bedeckt München 17°

Computerspiel "Watch Dogs":Flucht durch ein urbanes Niemandsland zwischen Autobahn und Gleisen

Für den Hacker Aiden Pearce steht fast jede Information offen.

(Foto: Screenshot: Ubisoft)

In der Testversion für die Playstation 4 ist die Bildqualität von "Watch Dogs" bestechend, und der Detailreichtum des digitalen Chicagos geradezu atemberaubend. Von den Wolkenkratzern der Innenstadt über schäbige Randbezirke und friedliche Vorstadtstraßen bis in den Untergrund der Megacity ist der Sandkasten, in dem die Spieler sich austoben können, beeindruckend weitläufig und liebevoll ausgestattet. Zu Beginn seiner ersten Mission muss Aiden Pearce, indem er für einen Stromausfall sorgt, an der Polizei vorbei aus den Katakomben des Baseballstadions Wrigley Field entwischen, um dann außerhalb der Arena die Verfolger abzuschütteln.

Schon die Möglichkeiten, dieses Ziel zu erreichen, scheinen fast unbegrenzt zu sein - man kann katzengleich durch die nächtliche Stadt schleichen, immer in Deckung vor Polizeiwagen. Man kann aber auch wesentlich actionreicher mit einem gestohlenen Auto in rasanter Jagd durch die Straßen heizen, den heulenden Sirenen hoffentlich immer ein paar Meter voraus. Oder man kann, wenn man nur die richtige Ecke findet, einfach über ein paar Zäune klettern und von dort aus völlig ungehindert querfeldein durch ein urbanes Niemandsland zwischen Autobahn und Zuggleisen wandern, bis man in Sicherheit ist.

39 Hauptmissionen warten auf Aiden Pearce, dazu kommen noch einmal 93 kleinere Nebenmissionen. 30 Waffen und 65 verschiedene Fahrzeugtypen gibt es zu entdecken. Im Multiplayer-Modus kann man zudem gegen andere Spieler antreten und muss dabei etwa verhindern, dass andere einem die digitale Identität stehlen und mit ihr entkommen.

Zugriff auf persönliche Informationen

Danny Belanger hebt die Hacker-Fähigkeiten als die eigentliche Besonderheit des Spiels hervor. Der Spieler kann "die Stadt manipulieren und sie als Werkzeug einsetzen", wie Belanger es ausdrückt. Die Hacker drehen die Verhältnisse von Macht und Kontrolle in der Stadt um. Auch die omnipräsenten Überwachungskameras werden zu einem entscheidenden Werkzeug für Aiden. Von Kamera zu Kamera springend kann der Spieler Situationen aus den verschiedensten Blickwinkeln unter die Lupe nehmen, Gegner observieren oder neue Gelegenheiten für Hacks entdecken.

Die Fähigkeiten zu Letzteren erweitern sich im Laufe des Spiels ständig. So wie Aiden sich auch im Kampf oder etwa beim Fahren laufend verbessert, sodass zugleich die Spielführung immer komplexer wird. 52 verschiedene Fähigkeiten kann der Hacker sich nach und nach erschließen.

Eine besondere Tiefe erhält der "Watch Dogs"-Kosmos aber dadurch, dass das CtOS Pearce auch den Zugriff auf die persönlichen Informationen jedes anderen Bewohners des digitalen Chicagos eröffnet. Jeder einzelne Passant - und die Straßen der Stadt sind durchaus belebt - hat hier einen Namen und eine Hintergrundgeschichte.

Die Spieler erfahren buchstäblich im Vorbeigehen, wie es im Eheleben dieses Mannes aussieht, was die Hobbys jener Frau sind oder welche Vorstrafen wiederum eine andere Person hat. Und immer wieder lassen sich die Smartphones der Mitbürger hacken, sodass man etwa ihre Textnachrichten mitlesen, ihre Telefonate abhören oder gar ihre Bankkonten abräumen kann - weil es nützlich ist, oder auch nur zum Spaß.

Schon preist die britische Zeitung Guardian "Watch Dogs" ganz ernsthaft als einen wichtigen "Weckruf in Sachen Internetsicherheit". Die Macher wollen da nicht widersprechen. Das Spiel, sagt Entwickler Belanger, "wird Sie ein kleines bisschen paranoid machen".

© SZ vom 14.05.2014/mahu
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema