Studium:In Jura ist die Notenverteilung seit Jahrzehnten sehr ähnlich

Hans Peter Klein, Präsident der Gesellschaft für Didaktik der Biowissenschaften und Professor für Didaktik an der Goethe-Universität Frankfurt, sieht einen Grund für diese Entwicklung in den Kriterien für die Drittmittelvergabe - Projekte würden verlängert, je besser die Noten seien. "Wir haben unsere Summa-cum-laude-Abschlüsse bei den Biologie-Promotionen bewusst auf zehn Prozent begrenzt, um die besondere wissenschaftliche Qualität dieser Doktorarbeiten zu unterstreichen. An anderen Fachbereichen liegt dieser Anteil bei mehr als 60 Prozent", sagt Klein.

Müller-Benedict warnt indes vor einer Dramatisierung. Nach seiner Untersuchung gibt es auch Fächer wie Maschinenbau, Germanistik, Soziologie und Jura ohne eine Inflation von guten Noten bei den Studienabschlüssen - vor allem bei den Juristen ist die Notenverteilung seit Jahrzehnten sehr ähnlich.

Das liege auch daran, dass die Jura-Abschlussnoten jedes Jahr veröffentlicht würden. Beim Übergang vom (Vor-)Diplom zum Bachelor beziehungsweise Master habe es bei den Bachelorabschlüssen an den Unis sogar eine Verschlechterung in vielen Fächern gegeben. Letztlich seien nicht die vielen guten Noten das Problem, sondern die mangelnde Vergleichbarkeit wegen unterschiedlicher Standards an den Universitäten. Müller-Benedict ist dennoch gegen eine Standardisierung der Prüfungen, um die Aktualität des Wissens und einen Forschungsbezug der Prüfungsinhalte zu gewährleisten.

Wichtig wäre nach seiner Ansicht eine Rahmenprüfungsordnung, die festlegt, dass die Gewichtung der Examensarbeit in der Endnote an allen Hochschulen gleich ist. Wegen der großen Unterschiede hält er die heute übliche Zulassung zum Masterstudium allein auf der Basis der Bachelor-Note für ungerecht - bis zu 20 Prozent der Plätze sollten verlost werden. Wichtig ist dem Flensburger Professor mehr Transparenz, wie sie zum Beispiel in Norwegen üblich ist: "Auf dem Zeugnis sollte neben der Note des Absolventen auch die Verteilung der Noten der jeweiligen Uni in diesem Fach aus den letzten fünf Jahren stehen, um die individuelle Leistung besser einordnen zu können."

© SZ vom 11.05.2018/mkoh
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