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"Deus Ex: Mankind Divided":Die Maschinenmenschen wollen raus aus ihrem Ghetto

Knifflig: "Deus Ex: Mankind Divided"

(Foto: AP)

"Deus Ex: Mankind Divided" schreibt die tiefsinnige Hintergrundgeschichte über die Spaltung zwischen Cyborgs und Bio-Menschen fort. Das ganze Schleichen, Schießen und Hacken ist aber kompliziert.

Wer sind die Guten, wer die Bösen? Wer macht alles mit in dem großen Spiel um die Kontrolle von Politik und Wirtschaft? Auf wessen Seite wollen wir stehen, und sind die Leute tatsächlich das, was sie vorgeben, zu sein? Es sind viele Fragen, die uns in der Rolle des Adam Jensen beschäftigen. Und dies umso mehr, als er äußerst gefragt ist bei verschiedenen Parteien in diesem Konflikt, der am Ende die ganze Menschheit spaltet. So wie der Held selbst gespalten ist, seit er im Jahre 2029 ohne es zu wollen in einen Cyborg verwandelt wurde: halb Mensch, halb Maschine.

Nach einem Anschlag schwer verletzt, erwachte er mit künstlichen Gliedmaßen, Computerchips im Gehirn und erweiterten Sinneswahrnehmungen aus dem Koma - eine lebende Waffe, ein buchstäblich stählerner Rächer gewissermaßen, der sich auf die Suche nach seiner von Terroristen entführten Geliebten machte. Das war "Deus Ex: Human Revolution", an dessen Ende ein Ex-Philanthrop einen globalen Massenmord auslöste, indem er die mit Augmentierungen ausgestatteten "Optis" wie Jensen weltweit über ein Funksignal kurzzeitig Amok laufen lässt. Millionen Menschen sterben, teils getötet von eigenen Angehörigen.

Vor dem sogenannten "Aug-Incident" im Jahre 2027 war die Gesellschaft bereits tief gespalten: Auf der einen Seite standen jene, die ihren Körper und sogar ihren Geist mit teuren Prothesen künstlich aufrüsten können. Auf der anderen Seite die, die dies als verabscheuungswürdigen Eingriff in die Natur ablehnen, oder als Möglichkeit der Reichen, sich weitere Vorteile vor den Armen zu verschaffen. Die ethischen Fragen, die hier bereits im ersten Spiel der Reihe aus dem Jahr 2000 angesprochen wurden, greifen eine Diskussion aus der Realität auf.

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Der Umgang mit den "Augs" erinnert an die Situation der Flüchtlinge

Im neuen Nachfolgespiel "Deus Ex: Mankind Divided" allerdings haben die Vorzeichen wegen des "Aug-Incident" gewechselt. Die nun als gefährlich betrachteten "Augs" oder "Optis" werden von den Mehrheitsgesellschaften aus nicht augmentierten "Naturals" diskriminiert. Sie werden ausgegrenzt, in Ghettos gezwungen wie jenem in Prag, in dem Adam Jensen nun lebt. 2029, zwei Jahre nach dem weltweiten Massaker, schikanieren schwer bewaffnete Sicherheitskräfte die Augmentierten in ihren Vierteln, halten sie an allgegenwärtigen Kontrollstellen auf, scannen sie mit Drohnen aus der Luft. Immer wieder stößt auch Jensen persönlich auf die Ablehnung durch "Naturals". Es ist nur ein Spiel, aber der Umgang mit den "Augs" erinnert an das, was Flüchtlinge gegenwärtig in manchen europäischen Ländern erleben.

Das alles bekommt die Spielfigur selbst allerdings nicht so sehr zu spüren. Denn Jensen ist Angehöriger einer von den Vereinten Nationen eingerichteten geheimen Task Force 29, einer Spezialeinheit zur Bekämpfung des Terrorismus gegen, aber auch von "Augs". Es hat deshalb ganz andere Freiheiten und Möglichkeiten als die übrigen Augmentierten und kann das Ghetto verlassen. Der erste Auftrag führt ihn nach Dubai, wo das Außenteam der Task Force in der Bauruine eines Luxushotels gegen die Waffengeschäfte der aus dem Irak stammenden Jinn vorgehen soll. Es wird mysteriös: Eine dritte Gruppe, schwer bewaffnet, augmentiert, Gesichter hinter Goldmasken verborgen, versucht, an den Hubschrauber der Jinn zu kommen, inklusive der Ladung von Augmentierungen an Bord. Das muss verhindert werden - aber wo sind die Gegner in dem Sandsturm, der plötzlich alles in einen braunen Brei verwandelt, überhaupt?

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