Internet-Technologie Wenn der Blockchain-Hype auf die Realität trifft

Bitcoin werden mit Hilfe riesiger Rechner "geschürft".

(Foto: Lars Hagberg/AFP)
  • Der Hype um die Blockchain-Technologie hat überzogene Erwartungen geweckt.
  • Trotz vieler Experimente ist derzeit noch unklar, wo sich ein Einsatz jenseits des Finanzwesens überhaupt lohnt.
Von Johannes Kuhn

"Warum gibt es hier so viel Hass auf die Blockchain?", fragte vor einiger Zeit ein Nutzer im amerikanischen Programmierer-Forum Hackernews, das nicht für Software-Skepsis bekannt ist. Ein anderer erwiderte trocken: Die große Mehrzahl der Start-ups im Bereich Blockchain und Kryptowährung seien Abzock-Maschen. Der Rest versuche, die Technik für völlig unpassende Zwecke zu verwenden.

Nun ist die Realität etwas komplizierter, aber die Euphorie ist vorbei. Oder vielmehr ist der "Höhepunkt der übersteigerten Erwartungen" überschritten, wie die Marktforschungsagentur Gartner es formuliert. Seit 2016 galt die Blockchain, das dezentrale Verfahren zum Speichern und Prüfen von Informationen, als nächste große Plattform nach World Wide Web und mobilem Internet.

Die Versprechen reichten ins Utopische, schaltet ein solches System doch die bisherigen Vermittler aus: ein Finanzwesen, das ohne Banken auskommt. Verträge, deren Einhaltung sich automatisiert prüfen lässt. Ein dezentrales Internet, das Regierungen nicht zensieren können. Und natürlich eine neue Generation von Superfirmen wie Google und Facebook.

Solche Aussichten lockten Investoren. Und Gründer, wovon einige nur ein vages "auf Blockchain-Technologie basierend" in ihre Präsentation einfügten, um Geld zu sammeln. Vergangenes Jahr flossen einer Schätzung des Branchendienstes Coindesk zufolge mehr als drei Milliarden Dollar Risikokapital in den Bereich.

Der Crypto-Rausch erinnerte an Dotcom-Zeiten

Gelockt wurden aber auch Betrüger. 2017 wurden zahlreiche als "digitales Gold" gelobte Kryptowährungen Opfer von Hacker-Angriffen, stellten sich als Betrugsmasche heraus oder waren bestenfalls eine Anlage für Zocker. Auch die lange unregulierten Crowdfunding-Kampagnen ("Initial Coin Offerings", kurz ICO genannt), die Anteile an Firmen oder Projekten ausgaben, gerieten in den Ruf, ein Betätigungsfeld für Trickbetrüger zu sein.

Dass das an wildeste Dotcom-Zeiten erinnerte, geben selbst Anhänger wie der New Yorker Hightech-Investor Fred Wilson zu. Er aber argumentiert, dass Ende der Neunzigerjahre eben nicht nur Geld verbrannt, sondern auch Kapital für die Entwicklung vom Einwahl- zum Breitband- und Mobilfunk-Internet freigesetzt wurde, das die digitale Revolution ermöglicht habe. Nur sei die Blase dieses Mal zu früh geplatzt. Am Ende des Winters sehe er nun "den Frühling am Horizont", schrieb Wilson vor Kurzem auf seinem Blog.

Die amerikanische Jura-Professorin Angela Walch, die sich mit technischen und rechtlichen Aspekten der Blockchain beschäftigt, ist da vorsichtiger: "Wir versuchen immer noch zu verstehen, was die Blockchain-Technologie kann - und was sie überhaupt ist."