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Android 4.0 und Galaxy Nexus:Google startet die Sandwich-Attacke

Nach dem Start des iPhone 4S will Google zurück auf die Smartphone-Bühne: Die aktuelle Version des Betriebssystems Android Ice Cream Sandwich kommt mit zahlreichen neuen Funktionen - und ein passendes Handy stellt der Konzern gleich mit vor.

Google und seine Android-Partner greifen auf dem Smartphone-Markt mit neuen Spitzen-Geräten an. Zudem soll die nächste Version des Betriebssystems Android mit der Versionsnummer 4.0 und dem Beinamen "Ice Cream Sandwich" ("Eiswaffel-Sandwich") den Nutzern neue Funktionen bringen und mit iOS5 von Apples iPhones konkurrieren.

Google Ice Cream Sandwich Debuts As IPhone Sets Record

Googles neues Smartphone Galaxy Nexus: Auf Android 4.0 zugeschnitten.

(Foto: Bloomberg)

Man habe dafür alle bei Google verfügbaren Innovationen zusammengepackt, sagte Android-Chef Andy Rubin bei der Vorstellung in Hongkong. Android 4.0 verbessert unter anderem den Umgang mit diversen Google-Diensten, hat aber auch ganz neue Funktionen - weshalb manchner IT-Branchenbeobachter bereits von einem "neuen OS, keiner Fortentwicklung" schreibt. Du den Neuerungen gehören:

[] Wie bei der Tablet-Version Android 3.0 können mit "Ice Cream Sandwich" nun auch Smartphone-Nutzer die Programme auf ihrem Startbildschirm nach Belieben anordnen und die Symbole vergrößern und verkleinern.

[] Wer sein Handy künftig entsperren möchte, kann dies per Gesichtserkennung tun. "Face Unlock" heißt die Sicherheitsfunktion, bei der das Smartphone das Gesicht seines Besitzers identifziert. Allerdings funktionierte das Entsperren mit dem eigenen Gesicht bei der Demonstration auf der Bühne nicht reibungslos.

[] Die Kamera-App erhält eine Panorama-Funktion: Dabei schwenkt ein Nutzer das Telefon, dessen Software automatisch die Einzelnbilder zu einer Rundumansicht zusammensetzt. Die Wirkung von Effekten kann künftig schon vor dem Drücken des Auslösers getestet werden - "Live Effects" nennt sich diese Funktion. Ebenfalls neu: Ein Hipster-Filter, der nicht nur zufällig an die beliebte Hipstamatic-Photo-App des iPhones erinnert.

[] Android-Smartphones mit Nahfeldchip können nun direkt per Funk Daten und Kontakte austauschen - das soll deutlich schneller als bislang über Blutooth funktionieren, Apps wie "Bump" wären damit überflüssig.

[] Die bislang sehr beliebten Programme, die den Datenverbrauch des Android-Handys und einzelner Apps anzeigen, werden ebenfalls unnötig: Diese Statistiken werden nun ins Betriebssystem integriert, zudem können Nutzer sich bei einer bestimmten Datenmenge warnen lassen oder ihren Datenplan speichern, um vor der Überschreitung des Volumens rechtzeitig einen Hinweis zu erhalten.

[] Von Wi-Fi Direct könnte man bald öfter hören: Der Dienst ermöglicht es Geräten, untereinander eine Wlan-Verbindung herzustellen. Das würde bedeuten, dass zwischen Smartphones bald große Datenmengen äußerst schnell hin- und herbewegt werden können. Android 4.0 unterstützt diese Technik, ob es allerdings jeder Hersteller in sein Smartphone einbaut, bleibt abzuwarten.

[] Der Benachrichtigungsbereich wurde aufgeräumt, auch die Kontaktverwaltung, sowie Kalender- und E-Mail-Oberfläche sollen übersichtlicher werden.

[] Lange erwartet: Android 4.0 ermöglicht es endlich, direkt und überall Screenshots des Handys zu machen.

Die neue Variante des Google-Betriebssystems wurde zusammen mit dem aktuellsten Samsung-Smartphone Galaxy Nexus präsentiert, das sie als erstes bekommen soll.

Galaxy Nexus mit hoher Auflösung

Es hat einen großen Bildschirm mit einer Bildschirmdiagonalen von 4,65 Zoll (11,8 cm) sowie einen schnellen Doppelkern-Prozessor. Android 4.0 sei speziell auf die hohe Bildschirm-Auflösung des Galaxy Nexus von 1280 mal 720 Bildpunkten zugeschnitten worden, hieß es. Auch die Schrift wurde der Auflösung angepasst. Das Galaxy Nexus soll ab November in Deutschland erhältlich sein.

Bereits am Dienstagabend schickte der US-Konzern Motorola sein neues Spitzen-Smartphone mit Android ins Rennen und ließ dafür auch den bewährten Markennamen Razr aufleben.

Das Droid Razr hat einen Doppelkern-Prozessor und verbindet sich über den schnellen Mobilfunk-Standard LTE mit dem Internet. Es läuft allerdings nicht mit "Eiswaffel"-Android, sondern der Vorgängerversion. Unter dem Namen Razr hatte Motorola vor einigen Jahren mit großem Erfolg Klapphandys verkauft.

In den vergangenen Tagen beherrschte Apple mit dem starken Start seines neuen iPhone 4S die Nachrichten aus der Smartphone-Welt. Apple brachte das Telefon mit neuen Funktionen wie dem "persönlichen Assistenten" Siri heraus, mit dem sich der Nutzer unterhalten kann.

Der Smartphone-Markt wird inzwischen von Android beherrscht, auf das mehrere Hersteller zugreifen. Wettbewerber wie Apple und Microsoft greifen die Partner der Plattform aber mit Patentklagen an.

© sueddeutsche.de/dpa/joku/mri

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