"Call of Duty: WWII" im Test Mal wieder Weltkrieg spielen

In Call of Duty WWII kämpft der Spieler im Multiplayer entweder auf Seiten der Alliierten oder auf Seiten der Achsenmächte.

(Foto: Activision / PR)

Call of Duty kehrt zu den Wurzeln der Reihe zurück. Wer von der Normandie bis Aachen stumpf ballern möchte, kommt voll auf seine Kosten. Wer beim Thema 2. Weltkrieg etwas Tiefgang erwartet, wird enttäuscht.

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Angespielt, nicht durchgespielt: Unsere Games-Kurzkritik "Screenshot"beantwortet Fragen zu den neuesten Computer- und Videospielen auf allen gängigen Plattformen. Das Format gibt einen ersten Eindruck, worauf Sie sich bei einem neuen Spiel freuen können - und wann Sie lieber noch skeptisch sein sollten.

Worum geht es in "Call of Duty: WWII"?

Die Landung in der Normandie, die Befreiung von Paris, die Schlacht um Aachen: "Call of Duty: WWII" spielt in den späten Jahren des Zweiten Weltkriegs auf den europäischen Schlachtfeldern. Dabei stellen die Entwickler die Geschichte etwas vereinfacht dar: Die Alliierten bestehen im Wesentlichen aus den USA, französische Widerstandskämpfer und die britische Spezialeinheit SOE haben Gastauftritte. Sie kämpfen gegen die Achsenmächte, die im Spiel nur aus Deutschland bestehen.

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Wie in den jüngeren Ausgaben der mittlerweile vierzehnteiligen Reihe gibt es drei zentrale Spielmodi: Die Einzelspieler-Kampagne handelt von der US-amerikanischen Ersten Infanteriedivision. Als Soldat Red Daniels kämpft der Spieler die Schlachten der Division gegen Nazi-Deutschland bis zum Sieg nach. Im Modus "Nazi Zombies" müssen sich bis zu vier Spieler gemeinsam gegen einen Ansturm untoter Nazis verteidigen. Der Modus, für den sich Fans der Spielereihe am meisten interessieren, dürfte aber der Mehrspielermodus sein: Entweder auf Seiten der Alliierten oder der Achsenmächte (darüber entscheidet der Zufall) treten Spieler in Teams mit bis zu sechs Spielern gegeneinander an. Je nach bevorzugtem Spielstil können sie zum Beispiel als Scharfschütze, Nahkämpfer oder vielseitiger Infanteriesoldat teilnehmen.

Was sieht vielversprechend aus?

"Call of Duty: WWII" ist ein klassischer Titel der Spielereihe. Wer das Spiel kauft, um online in kurzen Zehnminuten-Scharmützeln auf Leben und Tod zu kämpfen, kommt voll auf seine Kosten. Der Mehrspielermodus bietet mehrere Untermodi an. Neben dem klassischen Deathmatch, in dem das Team mit den meisten Tötungen gewinnt, oder dem neuen Kriegsmodus, in dem zwei Teams Schlachten des Zweiten Weltkriegs nachspielen, können Spieler zum Beispiel im Football-Modus einen Ball in die gegnerische Endzone tragen (und dabei Gegner abknallen). Neu ist das sogenannte Hauptquartier. Zwischen Online-Partien können sich bis zu 48 Spieler gleichzeitig dort treffen, sich zum Duell herausfordern, Belohnungen abholen oder am Schießstand trainieren.

Warum sollte man trotzdem kritisch sein?

Wer größere Erwartungen an "WWII" hatte, wird enttäuscht. Zwar ist die Einzelspieler-Kampagne aufwändig gestaltet. Die Charaktere in den filmischen Zwischensequenzen sehen so realistisch aus, wie in kaum einem anderen Spiel. Aber der Handlung fehlt ein Spannungsbogen, die Dialoge sind platt und lieblos. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema Weltkrieg findet in keinem der drei Modi statt. "WWII" berührt nicht, es gibt keinerlei Momente, in denen der Spieler die Grausamkeit des Krieges oder die Schicksale der Protagonisten zu spüren bekommt - im Gegensatz zur Darstellung des Ersten Weltkriegs in "Battlefield 1" zum Beispiel. "WWII" überzeichnet oder überspitzt auch nicht, wie es das kürzlich erschienene "Wolfenstein 2" tut. "Wolfenstein 2" karikiert die Nazi-Ideologie und lässt sie beinahe wie ein Kunstwerk wirken. Im Endeffekt könnte das "Call of Duty WWII" genauso gut zur Zeit des Vietnamkriegs, der Golfkriege oder in einem fiktiven Konflikt stattfinden, denn eigentlich zählt nur die Frage: Erschieße ich den Gegner, sprenge ich ihn in die Luft oder ramme ich ihm das Bajonett in den Bauch?

Woran erinnert "Call of Duty: WWII"?

Aus Sicht der Entwickler - und vermutlich auch aus der vieler Fans - ist dennoch entscheidend, welches Kriegsszenario im Zentrum des Spiels steht. Denn mit "WWII" kehrt die Spielereihe zu ihren Wurzeln zurück, "Call of Duty" 1 bis 3 spielen ebenfalls zur Zeit des Zweiten Weltkriegs. Passend dazu haben die Entwickler auch einige übernatürliche Bewegungsmechaniken entfernt: Spieler können nicht mehr mit Hilfe eines Raketenantriebs höher springen, endlos sprinten und die Wände entlang rennen, so wie das in den letzten Teilen der Reihe der Fall war. "WWII" soll sich wieder weniger nach Science-Fiction-Shooter und mehr nach realistischem Kriegsspiel anfühlen.

Was passiert, wenn man das Spiel zum ersten Mal startet?

6. Juni 1944, D-Day. Die amerikanischen Soldaten steuern mit ihren Landungsbooten auf die französische Küste in der Normandie zu. Schüsse knattern, Explosionen links und rechts schleudern Wasserfontänen in die Luft. Ein Boot geht in Flammen auf, schreiend stürzen die Soldaten ins Wasser. "Jetzt oder nie", schreibt Red Daniels noch in sein Tagebuch, dann stürmt er mit seinem ersten Platoon den Strand. Das erste Ziel: Die hundert Meter entfernte Ufermauer erreichen. Kein leichtes Unterfangen unter dem Dauerbeschuss der Deutschen. Wenn Daniels nicht aufpasst, sich nicht im richtigen Moment hinter einen Vorsprung wirft, stirbt er nach nur wenigen Metern auf kontinentaleuropäischem Boden. Geschafft. Mit zittrigen Händen schraubt Daniels die Bangalore, ein Sprengrohr, zusammen. Es knallt, in der Mauer klafft ein Loch und macht den Weg frei für die amerikanischen Truppen, um Europa von Hitler zu befreien.

"Call of Duty: WWII" ist für PC, Playstation 4 und Xbox One erhältlich.

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