Apple-Laptop im Test Macbook mit Touchbar - braucht man das?

Das neue Apple Macbook Pro mit Touchbar

(Foto: AFP)

Apple hat sich für seine Macbooks Pro etwas Neues einfallen lassen: die Touchbar. Das ist nett, aber verzichtbar. Zum Problem könnte ein anderes Bauteil werden.

Von Helmut Martin-Jung

Ein Laptop ist ein Laptop ist ein Laptop? Das gilt schon länger nicht mehr. Wer sich heute einen tragbaren Computer kaufen will, kann aus einer verwirrenden Vielfalt an möglichen Formen und damit verbundenen Kompromissen wählen. Berührungsbildschirme, sogar welche, die sich abnehmen lassen. 360-Grad-Scharniere, superschmale Gehäuse, spieletaugliche Grafikmodule - es gibt nahezu nichts, was es nicht gibt. Da konnte auch Apple nicht einfach einen weiteren Laptop bauen, ein bisschen schneller, ein bisschen besserer Bildschirm. Nein, irgendetwas war nötig, mit dem sich die schon länger in formvollendet gestaltetes Aluminium gebettete Technik besser unters Volk würde bringen lassen.

Die Antwort heißt im Wesentlichen Touchbar und sitzt oberhalb der Tastatur, wo sonst die Funktionstasten angebracht sind. Unter einer leicht angerauten Glasoberfläche hat Apple einen berührungsempfindlichen Bildschirm aus organischen Leuchtdioden (Oled) eingebaut, der dem jeweiligen Programm entsprechend sinnvolle Zusatzfunktionen zu bieten versucht. Beim Tippen in einem Schreibprogramm etwa zeigt die Leiste Wortvorschläge an wie beim Tippen auf dem Handy. Im Videoschnittprogramm lässt sich damit noch besser und effektiver als mit dem (auch sehr guten) Trackpad durch die Zeitleiste sausen.

Wirklich unverzichtbar ist die Touchbar allerdings nicht, zumal sich die Nutzer erst einmal daran gewöhnen müssen, dass sie auch hinschauen, was ihnen gerade angeboten wird. Wofür man den Blick unergonomischerweise vom Bildschirm abwenden muss. Auch machen die meisten Programme Dritter von der neuen Möglichkeit keinen Gebrauch, sondern nur die, bei denen die Hersteller das auch vorgesehen haben. Einen berührungsempfindlichen Bildschirm bietet Apple bei Notebooks weiterhin nicht an - wohl auch, um das ohnehin schwächelnde Geschäft mit dem iPad nicht auch noch selbst zu torpedieren.

"Hört mal, wer da hämmert"

Die Tastatur hat einen extrem kurzen Hub, bringt aber immerhin einen klar definierten Anschlagpunkt mit. Bleiben als Nachteile der nötige Eingewöhnungseffekt und eine ziemliche Geräuschentwicklung nach dem Motto "Hört mal, wer da hämmert". Auf den Tastaturen der früheren Macbooks Pro tippte es sich jedenfalls deutlich besser. Die neue Variante ist der Tribut an die sehr schmale Bauform der Notebooks.

Dass Apple Hard- und Software kontrolliert, hat sich schon oft als Vorteil erwiesen. Hier merkt man es zum Beispiel an der langen Laufzeit der Notebooks. Auch die Verarbeitung und natürlich das Design sind erste Sahne. Das mit dem Design merkt man dann wiederum daran, dass es außer dem analogen Kopfhörerausgang (immerhin!) bloß noch eine Sorte Buchsen gibt, nämlich solche des neuen USB-Typs C. Die sind zwar super, weil man nicht mehr darauf achten muss, die Stecker richtig herum einzustöpseln. Doch viel Peripherie gibt es noch nicht, die sich darauf versteht. Die eher unschöne Konsequenz: Adapter.

In den Geräten schlagen die Prozessor-Herzen von Intels zweitjüngster Generation, was manche kritisiert haben. Dafür kann Apple aber nichts, denn die neuesten sind noch nicht für die Serienfertigung verfügbar. Die Bildschirme der Macbooks sind hell und scharf, das bei glänzenden Displays unvermeidliche Spiegeln wird dadurch größtenteils wieder aufgewogen.

Wie viele Windows-Hersteller schon lange, bietet nun auch Apple einen Fingerabdrucksensor, mit dem sich das Gerät etwa nach einer Arbeitspause entsperren lässt. Er funktioniert ähnlich gut wie von Apples Smartphones und Tablets gewohnt, beim Neustart muss man allerdings das Passwort neu eingeben.

Gadgets Sechs Dinge, die Apple der Welt aufgedrängt hat Bilder

Innovation

Sechs Dinge, die Apple der Welt aufgedrängt hat

Apple ist als erstes Privatunternehmen eine Billion Dollar wert - auch, weil der Konzern die Gewohnheiten seiner Nutzer immer wieder mit Neuerungen herausfordert. Beispiele vom Touchscreen bis Airpods.

Natürlich sind die neuen Macbooks der Pro-Serie sehr teuer (ab 2000 Euro mit 13-Zoll-Bildschirm und Touch Bar). Doch wer in der Windows-Welt ähnliche Leistung, Fertigungsqualität und ansprechendes Design will, muss auch viel Geld ausgeben. Schwierig wird es allerdings für die Apple-Liebhaber, die sich mit der neuen Tastatur partout nicht anfreunden können. Diese baut Apple in alle neuen Macbooks Pro ein.