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Datensicherung per Sprinter:Mit dem "rollenden USB-Stick" in die Cloud

Wo das Internet zu langsam ist, müssen Daten mit dem Auto abgeholt werden, um sie in die Cloud zu transportieren.

(Foto: oh)
  • Das miserable Internet an vielen Orten in Deutschland führt zu absurd anmutenden Geschäftsmodellen.
  • Eine Firma aus Hattersheim bietet derart abgehängten Unternehmen Datentransport in die Cloud an, per Mercedes Sprinter.
  • Die Fahrzeuge seien im Grunde "rollende USB-Sticks", meint der Firmenchef.

Datenverkehr im Internet, das ist, wenn Elektronen durch Kupferkabel rasen, Lichtimpulse durch hauchfeine Glasfasern geschickt oder Bits und Bytes gefunkt werden. Eigentlich. Doch dort, wo es keine Glasfaseranschlüsse gibt, wo alte Telefonleitungen nicht genug Leistung liefern und der Mobilfunk löchrig ist, müssen andere Methoden her. Dann kommt zum Beispiel der Mercedes Sprinter der Firma Dunkel aus dem hessischen Hattersheim am Main zu Unternehmen und holt die Daten ab. Und das ganz wörtlich.

Der Transporter sei "praktisch ein rollender USB-Stick", sagt Firmenchef Axel Dunkel. Ganz so einfach ist es zwar in Wirklichkeit nicht, aber das Prinzip stimmt schon. Das Speichersystem auf Rädern dockt mit einem Glasfaserkabel am Computersystem des Kunden an, lädt die Daten - zum Beispiel eine Sicherungskopie aller Server - auf die Festplatten des Vans. Weil das oft dauert, ist das Fahrzeug so eingerichtet, dass man darin schlafen kann, schließlich soll sich niemand einfach des Nachts die Daten schnappen können. Aus demselben Grund werden diese auch verschlüsselt.

Zurück in Hattersheim überspielen Mitarbeiter die Daten ins Rechenzentrum, oder, wie das seit einigen Jahren heißt, in die Cloud - Datensicherung abgeschlossen. Aber sollte das nicht eigentlich übers Internet funktionieren? "Es kommt immer wieder vor, dass das nicht so einfach ist", sagt Dunkel, "das ist dann ein ziemliches Gewürge, dass man das hinbekommt." Der Grund dafür lässt sich nachlesen in der Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine FDP-Anfrage. In Deutschland, der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt, haben von den insgesamt 62 074 Gewerbegebieten 21 745 nur langsames Internet. In mehr als einem Drittel aller Gewerbegebiete bekommen die Unternehmen nur Anschlüsse mit weniger als 50 Megabit pro Sekunde (Mbit/s).

Absurde Konsequenz des stockenden Glasfaserausbaus

Das mag zwar zum Mailen und Surfen gerade noch reichen, doch beziehen sich die Leistungsangaben immer aufs Herunterladen. Wenn Firmen etwas hochladen wollen, wird die Sache endgültig zur Geduldsprobe. Bei einer 16-Mbit-Leitung etwa stehen üblicherweise nur ein bis zwei Mbit/s zum Hochladen zur Verfügung. Eine 100 Megabyte große Datei zu übertragen, kann dann schon mal eine knappe Viertelstunde dauern. An etwas wie eine Sicherung der gesamten Firmendaten ist da gar nicht mehr zu denken. Besonders schlimm ist die Lage in den ostdeutschen Ländern Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. In beiden Bundesländern haben 57 Prozent aller Gewerbegebiete nur eine lahme Netzanbindung.

Wirtschaftsverbände und natürlich auch die Betroffenen schlagen Alarm, sprechen von einem Innovationshemmnis für die Betriebe. Sogar in Bayern, wo die Regierung ein ambitioniertes Programm aufgelegt hat, um die Versorgung mit schnellem Internet zu verbessern, ist die Lage zwar verbessert worden, aber noch keineswegs rosig: "Der Bedarf wächst rasant, da kommt selbst der ambitionierte Ausbau im Freistaat kaum noch hinterher", analysiert Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft.

Das Geschäft mit dem Daten-Transporter könnte sich noch eine geraume Zeit lohnen.