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Affiliate Marketing:Dubioses Geschäft mit bezahlten Links

Online-Handel

Viele Seitenbetreiber verdienen sich durch die Partnerprogramme verschiedener Online-Shops etwas dazu.

(Foto: dpa)
  • Mit den sogenannten Partnerprogrammen von Online-Shops können sich Betreiber von Webseiten Provisionen dazuverdienen.
  • Auch unseriöse Anbieter haben die Methode für sich entdeckt und täuschen Nutzer.

Im Internet ein Vermögen zu machen, könnte so einfach sein. Das Problem ist, dass die nigerianischen Prinzen nie das Geld überweisen, trotz all ihrer Beteuerungen per E-Mail. Eine seriösere und vor allem weniger naive Methode sind sogenannte Affiliate-Links, mit denen sich viele Webseitenbetreiber etwas dazuverdienen.

Einen Link auf einen Online-Shop setzen und Provisionen kassieren, wenn der weitergeleitete Nutzer dort etwas kauft, ist so einfach wie legitim - solange der Verbraucher nicht getäuscht wird. Doch hinter vielen Seiten voller Links zu Amazon und anderen Online-Shops stecken wenig seriöse Betreiber, die damit Geld verdienen, unaufmerksame Nutzer in die Irre zu führen.

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Was sind Affiliate-Links?

Affiliate-Marketing lässt sich am ehesten mit "Partner-Marketing" übersetzen. Anbieter wie Amazon wollen mit Verlinkungen mehr Kunden auf ihre Seiten locken. Das Konzept ist simpel: Ein Werbetreibender ("Advertiser") verbindet sich mit einem Webseitenbetreiber ("Affiliate") um von dessen Reichweite zu profitieren. Der Betreiber, zum Beispiel ein Blogger, setzt Links zum Partner, etwa einem Online-Shop. Die Links können auch zu einzelnen Produkten führen.

Klickt ein Leser auf den Link und kauft das Produkt, erhält der Verbreiter des Links eine Provision. In Amazons Partnerprogramm, einem der weltweit größten Affiliate-Netze, kann sie bis zu zehn Prozent des gesamten Einkaufswertes betragen. Manche Shops schütten auch dann Provisionen aus, wenn ein Nutzer über einen Affiliate-Link auf die Seite geführt wird und innerhalb der nächsten 24 Stunden irgendein Produkt kauft.

Affiliate- Links bringen oft allen Beteiligten Vorteile

Affiliate-Links finden sich überall im Internet und manche Seitenanbieter verdienen gutes Geld damit. Torben Leuschner betreibt die Seite was-soll-ich-schenken.net, auf der er Produkte aus verschiedenen Online-Shops zusammenstellt und Geschenktipps gibt. Leuschner sagt, er habe im vergangenen Jahr mit der Seite einen sechsstelligen Betrag umgesetzt. "Da die Kosten für den Affiliate oft gering sind, ist das dann auch ein ganz schöner Gewinn", sagt er. Außer seiner eigenen Arbeitszeit und den Gebühren für die Webseite hat er kaum Ausgaben. Einer Schätzung der Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers zufolge könnte der Umsatz des Affiliate Marketings 2016 in Deutschland bei fast einer Milliarde Euro gelegen haben, Tendenz steigend.

Um die Links haben sich Geschäftsmodelle etabliert. Wer ohnehin über Produktempfehlungen bloggt und ein entsprechendes Publikum anzieht, kann mit passenden Affiliate-Links dazuverdienen. Die Leser bekommen Links zu Produkten, die sie vermutlich interessieren. Die Werbetreibenden zahlen nur bei Erfolg.

Allerdings haben auch weniger seriöse Anbieter ihre Chance erkannt. Mit suchmaschinenoptimierten Seiten zu Nischenprodukten wie Waschsaugern oder Kappsägen locken sie die Nutzer. Einen Mehrwert gibt es auf den Seiten aber oft nicht, Nutzer sollen lediglich mit allen Mitteln dazu gebracht werden, auf den Link zu klicken.

Verbraucher werden getäuscht

Besonders problematisch wird es, wenn Webseitenbetreiber falsche Tatsachen vorspielen, um den Nutzer zum Klick zu bewegen. Das geschieht zum Beispiel auf Fake-Test-Seiten, wie kürzlich eine Studie des Vergleichsportals testbericht.de - eine Seite, die selbst Testberichte zusammenfasst - gezeigt hat. Die Studie wertete die Ergebnisse von 100 Google-Suchen aus. Gesucht wurde jeweils nach einer Produktkategorie, kombiniert mit dem Begriff "Testsieger", etwa "Matratzen Testsieger".

"Fake-Test-Seiten sind Seiten, die beim Nutzer im Gesamteindruck den Anschein erwecken, selber Produkttests durchzuführen, ohne das tatsächlich zu tun", sagt Untersuchungsleiter Daniel Brückner. Bei fast allen getesteten Suchanfragen fanden sich solche Seiten schon auf Seite eins der Suchergebnisse. Ihre "Tests" bestehen aus Zusammenfassungen und Kombinationen anderer Informationen. Manchmal werden auch Kundenbewertungen zusammengeschrieben und als Test ausgegeben. Ein Hinweis auf diese Praxis findet sich höchstens im Kleingedruckten.

Die Stiftung Warentest geht gegen falsche Test-Seiten vor, wenn sie ihren guten Ruf in Gefahr sieht. "Wenn jemand eine Meta-Auswertung macht, finden wir das okay. Aber wenn jemand sagt, er testet, und testet gar nicht, sondern bezieht sich auf Amazon-Bewertungen, wird der Verbraucher reingelegt", sagt Sprecherin Heike van Laak. Und Kerstin Hoppe vom Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) erklärt: "Wenn der Kunde zu einem Kauf verleitet wird, den er sonst nicht getätigt hätte, kann es sich um irreführende Werbung handeln." Auch der VZBZ mahnt in solchen Fällen die Seitenbetreiber ab, zuletzt drei von ihnen im Zuge der testbericht.de-Studie.

Für viele Fake-Test-Seiten ist Amazon der Partner der Wahl. Viele verlinken auf die Produktseiten des Versandhauses. Der Konzern will keine Angaben zu internen Abläufen machen, versichert aber, gegen Seiten vorzugehen, die gegen die Regeln des Partnerprogramms verstoßen. Eine äußerst schwierige Aufgabe, spricht der Shopping-Riese doch von mehr als 900 000 Webseiten in seinem Partnerprogramm. Eine Anmeldung bei solchen Programmen ist mit wenigen Klicks erledigt. Testleiter Brückner sieht daher auch eine Verantwortung der Werbetreibenden.

Nicht überall wo "Test" draufsteht, ist auch ein Test drin

Auch Geschenktipp-Anbieter Torben Leuschner hat sich mit dem Thema auseinandergesetzt: "In der Szene hat das schon hohe Wellen geschlagen. Und dass Fake-Tests ein Problem geworden sind, merke ich auch als privater Nutzer." Mit etwas Aufmerksamkeit seien solche Seiten leicht zu erkennen, doch vielen Kunden sei das Geschäftsmodell dahinter nicht bewusst.

Dem Nutzer bleibt vorerst nur, aufzupassen. Nicht überall, wo "Test" draufsteht, hat auch wirklich jemand etwas getestet, und manche gutgemeinte Kaufempfehlung ist rein finanziell motiviert. Wer mysteriösen Adligen vom anderen Ende der Welt in seinen E-Mails nicht vertraut, sollte also auch vorsichtig sein, wenn eine Webseite ihn allzu drängend zum Klicken bewegen will.

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