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Computerspiele:"Through the Darkest of Times" auf der Gamescom mit Nazi-Symbolen

Screenshot Attentat 1942

Das Serious Game "Attentat 1942" erzählt mit Dialogen von Holocaust-Überlebenden die Geschichte der Besetzung durch die Nazis in Tschechien. In Deutschland ist das Spiel bislang verboten, weil es verfassungswidrige Symbole enthält. Nun wollen die Entwickler das Spiel bei der USK einreichen.

(Foto: Charles University / PR)

Die federführende oberste Landesjugendbehörde, das Familienministerium in NRW, änderte ihre Rechtsauffassung, weil die Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart kürzlich im Fall des Browserspiels "Bundesfighter II Turbo" auf eine Anklage verzichtete. In dem satirischen Prügelspiel verrenkt sich die virtuelle Karikatur des AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland zur Hakenkreuz-Form und greift dann ihre Kampfgegner an. Nun könne die Sozialadäquanzklausel auch für Computerspiele geprüft werden, heißt es in einer Stellungnahme des Familienministeriums.

Friedrich und Schulz waren vorbereitet. Um eine Demo auf der Spielemesse Gamescom präsentieren zu können, die vom 21. bis zum 25. August in Köln stattfindet, haben die Entwickler der USK sofort eine spielbare Version vorgelegt. Sie wurde im Eilverfahren geprüft und für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren freigegeben.

"Das macht unser Leben einfacher", sagt Friedrich. "Nun können wir unsere Zeit, Kreativität und Hirnschmalz darauf verwenden, das Spiel schöner zu machen." Besonders eine Szene, in der die Entwickler die Bücherverbrennung auf dem Berliner Bebelplatz 1933 darstellen wollten, hat ihnen Kopfzerbrechen bereitet. Weil die umstehenden Menschen bei der Verbrennung die Arme zum Hitlergruß streckten, hätten Friedrich und Schulz in der deutschen Version nur das Feuer ohne Nazis zeigen können. Das wäre nicht die selbe Symbolkraft gewesen, sagt Friedrich.

"Battlefield 5" verzichtet weltweit auf Hakenkreuze

Allerdings fordert der Entwickler klare Grenzen für die Darstellung von Nazi-Symbolen. "Mein Wunsch ist, dass sich das nicht als Automation einstellt. Sondern, dass von Fall zu Fall geprüft wird." Gerade in Mehrspieler-Titeln, in der Spieler unter der Flagge des Deutschen Reichs andere Länder überfallen könnten, sieht er das kritisch: "Das ist wie ein öffentlicher Raum. Dort sollte das Zeigen dieser Symbole weiter verboten sein." USK-Chefin Secker weist darauf hin, dass sich eine Spruchpraxis der unabhängigen Gremien erst noch entwickeln müsse. Es werde aber vermutlich eine Rolle spielen, ob ein Spiel als Singleplayer- oder als Multiplayer-Spiel angelegt sei: "Das könnte sich bei dem ein oder anderen Fall auf die Altersfreigabe auswirken."

Auch andere Entwickler werden ihre Spiele der Prüfstelle erneut vorlegen: Die Entwickler des tschechischen Adventures "Attentat 1942" erklärten auf Twitter ihre Hoffnung, dass ihr Spiel bald in Deutschland verfügbar sein wird. Als es im Frühjahr auf dem Games-Festival "A MAZE" in Berlin als "Most Amazing Game" ausgezeichnet wurde, hatten sie ihr Spiel nicht vorführen dürfen.

"Battlefield 5", der nächste Blockbuster, der den Zweiten Weltkrieg thematisiert, soll hingegen weltweit auf die Darstellung von Hakenkreuzen verzichten. Das teilte Entwickler Electronic Arts (EA) dem Branchenmagazin Gameswirtschaft mit. Battlefield 5 erscheint am 11. Oktober.

Bethesda, Auslöser des ursprünglichen, umstrittenen Urteils, sei von der Entscheidung überrascht worden, teilte das Unternehmen auf SZ-Nachfrage mit. Man werde aber intern diskutieren, ob man Wolfenstein 2 in der unzensierten Version der USK erneut vorgelegt. Die deutsche Version wird also bis auf Weiteres Nazis nicht als das zeigen, was sie sind: Nazis.

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