig aussieht. Wir werden uns daran gewöhnen, dass wir uns plötzlich keine eckigen schwarzen Dinger mehr ans Ohr halten - das ist ja nicht minder skurril. Überhaupt müssen wir uns übrigens in unserem Denken davon trennen, dass wir immer große Displays brauchen.

Sondern?

Wenn ich Internet denke, denke ich: Computer, Tastatur, Maus, Monitor, Schreibtisch. Aber das ist vorbei. Es werden mehr mobile Geräte als PCs verkauft, in Deutschland schon mehr Tablets als Notebooks. Eric Schmidt von Google hat bereits 2009 "Mobile First" gesagt, das kommt jetzt endlich in Deutschland an.

Woran haben Sie zuletzt gemerkt, "Es muss sich etwas ändern" und was war das?

Mehr Steckdosen! Ich war gerade erst wieder bei einem Workshop, wo ich das Hotel bitten musste, für Verlängerungskabel zu sorgen, weil dort jeder mit mindestens zwei Geräten ankam. Überhaupt sieht man die Hardcore-Mobile-Nutzer, zum Beispiel am Flughafen, ständig nach Steckdosen suchen. Das muss sich ändern, wobei ich eher denke, dass wir leistungsfähigere Akkus bekommen werden als überall Steckdosen.

Abgesehen von Steckdosenleisten überall: Wie können wir den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandel schneller herbeiführen?

Es ist nicht so abwegig, eine Art "Internetministerium" zu fordern, weil es für unsere Zukunft so immanent wichtig ist, dass unsere Gesellschaft und damit auch unsere Politiker sich mit der zweiten industriellen Revolution beschäftigen, mit der wir es zu tun haben. Es braucht auch eine digitale Ausbildung in den Schulen. Und die kulturelle Elite muss aufhören, gegen das Digitale zu wettern, sondern Partei ergreifen und eingestehen: Ja, das ist die Zukunft, und wir müssen als Wissensgesellschaft wieder versuchen, dieses Feld mitzugestalten.

Heike Scholz, Gründerin von mobile-zeitgeist.de, Autorin und Rednerin, lobbyiert bereits seit 2006 für die gesellschaftliche Anerkennung mobiler Technologien.

Digitales Morgen Wie mobiles Internet die Welt verändert Video
Digitales Morgen: Debatte zur Digitalisierung

Wie mobiles Internet die Welt verändert

Alles googlen, Termine organisieren, Fotos teilen - egal wo: Dank Smartphones wird die digitale Welt zum Abbild der Realität - und die Gesellschaft muss sich auf veränderte Bedinungen einstellen. Ein Videobeitrag in der Reihe "Digitales Morgen" von Süddeutsche.de und Vocer.

Die Digitalisierung verändert unser Leben - wie, zeigt die neue, zwölfteilige Artikelserie Digitales Morgen von Süddeutsche.de und VOCER . Diskutieren Sie auf der Google-Plus-Seite mit uns über die Thesen unserer Autoren.