Grüne Start-ups:"Da fehlt oft der Unternehmer"

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Sich entspannt zurücklehnen, das können Start-up-Gründer selten und die von grünen Start-ups ganz besonders nicht.

(Foto: Uwe Umstätter/imago)

Innovation, Profit und Nachhaltigkeit - kann das zusammengehen? 3000 grüne Start-ups in Deutschland wollen es beweisen.

Von Mirjam Hauck

Sie heißen Kaneo, Cirplus oder Thermondo und ihre Namen deuten an, dass es sich um junge, innovative und wachstumsorientierte Unternehmen handelt - um Start-ups. Aber diese drei wollen nicht nur mit neuen Technologien, Produkten oder Dienstleistungen Geld verdienen. Sie wollen zusätzlich noch einen ökologischen Mehrwert schaffen, wie zum Beispiel Treibhausgasemissionen reduzieren. Die drei genannten sind sogenannte grüne Start-ups. Kaneo ist ein Green-IT-Dienstleister, Cirplus ein globaler Marktplatz für Kunststoffabfälle und Thermondo verkauft und installiert digitale und umweltfreundliche Heizungen. Laut Berechnungen des deutschen Start-up-Verbandes gibt es hierzulande rund 3000 dieser Unternehmen. Insgesamt zählt der Verband 9000 bis 10 000 aktive Start-ups in Deutschland, gut jedes dritte davon gilt also als grün.

Ökologisch orientierte Unternehmen haben mit anderen Herausforderungen zu kämpfen als gewöhnliche Start-ups. In einer Studie hat der Bundesverband Deutsche Start-ups zusammen mit dem Borderstep Institut versucht, diese zusätzlichen Probleme zu identifizieren, finanziell gefördert wurde diese von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt.

Auch wenn es immer mehr grüne Start-ups gibt, haben sie gegenüber ihren herkömmlichen Pendants mehr Schwierigkeiten bei der Kapitalbeschaffung. So wünschen sich 42 Prozent der grünen Start-ups eine Venture-Capital-Finanzierung, aber nur 16 Prozent geben an, dass sie bislang eine bekommen haben, bei den nicht-grünen sind es immerhin 21 Prozent. So ist es wenig verwunderlich, dass die grünen Start-ups auch eher Crowdfunding bevorzugen (16 zu sieben Prozent).

Für David Hanf, bei Thermondo für die Finanzen zuständig, haben die Schwierigkeiten bei der Geldbeschaffung damit zu tun, dass bei grünen Start-ups die Entwicklungszyklen länger als üblich sind und es daher oft nicht sofort ein technisch ausgereiftes und verkaufbares Produkt gibt. Viele der Gründungen entstünden im universitären Umfeld, die Gründer seien meist ausschließlich Wissenschaftler. "Da fehlt der oft Unternehmer und Investoren wissen nicht, ob der Endkunde das Produkt kaufen wird. Das ist einfach ein höheres Risiko", sagt Hanf. Zwar gebe es in Lilium und Volocopter, die elektrische Flugtaxis entwickeln, grüne Start-ups, die viele Investoren locken und damit auch viel Geld einsammeln. Aber darüber dürften die anderen, die ein weniger prominentes Produkt machen, nicht vergessen werden. Eine Alternative könnten deshalb auch staatliche Fördermittel sein.

Dass der Weg für die Start-ups nicht immer reibungslos verläuft, lässt sich auch gut an Thermondo nachvollziehen - auch wenn das Unternehmen mit umweltfreundlichen Heizungen heute ein konkretes Produkt hat. Das war aber nicht immer so: Gestartet ist das Unternehmen vor zehn Jahren ursprünglich als Portal heizkostensenken.de. Verbraucherinnen und Verbraucher konnten sich über die Website informieren, wie sie ihre Wärmekosten senken können. Dann kam die Idee hinzu, dass man die Menschen, die sich für sparsame und klimafreundliche Heizungen interessieren, an lokale Handwerker vermitteln könne und diese dafür eine Gebühr zahlen. Das funktionierte nicht, genauso wenig wie die Idee, Heizungsbauer als Subunternehmer einzustellen. Deshalb ist Thermondo, das 2020 mehrheitlich von einem kanadischen Investor übernommen wurde, nun selbst ein Heizungsbauunternehmen mit 500 Angestellten. "Wir sehen uns mittlerweile als Mittelständler ", sagt Hanf. "Bei uns gibt es Karrieremöglichkeiten und man kann bei uns auch eine Ausbildung machen."

Von einer derartigen Größe sind die meisten Start-ups in Deutschland weit entfernt. Im Jahr 2020 hatte ein Start-up im Durchschnitt 14,3 Mitarbeiter und 2,4 Gründer oder Gründerinnen. Eine davon ist Nele Kammlott von Kaneo, einem Green-IT-Dienstleister aus Lüneburg. Einer der Befunde der Studie ist auch, dass es bei grünen Start-ups eine höhere Gründerinnenquote gibt im Vergleich zu den nicht grünen (19 zu 14 Prozent). Dass Frauen eher die Umwelt schützen wollen als Männer, hält sie aber für ein Klischee. "Die Unternehmen, die sich neu gründen, setzen stärker auf ökologische Ziele in ihrer Agenda und es gibt einfach mehr Frauen, die sich jetzt trauen zu gründen.

Nele Kammlott hat ihr Unternehmen vor sieben Jahren gegründet, weil sie fand, dass es keine IT-Dienstleister gab, die Digitalisierung und Nachhaltigkeit konsequent zusammen gedacht haben. "Unternehmen brauchen oft gar nicht so viele Ressourcen wie sie denken", sagt Kammlott. "Viele Server in Deutschland langweilen sich". Die meisten IT-Systeme seien überdimensioniert, wenn man schlanker programmiere, könne man bis zu 50 Prozent des Energiebedarfs einsparen. Und das hat direkte Auswirkungen auf die CO2-Emissionen.

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