Auktion von Funkfrequenzen:Darum ist die Bundesnetzagentur so streng

Es könnte also noch eine Weile dauern, bis schnelles Surfen in entlegenen Regionen zum Standard wird. Drei Jahre, das ist die Auflage bei der Auktion, haben die Unternehmen. Dann muss jeder der drei Anbieter sein Mobilfunknetz so weit aufgerüstet haben, dass es im Regelfall an jedem Ort möglich ist, mit einer Geschwindigkeit von mindestens zehn Mbit/s zu surfen. Zu Zeiten, in denen besonders viel Verkehr ist, etwa wenn sich die Menschen zu Silvester Schnappschüsse senden, ist die Bundesnetzagentur, die über die Einhaltung der Regeln wacht, weniger streng.

Auch das Netz entlang von ICE-Strecken und Autobahnen sollen die Anbieter aufrüsten. Das allerdings ist nicht mehr als eine Bitte. Denn auch bei der Bundesnetzagentur weiß man, dass eine stabile Internetverbindung im schnellen Zug oder Auto alles andere als trivial ist. Das Handy muss sich dann ständig in neue Funkzellen einwählen. Damit das ohne Abbrüche klappt, muss das Netz engmaschig sein. Dort, wo Autobahnen an private Grundstücke grenzen, können die Mobilfunkunternehmen nicht einfach ihre Masten montieren. Und selbst wenn sie die Gleise aufrüsten, müssen die Züge mit der Technik ausgestattet sein, die das Funksignal ins Abteil weiterreicht.

Airdata kämpft vor Gericht um eine Zulassung

Womöglich würde der Netzausbau zügiger vorangehen, wenn die Frequenzen nun nicht nur unter den etablierten Mobilfunkanbietern ausgetragen würden. Vielleicht würden neue Anbieter sogar dafür sorgen, dass der Verbraucher eine schnelle und stabile Internetverbindung auch billiger bekommt. In anderen europäischen Ländern wurden bei Auktionen Frequenzen für Neueinsteiger reserviert. Hierzulande aber scheiterten gleich zwei kleinere Unternehmen an der Zulassung zur Versteigerung. Eines davon, Airdata, kämpft derzeit vor Gericht darum, doch noch zugelassen zu werden.

Bei der Bundesnetzagentur verweist man darauf, dass man streng sein müsse. So will die Behörde verhindern, dass ein Unternehmen Frequenzen erst erwirbt, dann aber, weil es den Aufbau eines Netzes finanziell oder technisch nicht schafft, den Netzausbau im gesamten Land blockiert. Bei Airdata haben sie hingegen das Gefühl, dass die Behörde den drei Großen lästige Konkurrenz vom Hals halten wolle. "Eigentlich muss die Bundesnetzagentur eine neutrale Instanz sein. Es ist ihr gesetzlicher Auftrag, den Wettbewerb zu fördern - und zwar zum Wohle des Verbrauchers", sagt Christian Irmler, Gründer und Chef von Airdata. Sein Unternehmen baut seit fast 20 Jahren Netze für eine schnelle Datenübertragung in Hotels, Messehallen, aber auch Häfen.

Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, hat den etablierten Mobilfunkanbietern immer wieder Rosinenpickerei vorgeworfen. Sie würden, so moniert er, das Netz zunächst nur dort ausbauen, wo viele Menschen und somit viele mögliche Kunden wohnen, zulasten der Bevölkerung auf dem Land. Auch deshalb wundern sie sich bei Airdata darüber, dass sie nicht zur Auktion zugelassen wurden und so die Chance erhalten, im Mobilfunkgeschäft mitzumischen und die etablierten Anbieter etwas anzutreiben.

Christian Irmler vermutet, dass es bei der Frequenzauktion vor allem darum geht, den Bundeshaushalt aufzubessern. Denn die Regierung steckt nur einen Teil der ersteigerten Einnahmen wieder in den Netzausbau, nämlich in Förderprogramme zum Ausbau von Glasfasernetzen: Mindestens 600 Millionen Euro werden es sein - und damit nicht einmal die Hälfte des Mindestgebots für das gesamte Spektrum, das unter den Hammer kommt.

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