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Risiko Sportunterricht:Sind Sportlehrer auf Notfälle vorbereitet?

Baden PâÄ°dagogische Hochschule Turnsaal *** Baden University of Education Turnsaal

Im Sportunterricht sollen Schüler ihre körperlichen Grenzen kennenlernen - dabei können Unfälle nicht völlig vermieden werden.

(Foto: imago)

Ein Schüler klagt wegen unzureichender Ersthilfe seiner Lehrer. Der BGH muss nun entscheiden, ob der Staat Schmerzensgeld zahlen muss. In der Sport-Fachschaft sorgt das für Nachdenklichkeit.

Als der Notarzt eintraf, war der Schüler acht Minuten bewusstlos. Das geht aus dem Klinikbericht hervor. Der Wiesbadener Gymnasiast hatte beim Aufwärmen im Sportunterricht plötzlich Kopfschmerzen verspürt und war an der Wand zusammengesackt. Jegliche Laienreanimation - so heißt es in dem Bericht weiter - habe nicht stattgefunden. Der Fall ist sechs Jahre alt, der damals 18-Jährige heute schwerbehindert. Er hat schwere, dauerhafte Hirnschäden erlitten. Und er klagt sich bis vor den Bundesgerichtshof, weil er glaubt, dass die Lehrer mehr hätten tun können - hätten tun müssen. Er macht sie verantwortlich für seine Behinderung.

Es ist ein tragischer Einzelfall. Trotzdem sorge er unter den Kollegen für Unruhe, sagt Günther Felbinger, der Präsident des bayerischen Landesverbandes im Deutschen Sportlehrerverband. Unter Lehrern wird diskutiert: Welche Auswirkungen könnte es haben, wenn Staat und Lehrer haftbar gemacht werden? Und sind sie selbst gut genug vorbereitet auf alles, was passieren kann?

Über diesen Unfall im Sportunterricht wird diskutiert:

Bundesgerichtshof

Kollaps im Sportunterricht - tragischer Fall vor dem BGH

Ein Schüler bricht zusammen, die Lehrkräfte reanimieren nicht, sondern warten auf den Notarzt. Der junge Mann ist nun schwerbehindert - und der BGH muss die Schuld der Pädagogen beurteilen.

"Mit dem Albtraum leben wir täglich"

Auch im Deutschunterricht kann ein Schüler ohnmächtig werden. Aber Sportlehrer müssen die Schüler an ihre Grenzen bringen. Im Sportunterricht sollen sie lernen, wie es sich anfühlt, wenn der Körper Stopp sagt. "Mit dem Albtraum, dass so etwas Schlimmes passiert, leben wir täglich, Sport ist ein Risiko-Fach", sagt Lenka Schäfer, Fachgruppenleiterin Sport des Bayerischen Philologenverbands.

Schäfer ist seit 1991 Sportlehrerin, sie unterrichtet die Schülerinnen eines Bad Tölzer Gymnasiums: "Wir wissen nicht, wie die Schüler bei uns ankommen: Haben sie gefrühstückt? Wie ist ihr Blutdruck? Wir können ja nicht jeden gesundheitlich checken und müssen davon ausgehen, dass Schülerinnen und Schüler gesund sind", sagt Schäfer.

Unerkannte Vorerkrankungen sind ein Risiko, dazu kommen die sporttypischen Gefahren: "Sehr verletzungsträchtig sind Übungen am Minitrampolin, an den Ringen und Kletterstangen. Alle Bewegungen, die mit Drehungen verbunden sind, bergen Risiken für die Wirbelsäule." Besonders aufmerksam müssen Sportlehrer auch im Schwimmunterricht sein. Aufgrund der Ertrinkungsgefahr gibt es sehr enge Sicherheitsregeln.

Insgesamt 450 585 Sportunfälle mussten 2017 ärztlich behandelt werden, hat die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung gezählt. Das sind knapp 70 pro 1000 Schüler. Die Unfallzahlen sind in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Mehr als 200 000 dieser Unfälle ereigneten sich bei Ballsportarten. Basketball, Fußball, Volleyball und Handball werden im Schulsport besonders viel gespielt. Dass sich Schüler an Fingern, Füßen, Sprunggelenken verletzen, kommt häufig vor; Kopfverletzungen sind seltener.