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Typologie der Professoren:Allwissende, Schwerenöter und Drittmittelkönige

Zum Start ins Sommersemester: eine Auswahl der Professoren, mit denen es Studierende zu tun bekommen.

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Die Privatdozentin

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Quelle: Illustration Jessy Asmus

Das macht sie aus:

Zwei Dozentenherzen schlagen, ach, in ihrer Brust: Einmal ist sie immer latent missmutig, weil sie schon seit Jahren habilitiert ist und auf den Ruf auf eine ordentliche Professur wartet; aber sie ist auch bemüht, weil sie sich als Selbstständige manche Verhaltensweise eines Professors eben nicht erlauben kann. Das zeigt sich etwa bei Rückfragen aller Art: Die beantwortet sie meist zügig und hilfreich, digital wie analog.

Das sagen ihre Kollegen über sie:

"Gönnen würde ich ihr die Professur ja schon, aber ein bisschen Warten hat auch noch niemandem geschadet."

So läuft die Sprechstunde ab:

"Nein, eigentlich habe ich nur donnerstags Sprechstunde - aber kommen Sie ruhig herein. Womit kann ich helfen?"

Ein typisches Zitat aus ihrer Lehrveranstaltung:

"Das deutsche Hochschulsystem nervt mich manchmal schon gewaltig."

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Der Schwerenöter

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Quelle: Illustration Jessy Asmus

Das macht ihn aus:

Er ist nicht in einer bestimmten Altersklasse zu finden, es gibt junge wie auch alte Professoren, die es mit der professionellen Distanz zu ihren Studierenden nicht so genau nehmen. Dieser Typus pflückt dem Objekt seiner Begierde gern während des Seminars einen Fussel von der Schulter, zwinkert ihm oder ihr eher einmal mehr als einmal weniger zu und lässt sich auch auf universitären Anlässen blicken, die ansonsten kaum ein Dozent besucht. Sein Plan scheint aufzugehen: Am Ende des Semesters kennt fast jeder Studierende jemanden, der jemanden kennt, dessen Kumpel eine Bekannte hat, die auffällig oft mit dem Schwerenöter gesehen wurde.

Das sagen seine Kollegen über ihn:

"Auf abstoßende Weise fast schon bewundernswert, dass er damit seit Jahren durchkommt."

So läuft die Sprechstunde ab:

"Ich wollte mir eben noch einen Kaffee holen. Darf ich Ihnen etwas mitbringen?"

Ein typisches Zitat aus seiner Lehrveranstaltung:

"Da habe ich ja wieder mal ein sehr angenehmes Seminar erwischt."

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Der Fahrige

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Quelle: Illustration Jessy Asmus

Das macht ihn aus:

Wer sein Büro betritt, wähnt sich in einem Museum - oder in einer Rumpelkammer, je nach Blickwinkel. Die Regale können die Masse an Büchern längst nicht mehr tragen, auf dem Boden ist eine Art Labyrinth aus Literaturtürmen entstanden. Fachlich ist dieser Hochschullehrer einer der besten Köpfe auf seinem Gebiet. Für den betriebsamen Ablauf an der Uni aber ist er nicht geschaffen, er fühlt sich allein im Labor oder in der Bibliothek am wohlsten. Dass er sein immenses Wissen vor Studierenden nicht vermitteln kann, nimmt ihm aber niemand übel. Es ist einfach zu putzig, wie er unter Benutzung kompliziertester Fachtermini versucht, etwas zu erklären, was in seinem Kopf so vollkommen logisch ist.

Das sagen seine Kollegen über ihn:

"Ein brillanter Forscher - aber trägt er den gestreiften Pullunder nicht schon die ganze Woche?"

So läuft die Sprechstunde ab:

Nach halbstündiger Debatte über den Abgabetermin der Seminararbeit verweist er auf das Sekretariat: "Die wissen da besser Bescheid."

Ein typisches Zitat aus seiner Lehrveranstaltung:

"Ich war mir ganz sicher, dass ich diesen Raum für heute gebucht hatte."

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Die Allwissende

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Quelle: Illustration Jessy Asmus

Das macht sie aus:

Diese Hochschullehrerin hat derart viel Wissen - nicht nur in ihrem Fachgebiet, sondern überall - angehäuft, dass es den gemeinen Studierenden regelrecht erschlägt. Das ist aber nicht schlimm, wenn er sich schnell bewusst macht, dass er nicht jede Klugheit aus ihrem Munde aufnehmen und behalten muss; es genügt, sich Notizen zu machen, wenn das Stichwort "klausurrelevant" fällt. Und der weltumspannende Rest, den diese Professorin zu berichten weiß? Einfach zurücklehnen und sich an der kostenlosen Lektion zu Syrien/Facebook/Diesel (oder welches Thema sie auch immer heute beschäftigt) erfreuen.

Das sagen ihre Kollegen über sie:

"Zum Glück ist noch niemandem aufgefallen, dass sie über mein Habilitationsthema besser Bescheid weiß als ich."

So läuft die Sprechstunde ab:

Mit der Bemerkung ihrerseits, dass man das Thema für die Seminararbeit natürlich noch aus weiteren Winkeln betrachten könnte. "Aber Sie haben ja sicher auch noch für andere Kurse zu tun."

Ein typisches Zitat aus ihrer Lehrveranstaltung:

Irgendetwas auf Latein. Oder Altgriechisch. Oder der Spruch eines Gelehrten, dessen Namen der Rest der Anwesenden nicht einmal buchstabieren kann.

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Der Doktorand

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Quelle: Illustration Jessy Asmus

Das macht ihn aus:

Vom ersten Studientag an hatte er nur ein Ziel: irgendwann selbst dieses von manchen bewunderte und von vielen gehasste Wesen zu sein, das da vorne steht und alle Unwissenden an seiner Weisheit teilhaben lässt. Oder so ähnlich. Jedenfalls hat er bis dato die klassische Karriere des angehenden Wissenschaftlers gemacht, war Tutor, Hiwi, nun promoviert er. Für Studierende haben seine Karrierepläne Vorteile: Er hängt sich nicht nur im Seminar richtig rein, sondern ist auch sonst quasi rund um die Uhr für fachliche Probleme aller Art erreichbar.

Das sagen seine Kollegen über ihn:

"Aus dem kann mal was werden."

So läuft die Sprechstunde ab:

"Dieses Thema konnte ich mir auch nicht sofort erschließen. Aber ich hätte hier hilfreiche Sekundärliteratur für Dich - meine Bleistiftnotizen bitte einfach ignorieren."

Ein typisches Zitat aus seiner Lehrveranstaltung:

"Ich halte dieses Seminar zum ersten Mal und freue mich über jede Art von Feedback."

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Die Drittmittelkönigin

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Quelle: Illustration Jessy Asmus

Das macht sie aus:

Aus finanzieller Sicht ist sie von unschätzbarem Wert - also für die Uni, weniger für ihre Studierenden. Die bekommen diese Professorin nur sehr selten zu Gesicht. Sie ist berühmt für ihre herausragende Forschung, nicht so sehr für ihre Anwesenheit im Hörsaal. Dort wird sie von ihren Untergebenen vertreten, während sie mal wieder ein neues Projekt anleiert oder einen wichtigen Vortrag vor Großindustriellen halten muss.

Das sagen ihre Kollegen über sie:

"Irgendwie muss der laufende Betrieb ja finanziert werden."

So läuft die Sprechstunde ab:

"Vielen Dank für Ihre Anfrage. Ich bin bis Ende des Sommersemesters auf Vortragsreise in Japan und Südkorea. Bei Fragen zu meinen Lehrveranstaltungen hilft Ihnen mein Sekretariat gerne weiter." (Abwesenheitsassistent)

Ein typisches Zitat aus ihrer Lehrveranstaltung:

"Lassen Sie uns zügig zum Punkt kommen, ich muss später noch einen Flug erwischen."

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Der Lehrer

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Quelle: Illustration Jessy Asmus

Das macht ihn aus:

Die Bologna-Reform ist seinen Lehrmethoden sehr entgegengekommen; bietet das Studium doch längst weniger Wahlmöglichkeiten als zu Magisterzeiten. So kann der Lehrer die Studierenden - er nennt sie vor Bekannten "meine Schäfchen" - bei der Hand nehmen und ihnen ausführlich erklären, wie viele ECTS-Punkte sie wann und wofür erwerben können und wie das mit den Zitierrichtlinien für die Hausarbeit ist. Dabei macht es ihm nichts aus, jede Frage im Bedarfsfall mehrfach zu beantworten. Es geht schließlich um die Zukunft der Kinder, äh, Studierenden.

Das sagen seine Kollegen über ihn:

"Der wäre an einer Grundschule besser aufgehoben."

So läuft die Sprechstunde ab:

"Kein Problem, wenn Sie das noch nicht ganz verstanden haben, erkläre ich es Ihnen gerne nochmal."

Ein typisches Zitat aus seiner Lehrveranstaltung:

"An Ihrer Stelle würde ich mir das Thema X vor der Klausur noch einmal genau ansehen."

© SZ.de/lho/rus

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