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Sympathien im Klassenzimmer:Lehrers Lieblinge

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Widerspruch erwünscht! Catrin Kurtz bevorzugt kritische Schüler.

(Foto: Illustration: Katharina Bitzl)

Der ideale Schüler meldet sich immer, bevor er etwas sagt? Catrin Kurtz sieht das anders: Ihr sind Mädchen und Jungen lieber, die auch mal reinrufen - oder ihr widersprechen.

Des Lehrers Liebling ist stets wohlerzogen, aufmerksam, meldet sich häufig - und hat dann immer die richtigen Antwort parat? Meiner nicht! Ob Sie es glauben oder nicht, ich mag lebhafte Kinder, die begeisterungsfähig sind und dadurch vielleicht auch mal vergessen, sich zu melden und einfach reinrufen. Die diskussionsfreudig sind und ihre eigene Meinung haben - und diese vor allem sagen! Nichts ist schlimmer als eine Klasse, die in Null-Bock-Haltung in den Stühlen hängt und selbst bei einfachen Fragen die Mitarbeit verweigert. Und in der bei kontroversen Fragen erst recht nichts kommt, weil sich die Jugendlichen scheuen, den Mund aufzumachen, aus Angst, bei ihren Mitschülern anzuecken. Wär ja voll uncool.

Ich finde es interessant, wenn sich Schüler Gedanken machen, nachfragen und versuchen, sich eine eigene Meinung zu bilden. Auch wenn die anders ausfällt als meine eigene. Ist es doch meine Aufgabe als Lehrerin, die Schüler zu jungen Erwachsenen zu erziehen, die auch mal kritisch ihre Meinung äußern.

Natürlich sind mir dabei jene Schüler die liebsten, die das auf eine "ordentliche" Art und Weise machen und sich nicht im Ton vergreifen. Schließlich achte ich auch auf meine Wortwahl und rede auf Augenhöhe mit ihnen. Meine Lieblingsschüler sind also oft die, bei deren Namensnennung andere Kollegen die Hände über dem Kopf zusammenschlagen: Zu lebhaft, zu kritisch!

"Sind wir wieder gut?"

Es sind auch die, die manchmal nach Schulschluss zu mir kommen und etwas von sich erzählen. Oder jene, mit denen man vormittags noch aneinandergeraten ist, die dann nachmittags zum Lehrerzimmer kommen, den Kontakt suchen und mir dadurch signalisieren: "Sind wir wieder gut?" Ich habe nicht eine/n Schüler/in, die/den ich am liebsten mag, sondern ganz viele Schüler, die ich wirklich gerne mag und die meinen Arbeitsalltag durch tolle Gespräche beleben.

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Womit ich allerdings absolut nicht umgehen kann, sind Schüler, die - sagen wir es einmal ganz krass - lügen, betrügen, Mitschüler fertigmachen und dabei auch noch glauben, dass wir Lehrer ein bisschen doof sind und das nicht bemerken. Fehler passieren, das nehme ich niemandem übel. Wer hat nicht schon mal die Hausaufgaben "vergessen"? Aber wenn ich einen Schüler dabei erwische, will ich keine abstrusen Ausreden hören, sondern ein klares Fehlereingeständnis: "Die habe ich nicht gemacht, hole ich nach."

Auch bei Rangeleien mit Mitschülern kan ich es absolut nicht ertragen, wenn die Schuld immer auf andere geschoben wird. Hauptsache, man selbst kann seinen Kopf aus der Schlinge ziehen und vielleicht einem Mitschüler noch eins reinreiben.

Hier ist mein Kampfgeist geweckt

Ob das deswegen meine Hassschüler sind? Sicher nicht, das sind schlicht Mädchen und Jungen, die mir eigentlich leidtun und bei denen ich mich frage, was da schiefläuft. Hier ist eher mein Kampfgeist geweckt. Es kann ja nicht sein, dass ich mir als Pädagogin eingestehe, ein Kind nicht zu mögen - und fertig. Und wenn erzieherische Bemühungen Früchte tragen, freut man sich umso mehr.

Überhaupt ist der Übergang vom Hass- zum Lieblingsschüler manchmal fließend. Es kann vorkommen, dass mich ein Kind in der ersten Schulstunde noch in den Wahnsinn getrieben hat - aber schon in der sechsten Stunde oder beim Mittagessen das bezauberndste Kind ist. Mich mit einer lustigen Geschichte zum Lachen oder einer geistreichen Anmerkung zum Staunen bringt.

Schaue ich in unsere Zukunft als Gesellschaft, sind es keine Ja-Sager, die wir in der Schule heranziehen sollten, sondern Menschen, die zu ihren eigenen Visionen stehen und sich trauen, etwas zu verändern. Das sind meine Lieblingsschüler.

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