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"Death Stranding" im Test:Das wohl beste Spiel des Jahres

Death Stranding Screenshot

Im Playstation-Spiel "Death Stranding" muss der Spieler Hunderte Kilometer zurücklegen und Menschen mit dem Nötigsten beliefern.

(Foto: Screenshot Death Stranding / Caspar von Au)
  • In "Death Stranding", dem neuesten Spiel des japanischen Entwicklers Hideo Kojima, muss der Spieler als einsamer Held in einer dystopischen Zukunft die Menschheit retten.
  • Dazu schlüpft er in die Rolle des Paketzustellers Sam und durchquert Nordamerika von Ost nach West.
  • Trotz einer schwachen Hauptstory ist Death Stranding dank seines ungewöhnlichen Spielprinzips und der humorvollen Gesellschaftskritik das beste Spiel des Jahres.

Sam schnauft und ächzt und wankt. Aber er hält sich auf den Beinen. Ohne anzuhalten, kraxelt er Stück für Stück den steilen Abhang auf dem kürzesten Weg empor. Auf seinem Rücken stapeln sich 13 Metallboxen. Darin unter anderem: 2,4 Kilo Beruhigungsmittel, 76 Kilo Bodenproben, 6 Kilo alte Zeitschriften, eine Leiter und ein Gewehr für Gummigeschosse.

In "Death Stranding", dem neuesten Computerspiel von Star-Entwickler Hideo Kojima, liefert der Spieler als Sam Porter Bridges alles aus - von der Pizza bis zur Wasserstoffbombe. Die Erwartungen an das Exklusivspiel für die Playstation 4 im Vorfeld waren riesig. Unter anderem, weil Kojima mit einer Reihe von gefeierten Live-Auftritten und Videotrailern geschickt Details über Death Stranding streute, ohne viel über die Handlung zu verraten.

Die folgt einem altbekannten Erzählmuster: Ein einsamer Held muss die Welt in einer dystopischen Zukunft retten. Nach einer Katastrophe unbekannten Ursprungs ist die Gesellschaft zersplittert. Die Überlebenden wohnen verstreut über den nordamerikanischen Kontinent in einer Handvoll Städte hinter hohen Mauern oder haben sich in unterirdische Bunker zurückgezogen. Paketzusteller Sams große Aufgabe ist es, die Übriggebliebenen mit dem Nötigsten zu beliefern, aber vor allem die isolierten Siedlungen über das sogenannte chirale Netzwerk (eine Art Internet) wieder miteinander zu verbinden. Dafür durchquert der Einzelgänger am Anfang zu Fuß, später auch motorisiert Amerika von der Ost- bis zur Westküste.

Mit Humor kommentiert der Entwickler gesellschaftspolitische Debatten

Eine Frage lässt Kojima dabei stets mitschwingen - mal mehr, mal weniger subtil: Vereinsamen wir dadurch, dass Technologie einen immer größeren Anteil unseres Lebens ausmacht?

Dass Sam in Death Stranding einem anderen Menschen persönlich begegnet, kommt nur selten vor. Wenn er ein Paket bei seinem Empfänger abliefert, schickt dieser nur ein Hologramm von sich an die Oberfläche, um Sam zu danken. Das Päckchen schiebt der Spieler auf ein Fließband oder stellt es in einen Aufzug. Von dort aus verschwindet es in den Tiefen irgendwelcher Lagerräume. Der Blick in die Wohnzimmer in den Bunkern oder hinter die Stadtmauern bleibt dem Spieler verwehrt. Sam, der unter Berührungsangst leidet und am liebsten alleine ist, scheint das wenig auszumachen. Die keinesfalls eintönige, aber mit Felsbrocken übersäte, beinahe pflanzenlose Landschaft und der graue Himmel - alles in brillanter Grafik - vervollständigen das Gesamtbild einer bejammernswerten Welt. Technologie gibt es im Überfluss, dafür aber wenig Zwischenmenschliches.

Death Stranding Screenshot

Verliert Sam das Gleichgewicht und stürzt, nimmt auch seine Fracht Schaden. Im schlimmsten Fall geht ein Paket kaputt und die Lieferung scheitert.

(Foto: Screenshot Death Stranding / Caspar von Au)

Danach aber sehnen sich die Menschen im Spiel offenbar. Deshalb verteilen sie Likes an ihre Mitmenschen, vor allem an Sam. Der Spieler liefert die angeforderten Medikamente in die Hauptstadt: 186 Likes. Teile für einen 3D-Drucker: 24 Likes. Eine andere Form der Bezahlung erhält Sam nicht. Die erhaltenen Likes verbessern seinen Ruf. Vom einfachen Boten wird er zum Frachthelfer befördert, später zum Transporteur und schließlich zum Kurier. Über solche Details kommentiert Kojima mit dem für ihn typischen Humor an vielen Stellen in Death Stranding aktuelle gesellschaftspolitische Knackpunkte, wie den Umgang mit Sozialen Medien oder die Liefer-Kultur.