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Attentat auf Castro in "Call of Duty":"Ein Vergnügen für Psychopathen"

Im Computerspiel "Call of Duty: Black Ops" sollen virtuelle Soldaten Fidel Castro ermorden. Die kubanischen Staatsmedien sind empört.

Der Soldat Alex Mason sitzt an einen Stuhl gefesselt in einem dunklen Raum, er wird mit Elektroschocks gefoltert und soll auspacken. Was er über eine bestimmte Biowaffe wisse, herrscht ihn eine Stimme an. Von russischen Agenten ist die Rede und von tausend anderen Dingen, an die sich Mason gefälligst erinnern soll. Gequält presst er schließlich heraus: "Alles begann in Kuba. Als wir Fidel Castro töten sollten."

Computerspiel-Geschichte

Gewaltverherrlichend oder harmlos?

Fidel Castro zu ermorden ist die erste Aufgabe, die der Avatar Mason im Action-Computerspiel Call of Duty: Black Ops bekommt, das in der Zeit des Kalten Kriegs spielt. Die Fortsetzung von Modern Warfare 2 sorgt deshalb gerade in Kuba für viel Aufregung. Fidel Castro, der die Regierungsgeschäfte des kommunistischen Inselstaats 2008 an seinen Bruder Raúl abgegeben hat, hat sich zwar selbst nicht geäußert. Dafür schimpfen aber die Staatsmedien.

"Was die USA in 50 Jahren nicht geschafft haben, versuchen sie jetzt auf dem virtuellen Weg", schreibt zum Beispiel die regierungstreue Internetzeitung Cuba Debate. Und bezichtigt das Actionspiel einer "zweifachen perversen Logik": Zum einen, so Cuba Debate, glorifiziere Call of Duty: Black Ops Attentatsversuche der USA auf Castro. Zum anderen stifte es amerikanische Kinder und Jugendliche, die die Hauptkonsumenten des Spiels seien, zu "soziopathischen Handlungen" an.

Für Juventud Rebelde, die Parteizeitung der Jugendorganisation der Kommunistischen Partei Kubas, ist das Computer-Actionspiel jedenfalls "ohne Zweifel ein Vergnügen für Psychopathen". Die Möglichkeit, im Internet mit bis zu 18 Personen gleichzeitig zu spielen, garantiere kriegerische Auseinandersetzungen mit spektakulären Morden - und für Gesellschaften wie die USA heilige schließlich der Zweck die Mittel.

Tatsächlich gab es von den USA aus gesteuerte Attentatsversuche auf Castro. Die CIA hat das inzwischen zugegeben - nach Angaben der kubanischen Regierung sollen es mehr als 600 gewesen sein. So wurde im Rahmen der "Operation Mongoose" die Ermordung Castros mittels Giftpillen, mit Bomben und seine Erschießung angedacht. Später verabschiedete sich die CIA von ihrem Mordvorhaben.

Fidel Castro selbst, der Kuba 49 Jahre lang diktatorisch regierte, scheint sich trotz reeller und virtueller Attentatsversuche nach längerer Krankheit wieder besserer Gesundheit zu erfreuen. Der inzwischen 84-Jährige trat im Juli im Staatsfernsehen auf, nachdem er wegen einer Darmerkrankung zwei Jahre zuvor endgültig von allen politischen Ämtern zurückgetreten war. In der Sendung wirkte er rüstig und nahm die Gelegenheit wahr, die USA massiv zu kritisieren.

In Call of Duty: Black Ops wird der Diktator denn auch nicht wirklich umgebracht. Zwar sieht der Spieler in effektvoller Videospiel-Ästhetik die Kugel in Zeitlupe in Castros Kopf fliegen - später stellt sich aber heraus: Es hat einen Doppelgänger erwischt. Wie im wirklichen Leben bleibt auch im Computerspiel Castro quicklebendig.

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