Voraussetzungen für die Bewerbung Wie wichtig sind Noten für ein Stipendium?

Es muss nicht die magische 1,0 sein: Bei der Bewerbung für ein Stipendium geht es nicht nur um den Notenschnitt. Sozial engagierte Bewerber können punkten. Und auch mit einem Dreier-Schnitt hat man mitunter noch Chancen auf ein Begabtenstipendium.

Von Sabrina Ebitsch

Für die Leistungen in der letzten Prüfung hat der Professor nicht gleich den roten Teppich ausgerollt? Und der Mitgliedsantrag für die Jusos oder den Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) liegt immer noch unausgefüllt in der Schublade? Das heißt noch lange nicht, dass sich eine Bewerbung für ein Stipendium nicht doch lohnt.

Bei der Frage nach Noten und sozialem Engagement gilt es, zwischen der Begabtenförderung und Stipendiengebern, die andere Zielgruppen unterstützen wollen, zu unterscheiden. Viele Stiftungen haben es sich zur Aufgaben gemacht, benachteiligte Schüler und Studenten zu unterstützen: Sie wollen jungen Leuten aus Zuwandererfamilien oder aus sozial schwachen Elternhäusern bessere Bildungschancen eröffnen.

Andere wollen eine bestimmte Region stärken und fördern Studenten nach ihrem Geburts- oder Studienort; oder sie wollen etwas für den Nachwuchs in bestimmten Fachbereichen oder Berufsgruppen tun. Wieder andere vergeben ihre Stipendien abhängig vom persönlichen oder familiären Hintergrund - an Waisen, Alleinerziehende oder an Angehörige von Minderheiten. Bei all diesen Stiftungen spielen Schul- und Studienleistungen, wenn überhaupt, nur eine nachgeordnete Rolle.

Aber auch bei den Begabtenförderwerken ist ein bestimmter Notenschnitt keine Voraussetzung. Die Begabtenförderwerke wollen die besten Studenten ihres Jahrgangs unterstützen, eine Notengrenze gibt es nicht. Wenn von überdurchschnittlichen Leistungen die Rede ist, kann das in manchen Studienfächern, wo Einser selten sind, auch ein solider Zweier-Schnitt sein.

Selbst bei der Studienstiftung des deutschen Volkes, die bei den Noten die höchsten Anforderungen stellt, muss es nicht die magische 1,0 sein. Durch die Selbstbewerbung über einen Test lässt die Studienstiftung nicht mehr nur von der Schule oder Professoren vorgeschlagene Kandidaten zu. "Wir schließen damit ganz bewusst eine Gerechtigkeitslücke: Jeder Student kann sich bewerben, der Abischnitt spielt keine Rolle", sagt Sibylle Kalmbach, stellvertretende Generalsekretärin der Studienstiftung, "wir haben dann auch öfter mal erfolgreiche Bewerber mit einem Abi im Zweier-Bereich, auch einzelne mit einem Dreier-Abi. Manche Talente zeigen sich erst im Studium." Erfahrungsgemäß schaffen etwa zehn Prozent der Testteilnehmer, die sich auf eigene Initiative beworben haben, die Aufnahme.

Kritik an Begabtenförderwerken

Immerhin liegt bei den Selbstbewerbern der Anteil der Kandidaten aus nicht-akademischen Elternhäusern mit fast einem Drittel deutlich höher als bei den Vorschlägen von Lehrern und Professoren. Denn hinter solchen Bemühungen steht auch der Versuch, den vergleichsweise geringen Anteil an Stipendiaten aus Nicht-Akademikerfamilien zu steigern. Die Begabtenförderwerke stehen deswegen grundsätzlich in der Kritik: Laut einer Studie des Hochschul-Informations-Systems kommen zwei Drittel ihrer Stipendiaten aus einem akademisch geprägten Elternhaus, die Hälfte wird bei der sozialen Herkunft in die höchste Kategorie eingestuft und nicht einmal ein Drittel erhält ein Stipendium in voller Höhe, weil ihr eigenes oder das Einkommen der Eltern das nicht erfordert.

Immer stärker wird der persönliche Hintergrund miteinbezogen, wenn es um die Beurteilung der Schul- oder Studienleistungen geht. Das heißt, die Stipendiengeber sind durchaus bereit, zu berücksichtigen, dass ein Bewerber sein Studium selbst finanziert oder dass die Eltern kaum Deutsch sprechen. "Besondere Lebenswege werden im Auswahlverfahren honoriert", sagt Kalmbach, "wir haken nicht einfach ab, sondern gehen mit Augenmaß ran: Welche Freiräume hatte der Bewerber wirklich? Hatte er im Elternhaus die Möglichkeit, beispielsweise ein Instrument zu lernen oder musste er schon früh jobben gehen? Das Gesamtbild muss stimmen."

Die Begabtenförderer legen außerdem viel Wert auf gesellschaftliches Engagement - und dessen Bedeutung ist im Verhältnis zu den Noten gewachsen. Das bedeutet, dass ein in seiner Freizeit aktiver Bewerber punkten und damit vielleicht auch einen Notenschnitt, der nicht Spitze ist, ausgleichen kann. Um die Stiftungen in Sachen Engagement zu beeindrucken, muss der Bewerber auch nicht Schulsprecher oder seit Jahren im Asta-Vorstand sein - dazu können auch schon das Trainieren der D-Jugend im heimischen Fußballverein oder die Redaktion der Abizeitung beitragen.