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Exzellenzinitiative:Alle Universitäten müssen besser werden

Bafög im Sinkflug

Wenn mancherorts absolute Grundmittel fehlen, wirkt die Exzellenzinitiative wie Hohn.

(Foto: picture alliance / Jan Woitas/dp)

Der Exzellenz-Wettbewerb unter den Hochschulen ist richtig - doch auf Kritiker wirkt die Förderung wie Hohn. Die Wissenschaft muss der Politik eine bessere Grundausstattung für alle Hochschulen abringen.

Man muss kein Freund der Exzellenzstrategie sein, um festzuhalten, dass der akademische Wettlauf um Ruhm und Geld am Ende auch etwas Überraschendes produziert hat: Nach der Verkündung der Ergebnisse am Freitag ging die oft so verschlossene Wissenschaftswelt so richtig aus sich heraus.

Die scientific community, die sich gerne in Laboren und hinter Büchern versteckt und auch sprachlich manche Brücke zur Welt abgebrochen hat (Was war noch mal ein Exzellenzcluster?), sie sang, lachte und feierte - zumindest da, wo es etwas zu feiern gab. Aus Berlin hat ein hübsches Video den Weg ins Internet gefunden, auf dem der Vorstandsvorsitzende der ehrwürdigen Charité als DJ der Menge einheizt. Der Elfenbeinturm bebt - und alle können zusehen.

Sekt oder Selters, das hatten sie in Berlin als Zeile über den Abend geschrieben, als noch nicht klar war, ob die gemeinsame Bewerbung der drei Universitäten von Erfolg gekrönt sein würde. Es ist so etwas wie das inoffizielle Motto des gesamten Exzellenzwettbewerbs. Er teilt die deutschen Universitäten in Gewinner und Verlierer ein. Auf der einen Seite strahlen nun die routinierten Seriensieger aus München, der Aufsteiger aus Hamburg, die strebsame Viererkette aus Baden-Württemberg, der einsame Stern des Ostens aus Dresden.

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Auf der anderen Seite lecken die Geschlagenen ihre Wunden, allen voran der Absteiger aus Köln. Bundesforschungsministerin Anja Karliczek mochte am Freitag noch so oft betonen, dass bei diesem Wettstreit letztlich alle gewonnen haben - am Ende heißt es alles oder nichts. Das gilt nun sogar noch mehr als früher: Das Geld für die Exzellenzunis fließt in den nächsten Jahren potenziell ohne zeitliche Begrenzung.

Darf das sein? Darf man den Leistungsgedanken des Sports oder den Wettbewerbsgedanken der Wirtschaft auf die Universitäten übertragen?Diese Frage begleitet die Exzellenzförderung, seit sie 2005 von der damaligen rot-grünen Bundesregierung ins Leben gerufen wurde. Als akademische Version des Förderns und Forderns sollte sie die Universitäten zu Höchstleistungen anstacheln, auf dass sie im internationalen Vergleich wieder mithalten können.

Heute muss man sagen: Mit Harvard und Yale, mit Oxford und Cambridge können sich München oder Karlsruhe noch immer nur bedingt messen. Wie auch? Die Exzellenzinitiative, die 2016 zur Exzellenzstrategie wurde, verteilt zwar viel Prestige, aber vergleichsweise wenig Geld.

Insgesamt 148 Millionen Euro erhalten die elf Sieger künftig pro Jahr - pro Exzellenzuniversität sind das zehn bis 15 Millionen Euro. Eine bescheidene Summe. Die TU München verbuchte im Jahr 2018 Gesamteinnahmen von 1,6 Milliarden Euro. In Deutschland ist sie damit ein Riese, international nur Mittelmaß. Harvard nahm 2018 fünf Milliarden Dollar ein.

Trotzdem war und ist die Idee richtig, Spitzenforschung zu fördern. Das Exzellenzprogramm hat die Universitäten nicht nur in permanenten Antragsstress versetzt (wie stets kritisiert wird). Es hat im Rahmen seiner finanziellen Möglichkeiten den schwerfälligen Institutionen Beine gemacht, Kräfte freigesetzt und ihnen auch international Aufmerksamkeit verschafft. Das ist nicht wenig.

Dass die Exzellenzförderung dennoch bis heute viele erbitterte Gegner hat, gerade unter Studierenden und im sogenannten Mittelbau der Universitäten, hat einen anderen Grund: Alle Universitäten in Deutschland sind chronisch unterfinanziert, allein der Sanierungsaufwand für die Gebäude geht in die Milliarden. Ihre Grundmittel, also das Geld, das ihnen fest zusteht, wurden über viele Jahre zusammengestrichen; überlebenswichtig werden jetzt die Drittmittel, die die Universitäten einwerben können - allerdings mit Ablaufdatum. Und dieses Ablaufdatum findet sich als Befristung in den Verträgen Abertausender Universitätsmitarbeiter wieder, die sich aus gutem Grund als wissenschaftliches Prekariat empfinden.

Vor diesem Hintergrund wirken die Exzellenzprogramme auf viele Kritiker wie Hohn: Als nehme man allen Universitäten erst das Dach über dem Kopf und lasse sie sich dann um elf Regenschirme balgen. Doch das Problem ist nicht der Wettkampf um die Regenschirme. Das Problem ist das fehlende Dach.

Nach der Entscheidung vom Freitag erhält die Wissenschaft viel Lob von kundigen Beobachtern. Ihren Vertretern sei es gelungen, den Auswahlprozess an sich zu reißen und der Politik für die verfügbaren elf Plätze genau elf Kandidaten zu präsentieren. Das ist in der Tat bemerkenswert.

Einen noch größeren Triumph aber für die Gesamtheit ihrer Mitarbeiter könnte die Wissenschaft einfahren, wenn sie der Politik eine bessere Grundausstattung abringt. Die Spitze zu stärken und die Breite nicht zu vergessen wäre ein exzellentes und besonders nachhaltiges Mittel gegen die Angst, dass es demnächst nur noch Universitäten erster oder zweiter Klasse geben könnte.

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