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Computerspiel "Titanfall":Gute Blechkameraden

Computerspiel Titanfall Screenshot Xbox One

Es darf geballert werden: "Titanfall"

(Foto: Electronic Arts)

Mit dem Egoshooter-Actionspiel "Titanfall" will Microsoft seiner Spielkonsole Xbox One einen nötigen Verkaufsschub verpassen. Aber kann der Multiplayer-Krawall wirklich "Call of Duty" vom Thron stoßen?

Worum geht es in Titanfall?

Um jede Menge Blech. Die namensgebenden "Titans" sind gewaltige bemannte Kampfmaschinen, sogenannte "Mechs". In ihrer Panzerung ist der Pilot vor den Maschinengewehrsalven und dem Raketenbeschuss auf dem Schlachtfeld geschützt, während er mit dem zehn Meter hohen zweibeinigen Kriegsgerät aus Stahl und Hydraulik selbst eine Spur der Zerstörung hinterlässt. Mit Hilfe dieser Technologie hat der Mensch irgendwann in der Zukunft auch fremde Planeten erobert - und findet sich jetzt in einem Bürgerkrieg um die neu entdeckten Rohstoffe und Schätze wieder. Titanfall steckt dazu den Spieler in die Rolle eines Piloten, der auf verschiedenen Schauplätzen Multiplayer-Schlachten mit insgesamt bis zu elf Mitspielern austrägt. Und Titanfall soll der Xbox One, für die es neben dem PC ebenfalls erscheint, einen Verkaufsvorteil gegenüber der Konkurrenzkonsole Playstation 4 verschaffen.

Was sieht vielversprechend aus?

Wie unglaublich dynamisch sich das alles spielt! Sitzt der Pilot in seinem Titan, so ist er zwar schwer gepanzert, aber langsam und wenig wendig. Gerade einzelne Piloten, die noch zu Fuß unterwegs sind, können ihm so gefährlich werden - zum Beispiel, indem sie mit einem beherzten Sprung vom nächsten Hausdach auf dem Titan landen, eine Abdeckung abreißen und mit ihrer Pistole direkt in die empfindliche Elektronik feuern. Dem Pilot im Titan bleibt dann kaum etwas anderes übrig, als auszusteigen und sich des Problems auf die altmodische Art anzunehmen. Dann tauscht er den schwerfälligen Panzer gegen Geschwindigkeit und Akrobatik: Mit sogenannten Jump-Packs ausgestattet, können die Piloten von Hausdach zu Hausdach springen oder auch für kurze Zeit an senkrechten Wänden entlanglaufen - in atemberaubender Geschwindigkeit.

Warum sollte man trotzdem skeptisch sein?

Das Entwicklerstudio Respawn Entertainment, dessen Gründer zuvor für die mehrere Spiele der Call-of-Duty-Reihe verantwortlich waren, hat sich wirklich Mühe gegeben, auch Egoshooter-Neulinge nicht vor den Kopf zu stoßen. Deshalb wimmelt jedes Schlachtfeld zusätzlich zu den Online-Gegnern von computergesteuertem Kanonenfutter. Mit diesen einfachen Abschüssen sammelt man einfache, befriedigende Erfolgserlebnisse und spielt sich Match für Match bessere Waffen und Ausrüstungsgegenstände frei. Trotzdem ist der Frustfaktor gegen Egoshooter-Veteranen hoch. Sehr oft kann es passieren, dass man gegen viel bessere Spieler antreten muss. Oft sieht man seinen Gegner gar nicht erst kommen, ehe man plötzlich aufgefordert wird, mit einem Tastendruck nach dem Tod an anderer Stelle erneut den Kampfplatz zu betreten. Auch ist fraglich, ob der puristische Krawall wirklich lange unterhält. Allerdings erfreuen sich vergleichbare Multiplayer-Shooter auch nach Monaten oft noch einer großen Fangemeinde - obwohl ihr Spielprinzip wesentlich weniger abwechslungsreich daherkommt.

Woran erinnert Titanfall?

An Call of Duty, natürlich. Ob man sich mit dem Scharfschützengewehr auf einem Hausdach auf die Mauer legt oder sich in engen Gängen von hinten an einen Gegner anschleicht, um ihn mit einer gezielten Nahkampfattacke auszuschalten - all das funktioniert mindestens genauso gut wie im berühmten Vorbild. Bis eine Computerstimme sagt, dass der Titan einsatzbereit ist und wenige Sekunden später laut auf den Boden kracht. Ein beherzter Sprung, und der gewaltige Blechkamerad greift mit seinen Stahlfingern nach dem Menschlein, setzt es behutsam in das eigene Cockpit. Jetzt muss der Spieler umdenken, seine Strategie komplett überdenken. Er muss verschiedene Instrumente beachten und die richtigen Gegenmaßnahmen für Angriffe einleiten, muss noch mehr auf seine Umgebung achten - und wissen, wann es besser ist, per Schleudersitz aus der Kampfmaschine auszusteigen, ehe sie explodiert. Hier orientiert sich Titanfall an der Mechwarrior-Spieleserie, die in den 90er Jahren populär war - auch wenn diese mehr Wert auf Simulation als auf Action gelegt hat.

Was passiert, wenn man das Spiel zum ersten Mal startet?

Eine kurze, ausschnitthafte Zusammenfassung der letzten fünfzig, hundert oder zweihundert Jahre. Schwarzweiß-Aufnahmen vom ersten Spaceshuttle, dann computergenerierte Bilder von futuristischen Kolonie-Raumschiffen, die sich zu fernen Planeten aufmachen. Im Hintergrund abgehackte Satzfetzen von Nachrichtensprechern, sie berichten vom Krieg im neu entdeckten interstellaren Grenzgebiet, von benötigten Rohstoffen. Die Videos zeigen inzwischen nicht mehr den Weltraum, sondern eine Fabrikhalle, in der ein Titan zusammengeschweißt wird. Dann ist die Spielfigur - entweder Mitglied der Aufständischen oder der Regierungstruppen - reif für sein erstes Training auf dem virtuellen Schlachtfeld. Eine Computerstimme begrüßt den Spieler: "Diese Simulation ist nur für den militärischen Einsatz bestimmt."

Titanfall (USK ab 18) ist am 13. März 2014 für PC und Xbox One erschienen. Am 27. März soll eine Version für die Xbox 360 folgen.