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Amazon Echo:Dieser Amazon-Lautsprecher spielt Musik - und hört auch gut zu

Amazon Echo

Entgegen allen Erwartungen kauften Millionen US-Amerikaner den Echo, jetzt will Amazon auch deutsche Wohnzimmer erobern.

(Foto: Amazon / PR)

In den USA war das sprachgesteuerte Heimgerät "Echo" ein Überraschungserfolg, jetzt startet der Verkauf in Deutschland. Der erste Eindruck ist vielversprechend.

Von Helmut Martin-Jung

Jeff Bezos, so heißt es, sei zwar für dieses komische neue Produkt gewesen, das seine Entwickler sich um 2010 herum ausgedacht hatten. Ein Gerät, das man sich in die Wohnung stellt und bedient, indem man mit ihm spricht. Doch der Amazon-Chef verlangte scheinbar Unmögliches: Echo, der vernetzte Lautsprecher und Herrscher übers smarte Heim, sollte auf Sprachanfragen seiner Nutzer schneller antworten als alle vergleichbaren Geräte - doppelt so schnell.

Bei Amazon gab es intern größere Zweifel, ob Echo sich gut verkaufen würde - schließlich hatte der Konzern mit seinem eigenen Smartphone einen grandiosen Flop hingelegt. Doch als das schlanke, zylinderförmige Gerät 2014 in den USA auf den Markt kam, wurde es zum Überraschungserfolg. Zwar verrät Amazon nicht, wie viele Echos es verkauft hat, es dürfte aber eines der erfolgreichsten Produkte des Konzerns überhaupt sein. Daher war es nur eine Frage der Zeit, bis es nun auch auf den deutschen Markt kam.

Der Echo ist momentan nur auf Einladung für wenige, ausgewählte Kunden erhältlich und kostet 180 Euro. Die SZ hat ihn ausprobiert.

Wie richtet man Echo ein?

Der erste Start ist erstaunlich kompliziert und eigentlich nicht zeitgemäß. Um den ach so smarten Lautsprecher ins Wlan zu bringen, muss man über die hakelige Echo-App vom Smartphone aus eine Direktverbindung zum Echo-Gerät aufgebaut werden, um dort das Wlan-Passwort einzugeben. Andere Hersteller können das inzwischen deutlich besser. Einige Male verabschiedete sich die App auch während des Tests.

Was kann der Lautsprecher?

Da Echo für den US-Markt entwickelt wurde, hält sich das Angebot an verfügbaren Diensten hierzulande noch in Grenzen. Die Suche nach Anbietern von Smart-Home-Geräten fördert beispielsweise nur neun Hersteller zu Tage, darunter Philips Hue (vernetzte Leuchten) oder Tado (eine Steuerung für Heizungen und Thermostate).

Damit Echo noch mehr leistet, muss man das Gerät mit anderen Diensten verknüpfen, etwa mit einem Google-Account, um ihm Zugriff auf den Kalender zu geben, oder mit Mytaxi, um ein Taxi zu rufen. Natürlich kann man über Echo auch bei Amazon einkaufen. Im Laufe der kommenden Monate sollen zusätzliche Dienste und Fähigkeiten dazukommen.

Was Echo schon ganz gut kann: Musik von Amazons eigenem Streaming-Dienst sowie von Spotify abspielen. Vor allem überzeugt, wie schnell das Gerät auf Sprachbefehle reagiert. Der Klang ist für die Gehäusegröße auch sehr in Ordnung. Leider lässt es sich nicht an eine größere Anlage anschließen, ein entsprechender Audio-Ausgang fehlt.

Wie gut funktioniert Echo?

Die Spracherkennung über die sieben (!) eingebauten Mikrofone funktioniert tadellos, auch aus einigen Metern Entfernung. Was das Gerät erkannt hat, lässt sich in der App nachlesen. Wer mit der Antwort nicht zufrieden ist, kann das Amazon mitteilen und seine Beschwerde begründen. Mit Fremdsprachen hat es Echo allerdings nicht so. Spricht man "Préludes" französisch aus, findet Echo keine Musik. Gleiches gilt für viele englische Wörter und Namen. "Miles Davis" erkennt das System zwar, spricht es aber "Mieles Devis" aus.

Das Verkehrsaufkommen kann Echo nur für eine einzelne Strecke angeben; fragt man nach weiteren Routen, kommt eine falsche oder gar keine Antwort. Auch die Temperatur bereitet mitunter Probleme. 44 Grad am Morgen in München? So weit ist es dann doch noch nicht mit der Klimaerwärmung - statt Celsius nennt Echo Werte der Fahrenheit-Skala.

Erstaunlich ist die Geschwindigkeit, mit der Echo antwortet. Lediglich die App reagiert häufig träge - zum Glück braucht man sie eigentlich nur, um die Grundeinstellungen vorzunehmen und neue Dienste oder Geräte hinzuzufügen.

Und was ist mit dem Datenschutz?

Das Gerät reagiert auf ein Codewort, dafür müssen die Mikrofone permanent aufnehmen. Voreingestellt ist "Alexa", man kann auch "Echo" oder "Amazon" verwenden. Die Erkennung dieser Begriffe läuft lokal im Gerät ab. Gesprächsinhalte und Umgebungsgeräusche werden im Stand-by-Zustand also nicht an Amazon geschickt.

Dies geschieht erst, wenn Echo das Codewort erkannt hat. Was danach gesprochen und aufgezeichnet wird, landet auf Amazons Servern und wird dort analysiert. Mehr noch: Die Aufnahmen bleiben gespeichert, denn das Unternehmen braucht diese Daten, um durch maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz das System zu verbessern. Will man sichergehen, das Echo nicht lauscht, kann man einen Knopf oben am Gehäuse drücken. Dieser schaltet die Mikrofone ab. Oder man zieht einfach den Stecker.

Muss man Echo haben?

Momentan lässt sich an Echo noch so einiges kritisieren, insbesondere an der deutlich eingeschränkten deutschen Version - doch so weit sich das nach einigen Stunden Test beurteilen lässt, ist ein Großteil dieser Mängel der Software geschuldet. Sowohl die App als auch die integrierten Dienste können mit einem Update verbessert und erweitert werden. Es ist also zu erwarten, dass der Lautsprecher bald deutlich leistungsfähiger wird.

Hinzu kommt: Je mehr Nutzer das System hat, desto besser wird es, denn es kann aus seinen Fehlern lernen. Im Moment ist Echo eher ein Versprechen für die Zukunft als ein elektronischer Dienstleister, auf den man nicht verzichten will. Gelingt es Amazon, die Schwachstellen zu beseitigen und mehr Partner ins Boot zu holen, könnte Echo auch für deutsche Nutzer wirklich hilfreich werden. Als Musikspieler macht der smarte Lautsprecher schon jetzt eine ganz gute Figur.

© SZ.de/sih/mane
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